Auch in diesem Jahr kam das Osnabrücker Geflügelsymposium nicht darum herum, sich mit dem Thema Tierseuchen zu befassen: Die Geflügelpest hat im Herbst/Winter für massive Schäden gesorgt. Aktuell ist die Branche zudem in großer Sorge, weil die Newcastle Disease in Deutschland angekommen ist. Eine zentrale Frage: Wie kann das massenhafte Keulen künftig verhindert werden?
Auf dem 13. Osnabrücker Geflügelsymposium befassten sich gleich mehrere Vorträge mit dem Thema Tierseuchen. Im Fokus: Die beiden Schreckgespenster der Branche, das ist zum einen die hochpathogene Form der Geflügelpest (HPAI), zum anderen die Newcastle Disease (ND). Seit dem 20. Februar 2026 gab es bereits mehrere Ausbrüche in Brandenburg und in Bayern.
Wie verheerend die Geflügelpest im Herbst/Winter 2025/26 war, machten die Ausführungen von Dr. Christiane Rüben vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium deutlich. Niedersachsen war das am stärksten betroffene Bundesland. Seit Oktober 2025 bis heute gab es 112 Ausbrüche in geflügelhaltenden Betrieben. Diesen fielen 1,6 Mio. Tiere zum Opfer, sie verendeten oder wurden gekeult.
Biosicherheit wurde optimiert
Dr. Christiane Rüben bescheinigte der Praxis, dass es seit der Geflügelpest-Welle von 2016/17 erhebliche Verbesserungen bei der Biosicherheit gegeben habe: „In keinem Ausbruchsbetrieb (Anm.: 2025/26) wurden Mängel in der Biosicherheit festgestellt“, sagte sie. Mit zur weiteren Optimierung bei trägt das verpflichtende Erstellen von Biosicherheits-Managementplänen.
Wie wichtig Biosicherheit ist, machte auch Prof. Dr. Pia Münster auf dem Symposium deutlich. Sie hat die neu geschaffene Professur „Tierhaltung und Tiergesundheitsmanagement“ an der Hochschule Osnabrück inne. Von den beiden großen Geflügelseuchen kann durchaus auch die Lebensmittelversorgung betroffen sein. Das hat zum Beispiel der Eiermangel im vergangenen Frühjahr in den USA gezeigt. Und ebenso betroffen sein wegen Mängeln in der Biosicherheit kann natürlich die Lebensmittelsicherheit, Beispiel Salmonellen. Klar machte Prof. Münster, dass es an vielen Stellen „noch Luft nach oben gebe“ und auch noch Forschungsbedarf bestehe.
Geflügelpest-Impfung weiter im Fokus
Bei ND und HPAI sind neben der Biosicherheit die schnellstmögliche Diagnose und im Seuchenfall eine schnellstmögliche Bestandsräumung die tragenden Säulen der Bekämpfung. In Deutschland besteht zudem Impfpflicht gegen ND. Hinzugekommen ist jetzt auch die -mögliche- Impfung gegen Geflügelpest als weitere Säule der Bekämpfung. In Frankreich werden aktuell Enten geimpft, in den Niederlanden möchte man Legehennen impfen, in Italien Puten.
Prof. Dr. Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wies in Osnabrück noch einmal auf den sehr hohen finanziellen, personellen, labortechnischen und administrativen Aufwand hin, den eine Geflügelpest-Impfung nach heutiger Rechtslage bedeuten würde. Geimpfte Bestände müssten engmaschig überwacht werden. Eine Impfung bedeutet auch nicht, dass sich eine Herde nicht trotzdem einmal infizieren kann und dann gekeult werden muss. Nach wie vor wären zudem Handelsrestriktionen zu erwarten.
Praxisprojekt zur Impfung von Gänsen
Und: Die durch Impfung, Überwachung etc. entstehenden erheblichen Kosten müssten auf die Produkte aufgeschlagen werden: „Wären Verbraucher bereit, das zu zahlen?“ fragte er. Dennoch werde daran gearbeitet, das Thema voranzutreiben. So soll möglichst bald ein Feldversuch mit der Impfung von Gänsen starten.
