Kritik an Tierhaltungskennzeichnung: Verbände wollen keine parallelen Systeme

01 September 2025
Deutschland
Verbände Kritik

Maßgebliche Verbände der Wertschöpfungskette Lebensmittel haben konkrete Vorschläge für eine grundlegende Neugestaltung der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung erarbeitet. Sie fordern eine Nutzung der bereits bestehenden Systeme wie Initiative Tierwohl und Haltungsform-Kennzeichnung des Handels.  

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) üben deutliche Kritik am verabschiedeten Gesetz zur Tierhaltungskennzeichnung. Sie fordern eine komplette Überarbeitung und haben dafür ein Konzept erarbeitet. Es wurde an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer geschickt. 

Mit ihren Vorschlägen wollen die Verbände einen Beitrag zur stärkeren Fokussierung auf die Praxistauglichkeit leisten. Tierwohl soll als eigentliches Ziel des Gesetzes wieder in den Mittelpunkt rücken. Bundesminister Rainer hat zuletzt das Inkrafttreten des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf zunächst März 2026 verschoben. „Die Uhr läuft, bis März ist nicht mehr viel Zeit. Jetzt muss die Bundesregierung die grundlegende Reform der Tierhaltungskennzeichnung konsequent angehen. Dafür haben wir ein integriertes Gesamtkonzept vorgelegt“, so Martin Müller, Vorstandsvorsitzender des VDF.

Haltungsform-Kennzeichnung des Handels nutzen

Ein Kernpunkt des Konzepts ist die Reduzierung des Bürokratieaufwands. Dafür sollen etablierte privatwirtschaftliche Initiativen als Durchführungs- und Kontrollinstanz anerkannt werden. „Statt parallele Strukturen zu schaffen, muss der Gesetzgeber auf die bereits funktionierenden Systeme der Wirtschaft setzen“, sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied und betont weiter: „Darüber hinaus geben bekannte Siegel etwa der Initiative Tierwohl sowie die Haltungsform-Kennzeichnung des deutschen Lebensmittelhandels den Verbrauchern umfängliche Orientierung. Sie sind transparent und akzeptiert.“ 

DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp ergänzt: „Es geht darum, Vollziehbarkeit und Praktikabilität für das Gesetz herzustellen und damit überbordende Regulierung abzubauen. Wir appellieren an die Bundesregierung, ihre Zusage umzusetzen, der Wirtschaft mehr Zutrauen entgegenzubringen und ihr Verantwortung zu übertragen.“

Eine weitere Kernforderung ist eine Kennzeichnungspflicht über alle Vertriebswege und damit auch der Außer-Haus-Verpflegung, etwa über eine Deklaration in der Speisekarte. Voraussetzung für die Erweiterung ist die gleichwertige Einbindung auch der ausländischen Ware. Verarbeitete Ware und Wurstwaren sollen die Angabe der Haltungsform ebenfalls erhalten. 

„Downgrading“ bei Vermarktung soll möglich sein 

Nach den Verbände-Plänen soll bei Produkten aus höheren Haltungsformen bei Bedarf ein „Downgrading“ möglich sein, sprich, sie sollen als niedrigere Haltungsform vermarktet werden können. So sollen Lebensmittelverschwendung und Marktverwerfungen verhindert werden können.  

BVLH-Präsident Björn Fromm: „Der deutsche Lebensmittelhandel geht seit Jahren erfolgreich voran, indem er die Haltungsformen konsequent kennzeichnet. Nun ist entscheidend, weitere zentrale Vertriebswege wie die Gastronomie einzubinden, damit Verbraucher auch dort eine verantwortungsvolle Wahl treffen können.“

PM / Christa Diekmann-Lenartz
Bild: adobe_Stock_nmann77

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