BCC-Hähnchen im Rückwärtsgang: Flandern plant neue Kennzeichnung – und ringt um Vertrauen im Markt

29 April 2026
Belgien
belgien hähnchen

Der Einzelhandel rückt vom Better Chicken Commitment ab – und bringt damit Geflügelhalter in Bedrängnis. Flandern will gegensteuern und arbeitet an einer klaren Kennzeichnung für BCC-Hähnchen. Doch die Probleme reichen tiefer.

Regierung schafft Grundlage für klare Kennzeichnung

Die flämische Regierung entwickelt derzeit Regeln für die Kennzeichnung von BCC-Hähnchen. Ziel ist es, dass Händler Produkte mit höheren Tierschutzstandards eindeutig ausweisen können.

Auslöser ist eine Lockerung der EU-Vorschriften zur Geflügelfleischkennzeichnung. Landwirtschaftsminister Jo Brouns treibt die Umsetzung in belgisches Recht voran. Die zuständige Agentur stimmt sich dazu mit Branchenvertretern ab. Innerhalb weniger Monate soll eine verbindliche Lösung stehen.

Bis dahin erlaubt eine Übergangsregelung, BCC bereits auf Etiketten und in der Vermarktung zu nennen.

Einzelhandel korrigiert Kurs – Betriebe geraten unter Druck

Mehrere Supermarktketten haben ihre Zusagen zurückgenommen. Ursprünglich wollten sie ab 2026 nur noch BCC-Hähnchen anbieten. Dieses Ziel verfolgen sie nun nicht mehr konsequent.

Für Geflügelhalter hat das spürbare Folgen. Viele Betriebe haben ihre Ställe umgebaut und die Besatzdichte gesenkt. Jetzt fehlt ihnen der verlässliche Absatz. Einnahmen geraten unter Druck, Investitionen stehen infrage.

Stickstoffpolitik verschärft die Lage

Zusätzlich belastet die Regelung zu Nährstoffemissionsrechten die Betriebe. Wer auf BCC umgestellt hat, hielt weniger Tiere und nutzte seine Rechte nicht voll aus. Teile dieser ungenutzten Kontingente gingen später durch neue Stickstoffvorgaben verloren.

Nun wollen einige Betriebe zur konventionellen Produktion zurückkehren. Doch sie dürfen ihre ursprüngliche Tierzahl nicht mehr erreichen. Die verlorenen Rechte lassen sich kaum wiederherstellen. Eine Lösung würde tief in die Gesetzgebung eingreifen.

Politik diskutiert Ausnahmen

Im flämischen Parlament suchen Abgeordnete nach Auswegen. Einige schlagen vor, die Lage als Ausnahmefall zu werten. So könnten Betriebe ihre alten Rechte wieder nutzen.

Minister Brouns bremst jedoch die Erwartungen. Änderungen im Regelwerk seien komplex und nicht kurzfristig umzusetzen.

Ohne verlässliche Kettenabsprachen fehlt Planungssicherheit

Neben politischen Lösungen rückt die Branche die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette in den Fokus. Nur wenn Handel, Erzeuger und Verarbeiter ihre Zusagen einhalten, lohnen sich Investitionen in mehr Tierwohl.

Die geplante Kennzeichnung könnte helfen, Vertrauen zurückzugewinnen. Sie schafft Transparenz für Verbraucher – und gibt dem Handel die Chance, sich erneut klar zu BCC-Produkten zu bekennen.

Geflügelnews
Bild: Luc Maertens
Quelle: Tom Schotman

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