Dass eine Impfung kein Allheilmittel ist, zeigen die jüngsten Ausbrüche von ND in Deutschland. Wie bei der Geflügelpest kann es trotz Impfung grundsätzlich Infektionen einer Herde geben – die dann nach bestehendem Recht gekeult werden muss. Dies gilt unabhängig davon, ob oder wie stark eine Herde erkrankt ist. ND verursacht bekanntlich gerade bei geimpften Legehennen nicht unbedingt schwere Krankheitsbilder. Dr. Christian Grund vom FLI wies auf die verschiedenen Einflussfaktoren für einen „Impferfolg“ hin, dazu gehört zum Beispiel die Impfstoffdosis, mögliche physiologisch bedingte Impflücken, Applikationsfehler, mögliche Koinfektionen der Tiere etc.
Keulungen auch gesellschaftliche Frage
Nach Auffassung von Dr. Timm Harder steht die Beantwortung wichtiger Fragen hinsichtlich ND und Geflügelpest an: Für HPAI gebe es ein Impfsystem in spe, bei ND impfe man seit 30 Jahren, trotzdem gebe es Ausbrüche, die viel Geld kosten: „Können wir uns die Geflügelpest-Impfung leisten? Müssen wir bei einer Infektion keulen?“ Diese Fragen, so der Wissenschaftler, müssten gesellschaftlich entschieden werden. Und: „Wir als Wissenschaftler wollen das Virus auslöschen, dafür ist die Keulung unverzichtbar. Ansonsten verharrt das Virus im Land, und wir müssen dauerhaft mit erhöhten Verlusten und schlechterer Wirtschaftlichkeit rechnen“, argumentierte er.
Vor diesem Hintergrund war ein Geflügelpest-Fall des vergangenen Winters aus der Grafschaft Bentheim interessant. Dr. Christiane Rüben berichtete hierüber. Betroffen war ein Legehennenbetrieb mit zehn Ställen und 436.000 Tieren. Nach einer Risikobewertung entschieden Landkreis und Ministerium, dass nur drei der zehn Ställe geräumt werden mussten. Die anderen Ställe wurden intensiv überwacht, die Hennen infizierten sich nicht, und die Eier konnten in Eiproduktenwerken verwertet werden. Möglich war dieses Vorgehen, weil die Ställe als getrennte seuchenhygienische Einheiten angesehen werden konnten.
Massenhafte Keulungen verhindern
So stellt sich die Frage, ob ein solches Vorgehen auch bei von ND betroffenen Betrieben möglich wäre. Klaus Middendorf ist Geschäftsführer der Heidegold Gruppe. Das Unternehmen war mit einem großen Standort in Brandenburg von ND betroffen. Hier mussten mehrere hunderttausend Legehennen gekeult werden - trotz geringer Verluste und wenig Klinik, so Middendorf. Er meldete sich in Osnabrück zu Wort und forderte seine Berufskollegen eindringlich auf, ihre Tiere bestmöglich zu schützen.
In den Heidegold-Ställen war das Impfregime vor dem Hintergrund der vielen ND-Fälle in Polen angepasst worden. Dennoch war es zu einer Infektion gekommen. Eindringlich appellierte er deshalb außerdem an Wissenschaft und Politik, einen Weg zu finden, Massenkeulungen wie aktuell vorgeschrieben, zu vermeiden. Dazu wäre es wichtig, so die Antwort von Dr. Grund, dass Biosicherheitsmaßnahmen sowohl den Eintrag als auch den Austrag von Virus unterbinden. Hilfreich wäre die schnelle Erkennung eines Infektionsherdes, bevor es zu einem Flächenbrand kommen kann.
Immens hohe Kosten bei Tierseuchenkassen
Klaus Middendorf wies auf die hohe emotionale Belastung für alle Mitarbeitenden im Falle einer Keulung hin, außerdem auf die kaum noch zu stemmenden Kosten für die Tierseuchenkasse.




































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