Großbritannien: 1.600 Geflügelbetriebe wegen schnell wachsender Hühner abgemahnt

11 Juli 2025
Masthuhn
Geflügel Masthähnchen

Mehr als 1.600 britische Geflügelhalter stehen wegen des Vorwurfs der tierschutzwidrigen Haltung schnell wachsender Hühnerrassen unter erheblichem rechtlichen Druck.

Massive Kritik an schnell wachsenden Hühnerrassen in Großbritannien

Mehr als 1.600 Geflügelzüchter in Großbritannien haben Abmahnungen der Tierschutzorganisation Humane League UK erhalten, meldet das britische Informationsportal FarmingUK. Die Organisation wirft den Betrieben vor, schnell wachsende Hühnerrassen zu halten, was möglicherweise gegen das Tierschutzgesetz verstößt und schwerwiegende rechtliche Folgen haben könnte. Laut Farming UK sollen auch die vier größten Geflügelproduzenten – Avara, Cranswick, Moy Park und 2 Sisters – ähnliche rechtliche Warnschreiben erhalten.

Gerichtsurteil: Verstößt die Zucht von „Frankenchickens“ gegen Tierschutzrecht?

Hintergrund ist ein aktuelles Gerichtsurteil, das besagt, dass Tiere nicht so gezüchtet oder gehalten werden dürfen, dass sie aufgrund ihres Genotyps leiden – wirtschaftliche Interessen sind dabei unerheblich. In Großbritannien werden über 90 % der Masthühner als schnell wachsende Broilerrassen gehalten, die in nur 35 Tagen ihr Schlachtgewicht erreichen. Nach Ansicht von Tierschützern führt diese Geflügelhaltung zu massiven Gesundheitsproblemen wie Lahmheit, Organversagen und Hautverletzungen, was das Tierwohl erheblich beeinträchtigt.

Sean Gifford, Geschäftsführer der Humane League UK, bezeichnet die Geflügelhaltung im Vereinigten Königreich als „grundlegend gestört“. Das Berufungsgericht habe laut Farming UK klar festgestellt, dass die Zucht solcher „Frankenchickens“ illegal sei, da diese Tiere aufgrund ihrer DNA unter Leidensbedingungen leben müssten. Die Humane League UK sieht hierin einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzrecht.

Die rechtliche Grundlage der Vorwürfe bildet Absatz 29 des Anhangs 1 der Welfare of Farmed Animals (England) Regulations 2007. Dort wird festgelegt, dass Tiere nur dann für landwirtschaftliche Zwecke gehalten werden dürfen, wenn sie ohne gesundheitliche oder ethische Nachteile leben können.

Humane League UK fordert Engagement beim Better Chicken Commitment

Zusätzlich fordert die Humane League UK, dass sich mehr Lebensmittelunternehmen dem Better Chicken Commitment (BCC) anschließen. Diese Initiative setzt auf langsam wachsende und artgerechtere Hühnerrassen, um das Tierwohl zu verbessern. Bisher unterstützen über 380 Unternehmen aus Großbritannien und der EU das BCC, darunter bekannte Marken wie Marks & Spencer, Waitrose, Greggs und Pieminister. Mehrere große Handelsketten wie Co-op, Lidl sowie die Fast-Food-Kette KFC haben die BCC-Richtlinien bislang jedoch noch nicht vollständig umgesetzt.

Übrigens: Der Begriff „Frankenchickens“ ist ein Schlagwort, das vor allem von Tierschutzorganisationen und Kritikern der intensiven Geflügelzucht verwendet wird. Er setzt sich zusammen aus „Frankenstein“ (als Symbol für „künstlich geschaffen“ oder „übermäßig manipuliert“) und „Chicken“ (Huhn). In einigen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien wird der Begriff „Frankenchickens“ aktiv in Kampagnen verwendet, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Geflügelnews
Bild: Anom Harya
Quelle: FarmingUK

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