FLI: HPAI bleibt eine ständige Bedrohung
03 Dezember 2025
Biosicherheit
Auf der diesjährigen DLG-Geflügeltagung ging es in interessanten Vorträgen um neue Erkenntnisse im Bereich Tiergesundheit/Tierwohl. Kurzfristig gab es noch einen zusätzlichen Vortrag von Dr. Christian Grund, FLI, zur aktuellen Vogelgrippe-Situation. Seine klare Ansage: Das hochpathogene Vogelgrippe-Virus bleibt eine ständige Bedrohung für die Geflügelproduktion.
Dr. Christian Grund ist Laborleiter am Institut für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Insel Riems. Sein Vortrag zur aktuellen Situation bei der Vogelgrippe war kurzfristig mit in das Programm der diesjährigen DLG-Geflügeltagung in Celle aufgenommen worden. Auch dies zeigt, wie sehr das massive Vogelgrippe-Geschehen in Deutschland die Geflügelbranche derzeit bewegt.
Überwiegend Freilandhaltungen und offene Ställe betroffen
Der Fachtierarzt hatte aktuelle Zahlen mitgebracht: Seit dem 1. Oktober dieses Jahres gab es ca. 150 Ausbrüche bei gehaltenem Geflügel in Deutschland. Überwiegend betroffen waren Betriebe mit Freilandhaltung bzw. offenen Ställen, zu denen auch die halboffenen Putenställe gehören.
Überraschend war selbst für Experten der frühe Beginn und vor allem das massive Geschehen in diesem Herbst. Es gab seit dem 1. Oktober auch ca. 1.700 positive Vogelgrippe-Befunde bei Wildvögeln, ein Großteil davon betraf Kraniche. Diese waren in diesem Jahr erstmals sehr stark betroffen, geschätzt verendeten etwa 20.000 Kraniche an der Seuche. Das Massensterben war vielfach Thema in den Medien.
Kranichfunde inzwischen auch in Frankreich und Spanien
Laut Information von Dr. Christian Grund gab es inzwischen auch in Frankreich und Spanien eine sehr große Zahl verendeter Kraniche mit Vogelgrippe. Diese beiden Länder liegen auf der Hauptzugroute der Vögel Richtung Süden.
Der Wildvogelzug in die Überwinterungsgebiete im Süden ist zwar größtenteils vorbei, das bedeutet aber leider keine Entwarnung für Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter. Seit etwa 2022 haben sich auch vermehrt hiesige Wildvögel mit Vogelgrippe infiziert. In der Wildvogelpopulation ist das Virus inzwischen endemisch.
Dr. Christian Grund, FLI Insel Riems
Ein Problem: Infizierte Vögel verenden nicht mehr unbedingt und zeigen auch nicht unbedingt Krankheitsanzeichen, sind aber Virusausscheider. In Italien wurde in diesem Herbst bei scheinbar gesunden, jagdlich erlegten Wildenten das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen. In den Niederlanden wurden bei symptomlosen Wildvögeln Antikörper gegen das Virus gefunden, sprich, die Tiere hatten eine Vogelgrippe-Infektion überstanden.
Neue Virusvariante kam mit den Zugvögeln
In diesem Herbst ist mit dem Vogelzug aus dem Osten eine neue Virusvariante der Vogelgrippe nach Deutschland gekommen. Laut Dr. Grund ist das Fazit aus dem Geschehen, dass das hochpathogene AI-Virus eine ständige Bedrohung für unsere Geflügelproduktion bleibt, aber ebenso für die Biodiversität und die öffentliche Gesundheit.
Wie hoch infektiös das hochpathogene Vogelgrippe-Virus ist, machte er anhand von zwei kleinen Rechnungen deutlich:
Ein Tropfen Schleim eines infiziertes Vogels enthält ca. 10 Mio. Viren. 1.000 Viren reichen für eine Infektion, so könnten mit dem Schleimtropfen -verdünnt- 100.000 weitere Stück Geflügel infiziert werden. 1g Kot reiche, um bis zu 10.000 Tiere zu infizieren.
Tests zur Früherkennung in Betrieben nutzen
Zum Aspekt Biosicherheit betonte der FLI-Experte, dass eine möglichst frühe Erkennung einer Infektion von essenzieller Bedeutung in der Bekämpfung ist. Verfügbare Frühtests sollten bei Verdacht mit auffälligen/verendeten Tieren im Bestand durchgeführt werden.
Die Kombination aus präventiven Maßnahmen und Bestandsräumungen sind für ihn entscheidend, die Viruslast im Feld zu reduzieren. Die Biosicherheit wird viel thematisiert in Zusammenhang mit der Vogelgrippe. Dr. Grund gab zu bedenken, dass sie nicht nur die Tiere im eigenen Stall schützt, sondern im Ereignisfall eben auch Nachbarbetriebe. Eine gute Biosicherheit schütze ggf. auch vor dem Austrag von Viren.
Über die Fachvorträge der DLG-Geflügeltagung berichten wir hier in Kürze.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Christa Diekmann-Lenartz, FLI
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