Aldi Süd streicht Billigfleisch: Ab 2026 kein Eigenmarken-Fleisch mehr aus niedrigster Haltungsform

21 Oktober 2025
Deutschland
Aldi Süd

Aldi Süd macht Ernst mit dem Tierwohl: Der Discounter will ab Mitte Januar 2026 kein Eigenmarken-Frischfleisch mehr aus der Haltungsform 1 anbieten. Damit geht Aldi Süd als erster großer Lebensmittelhändler einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltigerer Tierhaltung – und fordert gleichzeitig politische Unterstützung für den Wandel.

Aldi Süd beendet Verkauf von Fleisch aus Haltungsform 1

Der Discounter Aldi Süd streicht ab Mitte Januar 2026 sämtliches Frischfleisch seiner Eigenmarken aus der untersten Haltungsform-Stufe 1. Betroffen sind Hähnchen, Pute, Rind und Schwein. Mit diesem Schritt will das Unternehmen die Weiterentwicklung der Tierhaltung in Deutschland hin zu mehr Tierwohl fördern. Markenartikel und internationale Spezialitäten bleiben von der Maßnahme ausgenommen.

Laut Aldi Süd ist dieser Schritt bislang einzigartig in der deutschen Handelsbranche. Etwa 90 Prozent des Fleischsortiments des Unternehmens bestehen aus Eigenmarken, die nun von der Umstellung betroffen sind. „Mit dem Verzicht auf Frischfleischprodukte aus Haltungsform 1 setzen wir ein klares Zeichen für mehr Tierwohl“, sagte Julia Adou, Director Sustainability bei Aldi Süd. Die Nachfrage nach Produkten aus höheren Haltungsformen steige kontinuierlich, was belege, dass die Kundinnen und Kunden diesen Weg mitgehen.

Hintergrund: Das System der Haltungsformen

Das freiwillige Haltungsform-Kennzeichnungssystem ordnet Fleischprodukte in fünf Stufen ein, die sich an den Bedingungen der Tierhaltung orientieren.

  • Stufe 1 („Stall“) steht für die gesetzlichen Mindestanforderungen,
  • Stufe 2 („Stallhaltung Plus“) sieht leicht verbesserte Bedingungen vor,
  • Stufe 3 („Frischluftstall“) bietet den Tieren mehr Platz und Frischluftkontakt,
  • Stufe 4 („Auslauf/Weide“) ermöglicht Auslauf im Freien,
  • Stufe 5 entspricht Bio-Standards.

Die großen Handelsketten in Deutschland haben sich das Ziel gesetzt, bis 2030 das gesamte Frischfleischangebot ihrer Eigenmarken auf die höheren Stufen 3 und 4 umzustellen – abhängig von der Verfügbarkeit. Aldi Süd will dieses Ziel im Rahmen seiner unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsinitiative #Haltungswechsel bereits früher erreichen.

Fortschritte beim „Haltungswechsel 2030“

Der Discounter verweist auf mehrere Etappenerfolge:

•    Seit Februar 2024 stammt die gesamte Eigenmarken-Trinkmilch aus den höheren Haltungsformen 3, 4 und 5 – sechs Jahre früher als geplant.
•    Seit April 2024 bezieht Aldi Süd Rindfrischfleisch ausschließlich aus diesen höheren Haltungsformen, sämtliches Fleisch aus Stufe 3 ist dabei deutscher Herkunft.
•    Seit März 2024 gilt das auch für Putenfrischfleisch.
Insgesamt stammen laut Unternehmensangaben inzwischen 50 Prozent des Frischfleischs sowie über ein Drittel der gekühlten Fleisch- und Wurstwaren aus den Stufen 3 bis 5.

Bereits im Januar 2025 hatte Aldi Süd den Verkauf von Wurstprodukten aus Haltungsform 1 beendet. Im Mai desselben Jahres folgte eine neue Anordnung der Kühltheken, um die Herkunfts- und Haltungsinformationen für Kundinnen und Kunden transparenter zu machen. Der vollständige Ausstieg aus Haltungsform 1 bei Frischfleisch ist nun der nächste Schritt.

Marktentwicklung und Bedeutung für die Landwirtschaft

Nach Angaben der Trägergesellschaft des Haltungsformsystems stammt bei Schweinefleisch im Selbstbedienungsregal nur noch ein sehr geringer Anteil (1,5 Prozent im Jahr 2023) aus Haltungsform 1. Bei Geflügel ist diese Stufe im Handel bereits praktisch verschwunden; dort dominiert Haltungsform 2 mit rund 90 Prozent. Anders sieht es beim Rindfleisch aus: Noch über drei Viertel stammen aus der untersten Stufe. Hier setzt Aldi Süd nun gezielt an, um eine Veränderung anzustoßen.

Ein Schritt mit Signalwirkung

Mit der Entscheidung, kein Eigenmarken-Frischfleisch aus Haltungsform 1 mehr anzubieten, will Aldi Süd einen klaren Impuls setzen – nicht nur an die Branche, sondern auch an Verbraucherinnen, Verbraucher und politische Entscheidungsträger. Die Botschaft: Der Markt für Fleisch mit höheren Tierwohlstandards wächst, und der Handel kann diesen Wandel aktiv vorantreiben.

Geflügelnews
Bild: Aldi Süd
Quelle: Aldi Süd

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