In den letzten Jahren ist die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel deutlich gestiegen. So kontrollieren mittlerweile nur vier Unternehmensgruppen rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Diese Marktbeherrschung geht zulasten der Landwirtschaft.
In Deutschland ist die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und in Teilen der Nahrungsmittelindustrie in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Fusionen haben dazu geführt, dass rund 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels von vier großen Unternehmensgruppen kontrolliert werden: Edeka, Rewe, Schwarz (Lidl) und Aldi. Das sagt die Monopolkommission in einem Sondergutachten, das jetzt dem Bundeswirtschafts- und dem Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben wurde.
Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, die Marktverhältnisse im Lebensmittelsektor intensiv untersucht. Auslöser dafür waren die Bauernproteste im Jahr 2024 sowie die hohen Lebensmittelpreise der letzten Jahre.
Handlungsbedarf auch auf Stufe der Weiterverarbeiter
Akuten Handlungsbedarf sieht die Kommission auch auf Ebene der Hersteller. Als Hersteller gelten Unternehmen, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse weiterverarbeiten. „Der Konzentrationsprozess des Lebensmitteleinzelhandels darf sich nicht auf Herstellerebene fortsetzen“, so Tomaso Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission. Empfohlen wird, den verbleibenden Wettbewerb unbedingt zu sichern und weitere Zusammenschlüsse schärfer zu prüfen.
Parallel zum Konzentrationsprozess haben sich die Gewinnmargen von Einzelhändlern und Herstellern laut Gutachten seit über zehn Jahren erhöht. Im gleichen Zeitraum seien die Verbraucherpreise stärker gestiegen als in vielen anderen EU-Ländern. Davon hätten die landwirtschaftlichen Betriebe aber kaum profitiert. Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen sei im Gegenteil weiter auseinandergegangen.
Weitere Konzentrationen kritisch überprüfen
Die Monopolkommission macht dafür zwar auch die starke Abhängigkeit der Landwirtschaft von den Weltmarktpreisen verantwortlich. Zentral ist für sie aber ebenfalls der rückläufige Wettbewerb im nachgelagerten Bereich. Daher empfiehlt sie, die dort voranschreitende Konzentration zu stoppen und künftige Zusammenschlüsse verstärkt daraufhin zu prüfen, wie sie sich auf die gesamte Lieferkette auswirken.
Zudem hält die Monopolkommission eine wirksamere Kontrolle gegen Machtmissbrauch für erforderlich. Zwar gebe es Gesetze gegen unfaire Handelspraktiken, nötig sei eine konsequentere Durchsetzung der bestehenden Regeln, etwa durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und das Bundeskartellamt.
Bessere Rahmenbedingungen für Betriebe
Schließlich fordert die Monopolkommission bessere Rahmenbedingungen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Stellschrauben dafür werden vor allem auf der Kostenseite gesehen. Die bereits laufende Entwicklung hin zu einer kosteneffizienteren Produktion oder größeren Betriebsstrukturen könne Risiken besser abfedern.
Daneben fordert die Monopolkommission, für alle Betriebe die Bürokratielast zu verringern und die Agrarsubventionen anzupassen. Subventionskriterien sollten sich stärker an Produktivität, Innovation und Nachhaltigkeit orientieren statt an der reinen Flächengröße. So könnten sich auch kleinere Betriebe stärker positionieren. Das könne diesen Betrieben wiederum Investitionen in innovative Technologien erlauben, die die Effizienz der Höfe steigern könnten.
Eingriffe in die freie Preisbildung lehnt die Monopolkommission ab.

































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