Streit um 8 Zentimeter – Slowenische Beter-Leven-Hähnchen nicht anerkannt

03 September 2025
Masthuhn
Auslauf

Ein ungewöhnlicher Streit sorgt für Diskussionen in der niederländischen Geflügelbranche: Ein Masthähnchenhalter mit 80.000 Tieren in vier Ställen hat gemeinsam mit einem niederländischen Importeur ein Projekt gestartet, um die steigende Nachfrage nach 1-Stern-Beter-Leven-Hähnchen zu bedienen. Die Tiere stammen aus einer langsamer wachsenden Rasse, werden 56 Tage lang gehalten, geschlachtet und anschließend in die Niederlande exportiert.

Doch nun der Rückschlag: Die überdachten Ausläufe der Ställe messen 2,92 Meter statt der vorgeschriebenen 3,00 Meter – ein Unterschied von gerade einmal acht Zentimetern. Für die niederländische Tierschutzorganisation Grund genug, den Betrieben das begehrte Gütesiegel zu verweigern. Die Hähnchen dürfen daher nur als konventionelle Ware vermarktet werden, obwohl sie tatsächlich Zugang zu einem Auslauf hatten.

Tierschutz vs. praktische Umsetzung: Konflikt um Stallgröße

Ein Mitarbeiter des niederländischen Hühnerimporteurs zeigt sich verärgert: „Während in Slowenien Hähnchen mit Auslauf und Tageslicht durch das Raster fallen, werden in den Niederlanden etliche 1-Stern-Beter-Leven-Hähnchen ohne Auslauf genehmigt – nur weil Gemeinden den Bau solcher Bereiche bisher nicht zulassen.“ Tatsächlich genießen niederländische Broilerhalter derzeit eine Übergangsfrist bis 2027, weil zahlreiche Kommunen keine Baugenehmigungen für überdachte Ausläufe erteilen. Ob diese Frist verlängert wird, hängt von der nächsten Regierung ab.

Steigende Nachfrage nach 1-Stern-Hühnerfleisch und internationale Lösungen

Die Hintergründe sind klar: Seit 2022 stellt der niederländische Einzelhandel vollständig auf Hühnerfleisch mit mindestens 1 Stern des „Beter Leven“-Gütesiegels um. Auch Gastronomie- und Großhändler wie Sligro zogen nach. Die Nachfrage ist enorm, das Angebot jedoch knapp – weshalb inzwischen auch Fleisch aus Polen, Rumänien, Deutschland und Slowenien in niederländischen Kühltheken liegt.

Für den slowenischen Betrieb bedeutet die Entscheidung deutliche Einbußen: Die längere Mastzeit verursacht erhebliche Mehrkosten, die nun nicht durch den Preisaufschlag für das Gütesiegel ausgeglichen werden können. „Etwas mehr Kulanz wäre angebracht“, meint der Importeur, „denn acht Zentimeter haben mit Tierschutz nichts zu tun.“

Auch in den Niederlanden regt sich Kritik: Kees de Jong, Vorsitzender von LTO/NOP, mahnt die heimischen Betriebe, den Bau von überdachten Ausläufen „lieber heute als morgen“ anzugehen. Dick Schieven, Vorstandsmitglied der NVP, stellt hingegen die Frage, warum ein niederländischer Importeur überhaupt ein Projekt in Slowenien starten musste – ein Hinweis auf die Zwickmühle zwischen steigender Nachfrage, fehlenden Genehmigungen und internationalem Wettbewerb.

Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Tom Schotman

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