Eierlegerei, Bröselei, Maschinerie - hinter den phantasievollen Namen verbergen sich Teile der Öko-Betriebsgemeinschaft Neudecker aus Bayern. Sie setzt mit u.a. 3.000 Legehennen Kreislaufwirtschaft und Energieautarkie um. Als Vorzeigeprojekt wurde sie jetzt zum Sieger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026 gekürt.
Barbara und Anton Neudecker aus Hohenpolding (Bayern) sind mit Leib und Seele der Landwirtschaft verbunden. Sie denken in Kreisläufen und führen ihre Betriebsgemeinschaft mit zwei Bio-Betrieben gemeinsam. Die Betriebe sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Sie haben deshalb mehrere Bereiche als GbR ausgegliedert und dort herausragende Innovationen entwickelt. Deshalb wurden sie jetzt auf der Grünen Woche als Sieger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026 ausgezeichnet.
Umstellung bereits vor über 30 Jahren
Der Biohof Neudecker - als erster Betrieb der Betriebsgemeinschaft - entstand 1994, als Anton Neudecker den 70-ha-Betrieb von seinen Großeltern übernahm. Er wurde sofort auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Heute werden dort 315 ha Acker und 20 ha Wald bewirtschaftet. Neben Kleegras werden Zuckermais, Weizen, Dinkel, Soja und Hafer angebaut.
Der Betrieb von Barbara Neudecker in Landshut wurde 2019 umgestellt. Sie hatte 2003 einen 50-ha-Hof von ihren Großeltern übernommen. Heute werden dort 135 ha Acker und 15 ha Forst im gleichen Konzept bewirtschaftet wie in Hohenpolding.
Größter Anbauer von Zuckermaiskolben
Die Betriebsgemeinschaft ist in vielen Bereichen sehr innovativ. So ist der Betrieb Neudecker seit Jahren einer der größten Anbauer von Bio-Zuckermaiskolben in Deutschland. In Kooperation mit einem Verarbeiter wurde eine eigene Vermarktungsschiene entwickelt.
Auf 60 Prozent der Ackerfläche wird aus Gründen des Erosionsschutzes Mulchsaat praktiziert. Aus gleichem Grund erfolgen in erosionsgefährdeten Lagen Kontursaaten mit Hafer. Zur Optimierung des Anbaus wurden in der betriebseigenen Werkstatt mehrere technische Innovationen entwickelt.
Biogasanlage mit Kleegras und Hühnermist
Seit 2010 wird eine Bio-Biogasanlage betrieben. Das geschieht im Verbund mit 20 Bio-Betrieben der Region. Mit 55 Prozent ist Kleegras Hauptbestandteil des Gärsubstrates. Dazu kommt Mist aus Kooperationen mit Bio-Betrieben (35 Prozent) und Maisstroh bzw. Silomais (10 Prozent). Der ebenfalls eingebrachte hofeigene Hühnermist führt zu hohen Nährstoffgehalten und macht so die Gärreste besonders wertvoll.
Die Verwertung der Kleegrasaufwüchse über die gemeinschaftliche Bio-Biogasanlage löst die ineffiziente Grünbache ab und erbringt dafür einen hochwertigen, flexibel einsetzbaren Biodünger.
Abwärme für Trocknung von Altbrot
Die Abwärme der Biogasanlage wird nicht nur zur Getreidetrocknung und Wärmeversorgung des Wohnhauses genutzt, sondern auch zum Trocknen von Altbrot einer großen Münchner Bio-Bäckerei. Ca. 2.000 t Altbrot/Jahr werden im Betriebsteil "Bröselei" zerkleinert, getrocknet und gemahlen, um am Ende in einem Futtermischwerk weiterverarbeitet zu werden.
Der Transport des Altbrots und der getrockneten Brösel erfolgt mit einem 40 Tonner-eLKW (370 KW), der mit hofeigener Energie betrieben wird. Ebenso werden die vier ePKW auf dem Betrieb sowie die betriebsseits den Mitarbeitenden bereitgestellten eBikes hofeigen beladen. Darüber hinaus stellt der Betrieb eine öffentlich zugängliche Schnellladesäule zur Verfügung.
Photovoltaik im Legehennenauslauf
Der Betriebszweig "Eierlegerei" besteht aus einem 3.000 Legehennenstall, dessen Auslauf in Teilen mit Photovoltaikpaneelen überdacht ist. Die Hennen haben dadurch eine gute Deckung vor Greifvögeln. Der Auslauf wird weitgehend gleichmäßig genutzt. Insgesamt hat die Photovoltaik des Betriebes ein Leistungskapazität von 1,8 Megawatt, 999 KW davon als Agri-PV im Legehennenauslauf und 800 KW als Aufdachanlagen.
Mit Hilfe von zwei Eigenverbrauchsspeichern mit 460 bzw. 650 KW wird künftig die ganzjährige Eigenversorgung mit elektrischer Energie ermöglicht. Das Einsparvolumen an fossiler Energie durch die betriebseigene Strom- und Wärmeerzeugung (Abwärme der Biogasanlage ergänzt durch eine Hackschnitzelanlage) beläuft sich per anno auf in Summe 30.000 l Diesel und 100.000 l Heizöl.
Besonderes Konzept für Pensionspferde
Vorbildlich und innovativ ist auch die Pensionspferdehaltung, für die ein besonderes Konzept "Aktivstall" entwickelt wurde. Es sorgt dafür, dass die Pferde auch an Tagen, an denen sie nicht geritten werden, ausreichend Bewegung erhalten.
In der Begründung zur Auszeichnung „Sieger Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026“ heißt es: „Visionär mit enormer Innovationskraft, viel Pioniergeist, Engagement und Herzblut wurde neue Wege beschritten. Kreislaufwirtschaft, Energieautarkie und Tierwohl werden mit Leben erfüllt und die Betriebsgemeinschaft wurde zu einem Vorzeigeprojekt der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland entwickelt.“




































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