In den Niederlanden wurden jüngst bei einer Milchkuh Antikörper gegen die Vogelgrippe nachgewiesen. Bisher wurden in Europa bei Milchkühen weder das Virus noch Antikörper festgestellt. In den USA gibt es dagegen zahlreichen Fälle von Vogelgrippe bei Milchkühen. Wir sprachen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut über die neue Entwicklung.
Wie ist der aktuelle Fall in den Niederlanden zu beurteilen, ist es nötig, die Überwachung von Milchviehherden oder Milch in der EU zu intensivieren?
Bislang wird das Gefährdungspotenzial für Rinder durch hochpathogene Vogelgrippe-Viren (HPAIV) weiterhin als sehr gering angesehen. Daran ändert sich nichts, solange es bei einem Einzelfall bleibt und weitere Untersuchungsergebnisse keine Hinweise auf eine weitere Viruszirkulation bei Rindern liefern. Vor dem Hintergrund der hohen Fallzahlen bei Vögeln in Deutschland in dieser Saison könnte vorsorglich geprüft werden, ob ein Monitoring sinnvoll ist. Das gilt insbesondere im Hinblick auf eine mögliche zweite Welle von Geflügelpest im Frühjahr bei dann wieder vermehrtem Außenkontakt von Milchkühen.
Welche Überwachungen gibt es zurzeit in der EU bzgl. Milchkühen und Vogelgrippe?
Es existiert kein EU-einheitliches HPAIV-Monitoring von Milchkühen oder anderen landwirtschaftlichen Nutztieren (außer bei Geflügel). Virologische Untersuchungen bei Rindern sind derzeit nur in begründeten Einzelfällen sinnvoll. Dies können zum Beispiel Euterentzündungen mit unklarem Ursprung sein.
Darüber hinaus wird besonders empfohlen, Rinder und andere Nutz- und Haustiere, die auf Gehöften mit einem Ausbruch der Geflügelpest zum Ausbruchszeitpunkt gehalten wurden, serologisch zu untersuchen. Bei diesen Tieren kann ein Kontakt mit dem Virus nicht ausgeschlossen werden.
Wie groß ist das Risiko einer Kontamination bei Rohmilch, bzw. bei pasteurisierter Milch?
Für den Menschen besteht prinzipiell ein Infektionsrisiko durch hochpathogene aviäre Influenzaviren. Dazu zählt auch die Aufnahme nicht inaktivierter, kontaminierter Lebensmittel wie Rohmilch und Rohmilchprodukte Wenn es sich um Milch einer HPAIV-infizierten Kuh handelt, kann diese im unbehandelten Zustand (Rohmilch) eine hohe Viruslast aufweisen und insbesondere für empfängliche Tierarten wie etwa Katzen sowie Geflügel ein hohes Infektionsrisiko darstellen. Für Menschen gilt eine geringere Empfänglichkeit, eine Infektion ist jedoch grundsätzlich möglich. Durch das Pasteurisieren, also Erhitzen der Milch, wird der Erreger inaktiviert. Für weitere Fragen hierzu ist das unter anderem für Lebensmittelsicherheit zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung zuständig.

































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