Hermann Färber, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat, befürwortet die finanzielle Unterstützung laufender Tierwohlkosten im Rahmen des Umbaus der Tierhaltung – sofern diese rechtssicher ist. In einem Interview mit AGRA Europe betont Färber, dass die Koalitionsvereinbarung eine solche Förderung nicht ausschließt und widerspricht damit der Linie seines Fraktionskollegen Albert Stegemann, der auf Investitionszuschüsse fokussiert.
Borchert-Konzept bleibt Richtschnur für CDU-Agrarpolitik
Färber hält am Borchert-Konzept fest und warnt davor, den darin gefundenen Konsens zwischen Landwirtschaft und Tierschutz leichtfertig aufzugeben.
Ein rein marktwirtschaftlicher Ansatz sei für mehr Tierwohl nicht ausreichend. Die langfristige und rechtssichere Finanzierung laufender Kosten müsse geprüft werden. Färber zeigt sich offen für Anpassungen am Borchert-Konzept, hält aber dessen breite gesellschaftliche und politische Unterstützung für zentral.
Kooperation mit NGOs: Dialog ja, Aktionismus nein
Im Gespräch über seine Wiederwahl als Ausschussvorsitzender zeigt sich Färber zufrieden mit dem Wahlergebnis und betont seine Verantwortung gegenüber dem Gremium. Ein zentrales Anliegen bleibt für ihn der kontinuierliche Dialog mit Nichtregierungsorganisationen – unter der Voraussetzung gegenseitigen Respekts. Färber legt dabei Wert auf eine klare Abgrenzung zwischen konstruktivem Austausch und reinem Aktionismus.
Die teils hohen Erwartungen an einen schnellen agrarpolitischen Kurswechsel unter einer unionsgeführten Koalition relativiert er mit dem Verweis auf die Notwendigkeit von Kompromissen. Gleichzeitig nennt er konkrete Fortschritte, etwa die Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung und den Abbau von Bürokratie.
Bezüglich des Mindestlohns äußert Färber Kritik daran, dass die Entscheidungshoheit bei der Mindestlohnkommission liegt. Eine Lösung für Saisonarbeitskräfte sei wünschenswert, bislang aber nicht durchsetzbar gewesen. Eine stärker pflanzenbetonte Ernährung hält Färber grundsätzlich für richtig, warnt jedoch, dass diese mit einem Mindestlohn von 15 Euro schwer in Deutschland zu produzieren sei.
Union will Landwirtschaft stärken – mit Blick auf Klimaschutz
Zum Umbau der Tierhaltung hält Färber fest: Die im Koalitionsvertrag formulierte dauerhafte Finanzierung tierwohlgerechter Stallbauten schließe eine Unterstützung laufender Kosten nicht aus. Er fordert ein umfassendes Förderkonzept, das auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit für Betriebe berücksichtigt.
Trotz historischer Spannungen zwischen CDU-geführtem Agrar- und SPD-geführtem Umweltministerium zeigt sich Färber optimistisch, dass die neue Koalition konstruktiv zusammenarbeiten könne. Ziel sei es, Wirtschaft und Landwirtschaft gemeinsam wieder in Schwung zu bringen, ohne Umwelt- und Klimaschutz aus den Augen zu verlieren.

































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