12. Osnabrücker Geflügelsymposium: Richtungsweisend
05 Februar 2025
Deutschland
Die Stimmung war gut auf dem Osnabrücker Geflügelsymposium. Die Nachfrage läuft bei Eiern und bei Geflügelfleisch. Die Geflügelpest scheint beherrschbar. Dennoch fehlt vielen Betrieben der Kompass für die Zukunft: Noch mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl sind angesagt, aber der Kostendruck steigt, Personal fehlt und die Politik bietet keinen verlässlichen Rahmen. In Osnabrück gab es einige „Wegweiser“.
Mit über 300 Teilnehmenden hat das 12. Osnabrücker Geflügelsymposium wieder einmal seine Bedeutung als Branchentreff bewiesen. Gleich zu Beginn gab es ein eindeutiges Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft. Es kam von Hans-Peter Goldnick, der vor knapp drei Monaten neu zum Präsidenten des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, ZDG, gewählt wurde.
Mitorganisator Prof. Robby Andersson (li.) im Gespräch.
Hiesige Betriebe würden gern investieren
Für Goldnick steht außer Frage, dass Marktorientierung oberstes Gebot für die Geflügelbetriebe sein muss. Infolge der positiven Nachfrage bescheinigte er der Eierbranche ein „Investitionsklima, das Spaß macht“. Auch in der Hähnchenmast wollten Betriebe investieren, das Geld dafür sei vorhanden.
Leider würde Unternehmertum hierzulande ausgebremst durch nationale Alleingänge bei Haltungsvorgaben etc. Stallumbauten und -neubauten seien kaum möglich. Angesichts der sehr unterschiedlichen Produktionskosten in der EU forderte Goldnick eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auf den gerade für Geflügelfleisch wichtigen Außer-Haus-Bereich. Für Importe von außerhalb der EU müssten gleiche Standards gelten wie in der EU. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Betriebe erhalten bleiben.
Kaffeepausen sind Kommunikationspausen.
Nachhaltigkeit beinhaltet auch Wirtschaftlichkeit
Der neu gewählte ZDG-Chef betonte, dass die hiesige Geflügelproduktion schon heute mit einer sehr guten Ökobilanz punkte. Die allseits geforderte Nachhaltigkeit umfasse aber auch ökonomische und soziale Aspekte, nur ein ganzheitlicher Ansatz habe Zukunft. Hier sah er aktuell einen sich anbahnenden Paradigmenwechsel in der Politik.
Für das Ziel Nachhaltigkeit bewertete Goldnick die „Europäische Masthuhninitiative“ sehr kritisch: „Wir bräuchten 9.700 Ställe mehr für die gleiche Fleischmenge, wir hätten 25 Prozent mehr CO2-Emissionen und einen um 35 Prozent höheren Wasser- und Futterverbrauch pro Kilogramm erzeugtem Fleisch.“ Das könne nicht nachhaltig sein, so sein klares Statement.
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass deutsche Geflügelprodukte wettbewerbsfähig sind gegenüber dem Ausland, soll die neue Herkunftskennzeichnung „5xD“ („Gutes aus deutscher Landwirtschaft“). Entwickelt wurde sie von der ZKHL (Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft), zu der Vertreter der Landwirtschaft und des Lebensmitteinzelhandels gehören. Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Rewe und Penny saßen mit am Tisch und bieten entsprechende Produkte an.
Mit Sti(e)l: Sweetys mit den Logos der Veranstalter.
Die Eierbranche ist zögerlich bei „5xD
In Osnabrück stellte Peter Jürgens von der ZKHL vor, wie es mit der Markteinführung des Herkunftskennzeichens vorangeht. „5xD“ gibt es aktuell für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Milch-/Milchprodukte sowie frische Eier. Alles muss dabei vollständig in Deutschland erzeugt worden sein. Entsprechend gelabelte Produkte gibt es seit vergangenem Herbst im Handel. „5xD“ ist ein freiwilliges Kennzeichen.
Während beim Geflügelfleisch die großen Namen der Branche schon dabei sind bei „5xD“, sieht Jürgens bei den Eiern noch Luft nach oben. Bei Eiern beinhaltet „5xD“, dass auch Schlupf/Brüterei und Junghennenaufzucht in Deutschland stattfinden müssen. Hierfür gibt es eine Übergangszeit bis Anfang 2026.
Laut Jürgens ist für „5xD“ eine arbeitsteilige Brut, sprich Vorbrut im Ausland und der spätere Schlupf in Deutschland, nicht akzeptabel. Auch die Geschlechtsbestimmung im Brutei muss in Deutschland erfolgen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage nach Eiern „5xD“ entwickelt. Aktuell sind Eier eher Mangelware. Legehennenbetriebe, die teilnehmen wollen, müssen ihre nächsten Junghennen in Deutschland kaufen und ggf. ihre bisherigen Lieferbeziehungen über die Grenze hinweg kappen.
„5xD“ für deutsche Putenbranche existenziell wichtig
Für Heinz Bosse, Geschäftsführer des Putenvermehrers Moorgut Kartzfehn, steht es außer Frage, dass „5xD“ existenziell wichtig ist: „Wir brauchen das Zeichen unbedingt, nicht nur im Handel. Putenfleisch geht zu einem großen Teil in die Gastronomie und an Großverbraucher. Auch dort muss die Herkunft dranstehen. Wir haben deutlich höhere Produktionskosten als etwa in Polen wegen unserer höheren Standards. Und das Mercosur-Fleisch ist sogar 30 Prozent günstiger. Wir müssen die deutsche Herkunft überall ausloben.“
Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft: ZDG-Präsident Hans-Peter Goldnick.
Weitere Themen in Osnabrück waren das jüngst viel diskutierte „Greifen und Verladen“ von Geflügel. Außerdem ging es um die Nutzung von Daten aus dem Betrieb für den Betrieb. Wer braucht was, womit spart man Arbeitszeit, welche Daten unterstützen das Management? Vom FLI gab es ein Update zur Geflügelpest. In zwei Workshops ging es darum, was die Zucht künftig kann oder soll. Zu diesen spannenden Veranstaltungspunkten aus Osnabrück berichten wir in Kürze an dieser Stelle.
Veranstalter des Osnabrücker Geflügelsymposiums sind die Hochschule Osnabrück und WING („Wissenschaft und Innovation für Nachhaltige Geflügelhaltung“) als Forschungseinrichtung der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
Heinz Bosse, Moorgut Kartzfehn, sieht „5xD“ als existenziell für die deutsche Putenwirtschaft.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Bild:
Jörg Hunold, Christa Diekmann-Lenartz
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