Niedersachsen ist Geflügelland Nr. 1 in Deutschland. So wundert es nicht, dass es von der aktuellen Vogelgrippe-Welle am stärksten betroffen war bzw. noch ist. Welche Lehren sind nun aus dem Seuchengeschehen zu ziehen? Darüber gibt es unterschiedliche Sichtweisen.
Niedersachsen ist mit mehr als 100 Mio. gehaltenen Geflügeltieren das Geflügelland Nr. 1. in Deutschland. Die Folgen des aktuellen Vogelgrippe-Geschehens treffen das Land härter als andere. Insgesamt wurden im Jahr 2025 mehr als 1,7 Mio. Tiere in Folge von Vogelgrippe-Fällen getötet – so viele wie noch nie.
Stallbau in weniger tierdichten Regionen erleichtern
Der Präsident des Landesbauernverbandes Landvolk, Holger Hennies, fordert Erleichterungen für den Bau von Ställen: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir wieder mehr Ställe in Regionen bauen dürften, wo die Nutztierhaltung weniger dicht ist“, sagte Hennies gegenüber dem Deutschen Pressedienst, dpa. Aber solche Vorhaben würden derzeit kaum genehmigt.
Für die vielen Vogelgrippe-Ausbrüche in den besonders geflügelstarken Landkreisen könne man keine mangelnde Sorgfalt der Tierhalter dort verantwortlich machen. Das sei eine Frage der Wahrscheinlichkeit: „Wenn Sie in der Region Hannover nur einen oder zwei Putenställe haben, ist das Risiko, dass die betroffen sind, viel geringer als in Landkreisen mit einer hohen Besatzdichte.
Gerade in der Hähnchenmast würden neue Ställe dringend gesucht. Gerade im Osten Niedersachsens mit wenig Tierhaltung würde diese fast nicht genehmigt, so Dr. Holger Hennies. Er forderte, dass das Bau- und Immissionsschutzrecht wieder so „schlank“ werden müsse, dass der Bau von Ställen wieder möglich werde.
Vogelgrippe-Eintrag wirtschaftlich und emotional belastend
Die Geflügelbranche sei der landwirtschaftliche Bereich gewesen, der vor Ausbruch der Geflügelpest im Herbst noch am besten dastand, sagte der Landvolk-Präsident. Für betroffene Geflügelhalter sei die Vogelgrippe ein emotional und wirtschaftlich sehr belastendes Problem. Trotz Versicherung sei ein Seuchenfall wirtschaftlich in der Regel ein großer Schaden.
Die Risikovorsorge müsse sicherlich noch weiter verbessert werden, sagte Hennies. Es sei aber falsch, für die große Verbreitung die moderne Tierhaltung verantwortlich zu machen. Es seien ihm keine Sekundärinfektionen bekannt, sagte der Landvolk-Präsident - das heiße, der Virus sei nicht von Haltung zu Haltung weitergegeben worden.
Staudte will Zutritt zu Ställen weiter begrenzen
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sieht bei den Sicherheitsmaßnahmen auf den Betrieben gegen ein Einschleppen des Virus noch Verbesserungsmöglichkeiten. „Wir müssen schauen, ob wir den Zutritt zu den Ställen weiter begrenzen, Stichwort Fremdarbeitskräfte“, sagte die Ministerin.
Höhere TSK-Beiträge für betroffene Betriebe
Es gebe auch die Idee, betroffene Betriebe bei den Beiträgen zur Tierseuchenkasse hochzustufen, ähnlich wie bei der Autoversicherung: „Es ist nämlich auch rückblickend festgestellt worden, dass einige Betriebe in den vergangenen Jahren mehrfach betroffen waren und andere gar nicht.“ Grundsätzlich seien die Biosicherheitsmaßnahmen in Deutschland aber auf einem hohen Niveau, erklärte Staudte.
Sie wies auf die latente Gefahr hin, dass sich die Vogelgrippe auch auf andere Arten ausbreiten könne. Sie habe das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) schon vor zwei Jahren gebeten, ein Katzenmonitoring vorzunehmen. In Polen hatte es Fälle gegeben, wo die Geflügelpest auf Katzen übergesprungen war. Anfang Dezember 2025 waren auch in Brandenburg mehrere freilaufende Katzen gefunden worden, die sich mit der Vogelgrippe infiziert hatten.
Perspektivisch hält Ministerin Miriam Staudte es für notwendig, dass es in einigen Regionen eine geringere Besatzdichte bei Geflügelhaltungen gebe. Durch die Konzentration gebe es zwar auch wirtschaftliche Vorteile, aber das Risiko einer Krankheitsübertragung nehme ebenfalls zu.

































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