Wenn ein Hof von einer Generation an die nächste übergeht, geht es auch immer um Verantwortung, um Lebenswerke und um die Frage, wie Landwirtschaft morgen aussehen kann. In ihrem Buch "Erde, Arbeit, Leidenschaft" erzählen Pia und Kim Münster die Geschichten von Landwirtsfamilien und wie sie mit diesen Fragen umgehen. Ein Hähnchenmäster und ein Legehennenhalter sind auch dabei.
Dr. Pia Münster ist Agrarbiologin. Sie war lange in der Futtermittel- und Tiergesundheitsbranche tätig. Heute arbeitet sie wissenschaftlich an der Uni Vechta. Ihre Zwillingsschwester Kim ist Dokumentarfilmerin. Die Beiden haben zusammen ein spannendes Buch über den Generationenwechsel in der Landwirtschaft geschrieben. Es heißt „Erde, Arbeit, Leidenschaft“ und ist frisch im Hanser-Verlag erschienen.
Landwirtschaft in tiefgreifendem Wandel
Die Landwirtschaft und vor allem die Tierhaltung befinden sich hierzulande in einem tiefgehenden Wandel. Die Gesellschaft hat heute sehr hohe Erwartungen an die Produktion von Nahrungsmitteln. Tierwohl, Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz sind ein paar Stichworte, die das Arbeiten auf den Betrieben massiv beeinflussen. Und es wird nicht mit öffentlicher Kritik gespart. Auf der anderen Seite steht der wirtschaftliche Druck, den quasi alle Betriebsformen spüren und die Verantwortung, den Familienbetrieb in die nächste Generation zu führen.
Pia und Kim Münster haben für ihr Buch zwölf ganz unterschiedliche Betriebe in ganz Deutschland besucht. Dabei sind unter anderem ein Betrieb mit Gurkenanbau im Gewächshaus, eine Forellenzucht, ein Hähnchenmastbetrieb und eine Legehennenhaltung. Im Mittelpunkt stehen immer die Betriebsleiterfamilien. Wie sehen sie selbst heute ihren Einstieg in den Betrieb, würden sie es nochmal machen, was hat sich geändert seitdem, was möchten sie für ihre Kinder, für die nachfolgende Generation.
Hofübernahme nicht mehr selbstverständlich
Was früher selbstverständlich war, nämlich, dass ein Kind den Hof übernimmt, ist lange nicht mehr selbstverständlich. Gegebenenfalls heißt das, dass eine manchmal sehr lange Hofgeschichte mit der jetzigen Generation endet. Auch für eine solche Entscheidung braucht es viel Mut. Die beiden Zwillingsschwestern lassen den Menschen, mit denen sie gesprochen haben, viel Raum zu erzählen.
Im Rahmen einer Lesung im niedersächsischen Cloppenburg, auf der Pia und Kim Münster ihr Buch vorstellten, gab es im Anschluss eine Diskussionsrunde zum Thema Hofnachfolge. Ein wichtiges Fazit: Landwirtschaft ist systemrelevant für unsere Gesellschaft. Die Frage der Hofnachfolge geht uns deshalb alle an – nicht nur die betroffenen Familien.
Dr. Henrike Meyer zu Devern vom Verein LAND.SCHAFFT.WERTE. e.V., moderierte die Diskussion. Sie sagte: „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Dialog darüber, wie wir die Zukunft unserer regionalen Landwirtschaft gemeinsam gestalten wollen.“ Der Verein LAND.SCHAFFT.WERTE. e.V. und das Agrar- und Ernährungsforum Nord-West (AEF), beide mit Sitz in Vechta (Niedersachsen), hatten die Lesung und die Diskussionsrunde organisiert.
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