Heidemark-Konferenz: Versorgung sichern statt Produktion verlagern
25 Februar 2026
Deutschland
Rund 150 Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Handel und Wissenschaft diskutierten am 24. Februar 2026 in Berlin über die Zukunft der Nutztierhaltung. Auf der zweiten HEIDEMARK-Konferenz wurde deutlich: Die Branche will mehr Tierwohl – doch sie verlangt Planungssicherheit und klare politische Entscheidungen.
Sven Schulze: „Unsere Lebensmittel müssen aus Deutschland kommen“
Den Impulsvortrag der Konferenz hielt in diesem Jahr Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze. Er stellte die Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt seiner Rede. „Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Betriebe müssen so gestaltet sein, dass die Versorgung der Bevölkerung mit mindestens europäischen, besser deutschen, idealerweise aber regionalen Produkten gewährleistet ist“, sagte er.
„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die den Landwirten Sicherheit bei ihren Investitionen geben."
Zugleich räumte Schulze politischen Nachholbedarf ein: „Wir brauchen verlässliche Bedingungen in Deutschland, die den Landwirten Sicherheit bei ihren Investitionen geben. Dass wir da Nachholbedarf haben, weiß ich.“ Wer investiere, müsse wissen, „zu welchen Bedingungen man investiert“. Schulze versprach zudem schnellere Verfahren. „Wenn Sie eine Behörde treffen, die nicht so schnell ist, rufen Sie mich an“, richtete er ein Angebot an den Gastgeber der Tagung, den CEO von Heidemark, Andres Ruff.
Eine besondere Initiative des Landes Sachsen-Anhalt ließ die Konferenzteilnehmer aufhorchen: So will das Land Sachsen -Anhalt den Bereich Landwirtschaft ins Bewusstsein der Menschen rücken, indem es Schülerinnen und Schüler, die ein Praktikum landwirtschaftlichen Betrieb absolvieren, mit 120 Euro pro Woche unterstützt.
Andres Ruff: „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten“
Andres Ruff, CEO von HEIDEMARK
Gastgeber Andres Ruff, CEO von HEIDEMARK, ging ohne Umschweife zur Sache. Die Politik müsse sich zügig auf ein klares Konzept für die Tierhaltung verständigen. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten“, sagte er. Die Branche unterstütze „mehr Tierwohlregeln, die den Tieren tatsächlich nutzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten“.
Ruff warnte zugleich vor wachsender Importabhängigkeit. „Wir akzeptieren nicht, dass wir unsere Selbstversorgung gefährden und unser Essen im Ausland einkaufen, wo es weit unter unseren Qualitätskriterien produziert wird.“ Wer heimische Produktion schwäche, stärke Anbieter mit niedrigeren Standards.
Der HEIDEMARK-Chef forderte, Emissions- und Baurecht so zu ändern, dass Landwirte Ställe umbauen oder neu errichten können. Wer einen leerstehenden Schweinestall auf Geflügel umrüsten wolle, brauche eine Genehmigung – und kein jahrelanges Verfahren, das Investitionen blockiere. Wörtlich sagte Ruff: „Wir müssen umsteuern – mit mehr Tierwohlregeln, die den Tieren tatsächlich nutzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Mit der Möglichkeit, Ställe zu bauen unter angepasstem und miteinander verknüpftem Emissions- und Baurecht.“
Geflügelproduktion, so Ruff, sei „kein Nischenmarkt“, sondern „zentraler Bestandteil der deutschen Ernährungswirtschaft“. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zeige sich, wie wichtig eine stabile heimische Erzeugung sei. Seine Botschaft ließ keinen Zweifel: „Die Frage ist nicht, ob wir uns Tierhaltung in Deutschland leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten wollen, sie zu verlieren.“
Panel-Debatte: Stallbau, Kennzeichnung und lange Genehmigungsverfahren
Den Landwirten bleibt wenig Wahl. Sie müssen in mehr Tierwohl investieren – vorausgesetzt, die Politik räumt die Blockaden zwischen Agrar- und Baurecht aus. Der Handel hat seine Richtung längst festgelegt. Er will Ware aus höheren Haltungsformen – und zwar verbindlich. Dafür steht Julia Adou, die bei ALDI Süd konsequent Produkte aus besseren Haltungsstufen ins Regal bringt. „ITW war zu wenig“, sagt sie. Zugleich mahnt sie Geduld an: „Es braucht zehn Jahre, um den Menschen eine Systemumstellung zu erklären.“ Trotzdem bekenn sich der Discounter zu deutscher Ware – auch wenn sich höhere Tierwohlstandards nur schwer in höhere Preise übersetzen lassen.
Auch die Schwarz Gruppe erhöht den Druck. Ihr Hauptstadtvertreter Leif Balz berichtete auf der Konferenz, dass in den Kaufland-Märkten inzwischen 50 Prozent der Fleischprodukte aus Tierwohl-Ställen stammen. Das neue Tierhaltungskennzeichnungsgesetz hält er jedoch für lückenhaft: „In der Außer-Haus-Verpflegung herrscht Wilder Westen. Da wird nichts gekennzeichnet, da gibt es keine Verbindlichkeit, das muss sich ändern.“
Im Panel „Regionalität und Kreislaufwirtschaft sind die Bausteine für eine nachhaltige und klimaschonende Tierhaltung“ diskutierten Stefanie Sabet, Generalsekretärin Deutscher Bauernverband, Dr. Barbara Grabkowsky, Universität Vechta, Dr. Lina Sofie von Fricken, Nachhaltigkeitsmanagerin Big Dutchman und Prof. Dr. Harald Grethe, Direktor Agora Agrar, Humboldt Universität Berlin (v.l.n.r.)
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