Masthähnchenpreise unter Druck: UPP sieht niederländische Notierungen zu stark gefallen

19 Juni 2026
Niederlande
Masthähnchen werden entladen

Sinkende Notierungen, wachsender Wettbewerbsdruck und eine stärkere Konzentration in der Geflügelbranche prägen derzeit den niederländischen Masthähnchenmarkt. Nach Einschätzung der Union der Geflügelproduzenten (UPP) fiel der Preisrückgang jedoch stärker aus, als die Marktdaten rechtfertigen. Vor allem die Entwicklung in Polen und Osteuropa rückt dabei in den Fokus.

UPP warnt vor weiterem Preisdruck

Auf einer Versammlung der UPP in Arnhem analysierte Direktor Aalt den Herder die aktuelle Lage am europäischen Masthähnchenmarkt. Er sieht die Branche mitten in einem Strukturwandel. Unternehmen bündeln ihre Kräfte, Schlachtkonzerne bauen ihre Marktposition aus und die Produktion verlagert sich zunehmend nach Osteuropa.

Als Beispiel nannte Den Herder die geplante Zusammenarbeit zwischen der deutschen PHW Gruppe und dem niederländischen Unternehmen ForFarmers. Beide Unternehmen wollen ihre Kooperation entlang der Geflügelkette ausbauen. Auch Plukon setzt nach eigenen Angaben stärker auf langfristige Partnerschaften innerhalb der Wertschöpfungskette.

Niederländische Notierungen brechen ein

Besonders kritisch bewertet die UPP die Entwicklung der niederländischen Masthähnchenpreise. Seit Ende März gaben nahezu alle wichtigen Notierungen deutlich nach.

Die VCN-Notierung fiel innerhalb von neun Wochen von 1,10 Euro auf 1,0275 Euro je Kilogramm. Auch die Notierungen von Esbro, Jan van Ee, Clazing und ABC verloren zwischen acht und zwölf Cent. Zwar erholte sich die Deinze-Notierung Ende Mai leicht, dennoch lag sie deutlich unter dem Niveau vom Frühjahr.

Den Herder zweifelt daran, dass der Markt diesen Preisrückgang tatsächlich rechtfertigt.

Nachfrage wächst stärker als die Produktion

Nach Angaben der UPP sank die niederländische Masthähnchenproduktion in den vergangenen Jahren deutlich. Grund dafür ist vor allem die Umstellung auf das niederländische Tierwohlprogramm „1 Stern Beter Leven“.

Gleichzeitig entwickelte sich die Nachfrage in Europa stabil. Während die europäische Geflügelproduktion 2025 nur leicht zulegte, stieg der Verbrauch stärker an. Zudem ging die Produktion in der Europäischen Union seit 2020 laut Zahlen der EU-Kommission insgesamt deutlich zurück.

Auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres produzierte die EU weniger Geflügelfleisch als im Vorjahreszeitraum.

Polen bleibt wichtigster Wettbewerber

Polen bleibt der größte Geflügelfleischproduzent der Europäischen Union und damit ein zentraler Wettbewerber für niederländische und deutsche Mäster.

Nach Angaben der UPP erhalten polnische Mäster derzeit rund 1,19 Euro je Kilogramm Lebendgewicht. Die Preise blieben zuletzt stabil, liegen aber unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig stiegen die Schlachtpreise in Polen zuletzt deutlich an.

Den Herder widerspricht jedoch der häufig geäußerten These, dass billiges polnisches Geflügelfleisch allein den niederländischen Markt unter Druck setzt. Zwar liegen die Lohnkosten in Polen niedriger, doch bei Futterkosten und Stallbau sieht er deutlich geringere Unterschiede als vielfach angenommen.

Osteuropa baut Produktion weiter aus

Vor allem in Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Polen rechnen Marktbeobachter mit weiter steigenden Produktionsmengen. Die höchsten Wachstumsraten erwartet die EU-Kommission derzeit in Ungarn.

Den Herder relativiert jedoch die Bedeutung dieser Zahlen. In mehreren osteuropäischen Ländern sei die Branche noch vergleichsweise klein. Zudem erschwerten strengere Umweltauflagen inzwischen auch in Polen weitere Expansionen.

Geflügelmärkte bleiben regional geprägt

In der Diskussion mit Masthähnchenhaltern rückte auch der internationale Wettbewerb in den Mittelpunkt. Den Herder verwies dabei auf Untersuchungen zum europäischen Eiermarkt. Demnach findet der Großteil des Handels innerhalb begrenzter Entfernungen statt.

Nach Daten der Rabobank und der World Egg Organisation werden nur rund zwei Prozent der weltweiten Eierproduktion international über größere Distanzen gehandelt. Auch beim Geflügelfleisch dominieren regionale Handelsströme. Niederländisches Geflügelfleisch geht vor allem nach Deutschland, Frankreich und Großbritannien — dieselben Märkte beliefert auch Polen.

UPP sieht Spielraum für höhere Preise

Für die UPP steht deshalb fest: Die aktuellen Preisabschläge fallen zu stark aus. Den Herder sieht inzwischen erste Anzeichen einer Markterholung.

Geflügelfleisch bleibe im Vergleich zu anderen tierischen Proteinquellen wettbewerbsfähig. Gleichzeitig appellierte er an die Branche, ruinösen Preiswettbewerb einzudämmen. Einzelne Mäster könnten gegenüber Schlachtunternehmen nur begrenzt Druck ausüben. Deshalb brauche die Branche aus Sicht der UPP mehr gemeinsames Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Agrio, Tom Schotman

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