Brustbeinschäden bei Legehennen: Wie Halter das Risiko deutlich senken können

08 Dezember 2025
Legehenne
Legehennen

Brustbeinschäden sind bei Legehennen ein verbreitetes Problem. Es umfasst Deformationen, aber auch Brüche, und die Ursachen können sehr vielfältig sein. Dr. Lisa Jung von der TiHo Hannover forscht schon lange an diesem Thema. Auf der DLG-Geflügeltagung in Celle gab sie Tipps, was Legehennenhalter vorbeugend tun können. 

Dr. Lisa Jung ist Wissenschaftlerin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Ihr Spezialgebiet sind Brustbeinschäden bei Legehennen. Diese sind ein häufiges Phänomen. Sie beeinträchtigen nicht nur Tiergesundheit und Tierwohl, sie sind auch wirtschaftlich bedeutsam. Betroffene Tiere können geringere Leistungen zeigen. 

Dr. Lisa Jung, TiHo Hannover, forscht schon lange zum Thema Brustbeinschäden bei Legehennen.

Es gibt nicht nur eine Ursache

Wegen der vielfältigen Ursachen sind alle Beteiligten der Produktionskette gefordert, gegenzusteuern, so Dr. Lisa Jung. Das fängt an bei der Zucht und geht über Stalleinrichter und Mischfutterhersteller bis hin zum Aufzüchter und Halter. Auf der diesjährigen DLG-Geflügeltagung in Celle (Niedersachsen) gab sie einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand und Tipps, was Legehennenhalterinnen und Legehennenhalter in ihrem Stall tun können. 

Die Wissenschaftlerin begann ihren Vortrag mit ein paar biologischen Grundlagen: Speziell beim weiblichen Huhn bilden sich mit der Legereife die sogenannten medullären Knochenbestandteile aus, die auch im Brustbein gebildet werden. Das Brustbein ist der größte Knochen im Hühnerkörper.

Knochen dienen als Kalziumspeicher

Die medullären Knochen dienen als schnell abbaubarer Kalziumspeicher. Er wird angezapft, wenn der enorme Kalziumbedarf für die Eischalenbildung nicht über das Futter gedeckt wird. Diese Knochen sind also in wechselndem Auf- und Abbau begriffen, unter anderem kann Mangel an Kalzium zu den bekannten Deformationen und Brüchen führen. 

Das Problem der Brustbeinschäden ist schon lange bekannt. Es betrifft sowohl konventionelle Legehennenlinien als auch Ökoherkünfte oder auch „alte“ Rassen. Dr. Lisa Jung untersuchte zum Beispiel Bielefelder, Bresse und Ostfriesische Möwen und fand überall die genannten Probleme, wenn auch in unterschiedlichem Schweregrad. 

Links: So sieht ein intaktes Brustbein bei der Legehenne aus; rechts: Hier liegt eine erhebliche Deformation des Brustbeins vor.

Kein alleiniges Thema der Zucht

Das sieht sie als Indiz dafür, dass Brustbeinschäden kein alleiniges Thema der intensiven Zucht auf Legeleistung sind. Brustbeinschäden treten in allen Haltungsformen auf, von der Käfig- über die Boden- bis hin zur Volierenhaltung. Brustbeinschäden treten dabei in jeder Herde auf: Im Schnitt waren rund 50 Prozent der Hennen – in unterschiedlichem Schweregrad – betroffen. 

Deutlich sagte sie, dass Brustbeinschäden in der Regel keine Einzelursache haben, sondern dass es einen Ursachenkomplex gibt. Die gute Nachricht dabei: Es gibt auch viele Stellschrauben, an denen man drehen kann für Verbesserungen. So arbeiten die in Deutschland vertretenen Zuchtunternehmen schon länger am Thema. Als Ansatzpunkte für den Legehennenbetrieb zählte sie auf:

  • Stalleinrichtung
  • Fütterungsmanagement
  • Herdenführung

Auf- und Abstiegshilfen sinnvoll

Im Stallbau nannte sie als Beispiel, dass weichere, nicht so glatte Sitzstangen wie Holz- und Kunststoffsitzstangen anscheinend einen positiven Effekt haben. Die Gänge zwischen den Volierenreihen dürfen nicht zu schmal sein, weil sonst der Abflugwinkel für die Tiere zu steil wird und die Gefahr von Kollisionen steigt. Auf- und Abstiegshilfen können ggf. helfen. Ausreichend Tageslicht scheint ebenfalls positive Wirkung auf ein stabiles Skelett zu haben. 

Jedem Legehennenhalter empfahl die Wissenschaftlerin regelmäßige Futteranalysen. Wert zu legen sei auf nicht nur ausreichende Kalzium-Gehalte, sondern ebenso eine optimale Versorgung mit Phophor und Vitamin-D. 

Aufzuchtphase sehr wichtig

Auch in Bezug auf die Knochenstabilität kommt der Aufzuchtphase besondere Bedeutung zu. Die Knochen müssen bereits in der Aufzucht aufgebaut werden, das Futter und auch ausreichend Bewegung sind hier Stellgrößen. Definitiv Einfluss auf die Brustbeingesundheit habe das Alter bei Legebeginn. Empfohlen wird ein Legestart nach der 20. Lebenswoche. Die Einstallung in den Legebetrieb sollte vor der 18. Lebenswoche erfolgen. Gesicherte Wechselbeziehungen gibt es zwischen Eigröße bei Legebeginn und Vorkommen von Brustbeinschäden, ebenso spielt die Eigröße bei Legebeginn in Relation zum Körpergewicht eine Rolle. 

Um unter anderem traumatische Beschädigungen des Brustbeins zu vermeiden, sollten die Tiere an Menschen gewöhnt sein und nicht aufgeregt auf Betreuer im Stall reagieren. Sie empfahl zudem Schulungen für Legehennenhalter, um Brustbeinschäden durch Abtasten zu erkennen (Palpationstraining). 

Wissen in die Praxis bringen

Wie Dr. Lisa Jung abschließend informierte, sei ein Projekt beantragt, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Brustbeinschäden stärker in Praxisbetriebe zu bringen.  

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz, FLI

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