Agravis-Chef: „Nachhaltigkeit muss sich auch rechnen“
Auf dem jüngsten Agravis-Symposium „Federweiser“ stand die Legehenne im Mittelpunkt. Übergreifend ging es aber auch um die veränderten Anforderungen an die hiesige Tierernährung, wie etwa in punkto Nachhaltigkeit. Dass die sich letztlich rechnen muss, war das klare Statement von Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender von Agravis.
Die Agravis Raiffeisen AG handelt im genossenschaftlichen Verbund etwa jede 4. Tonne Mischfutter in Deutschland, sie steht für 25 Prozent Marktanteil hierzulande. Damit ist das in Münster beheimatete Unternehmen einer der großen Player auf dem deutschen Futtermittelmarkt.
Auf dem jüngsten Agravis-Symposium „Federweiser“ im niedersächsischen Holdorf stand die Legehenne im Mittelpunkt mit verschiedenen Fachvorträgen (Geflügelnews berichtete). Übergreifend ging es aber auch um die veränderten geopolitischen Gegebenheiten mit ihren Auswirkungen auf die globalen Rohwarenströme und damit auf den hiesigen Futtermittelmarkt. Dazu referierte Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender von Agravis.
Positive Grundstimmung in der Veredlung
Als grundsätzlich positiv sah er die aktuelle Situation der Landwirtschaft und speziell der Veredlung in Deutschland. Seit Corona habe Versorgungssicherheit einen Stellenwert, die Landwirtschaft ist „systemrelevant“. In der Veredlung wird heute Geld verdient. Von daher sei die Stimmung deutlich besser als vor einigen Jahren, so Dr. Köckler.
Rohwarenmärkte unter Druck: Unsicherheit bei Futterkosten wächst
Eine der Hauptkostenfaktoren in der Tierhaltung sind die Futterkosten. Hier sieht der Agravis-Vorstand derzeit allerdings sehr viel Unsicherheit. Verursacht durch jüngste Weltgeschehnisse, hat es deutliche Veränderungen in den eingespielten Handels-/Rohwarenströmen gegeben. Allem voran gilt das für den Ukrainekrieg. Aber auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sorgt für Unwägbarkeiten.
Als Beispiel nannte er den Kurs des Dollars, Leitwährung im Rohwarenhandel: Bei Trumps Wahl standen Euro und Dollar 1:1. Nur die Ankündigung hoher Zölle sorgte sofort für einen Sprung auf 1:1,20 – das sind 20 Prozent! Vor dem Hintergrund sehr volatiler Rohwarenmärkte mit deutlich höheren Ausschlägen heiße es nun, sehr schnell zu reagieren im Handel. Erschwerend hinzu komme, dass es heute aus Ländern wie China keine Ernteschätzungen mehr gebe.
Nachhaltigkeit ja – aber mit Augenmaß
Für den deutschen Markt wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger – nicht zuletzt getrieben vom Lebensmittelhandel mit Forderungen an die Landwirtschaft. Dr. Dirk Köckler vertrat hierzu eine sehr klare Linie: „Wir können mehr Nachhaltigkeit, keine Frage. Aber wir treten nicht auf das Gaspedal.“
"„Wenn wir keinen Antrag auf einen Stallbau stellen, kriegen wir auch keinen genehmigt.“ Dr. Dirk Köckler, Agravis"
Mehr Nachhaltigkeit koste mehr Geld. Grundvoraussetzung ist für ihn, dass die Mehrkosten auch vom Markt bezahlt werden müssen. Eine Lehre war für sein Unternehmen das Jahr 2016. Agravis stieg in die Produktion von gentechnikfreiem Rinderfutter ein, ein Mischfutterwerk wurde umgerüstet. Leider bekamen die Landwirte keinen Cent mehr für ihre Milch, die Rechnung ging damals (noch) nicht auf.
Grüner Dünger und Soja aus Brasilien: Potenziale bei CO₂-Reduktion
Er zeigte einige Ansätze auf, den Fußabdruck für tierische Produkte zu verringern: Agravis bezieht Sojaschrot auch von einer Kooperative in Brasilien, deren Flächen seit den 1970er Jahren in Bewirtschaftung sind, die also entwaldungsfrei produziert. Der CO2-Fußabdruck wird hierbei um 40 Prozent reduziert im Vergleich zur durchschnittlichen Bemessungsgrundlage, die für das riesige Land mit einem einheitlichen Wert in die Kalkulation eingeht.
In geringem Umfang vertreibt Agravis heute schon Düngemittel, die mit grünem Strom produziert wurden. Die konventionelle Herstellung von Mineraldünger mit Erdgas ist bekanntlich sehr energieintensiv, der CO2-Fußabdruck entsprechend hoch. Arbeitet man mit regenerativer Energie, lässt sich der CO2-Fußabdruck um die Hälfte reduzieren. Der Dünger ist natürlich teurer. In Ostdeutschland wird er bereits eingesetzt, allerdings nur auf sehr begrenzten Flächen. Angebaut wird dort Brotgetreide. Die größte niederländische Supermarktkette Albert Heijn bietet das hieraus erzeugte „nachhaltigere“ Brot mit Aufschlägen an.
Biomethan aus Nebenprodukten: Landwirtschaftliche Reststoffe nutzen
Über eine intelligente Verwertung von Nebenprodukten gebe es weiteres Potenzial zur Verringerung von CO2-Fußabdrücken. Das gelte speziell auch für regionale Erzeugnisse wie Zuckerrüben-Melasseschnitzel und etwa für eine Verwertung über Biogas und nachfolgend die Erzeugung von Biomethan.
Eiervermarktung im Wandel: Nachhaltigkeit wird zum Verkaufsargument
Auch in der Eiervermarktung nimmt das Thema Nachhaltigkeit an Fahrt auf. Der Agravis-Vorstand betonte deshalb mit Blick auf die anwesenden Legehennenhalterinnen und Legehennenhalter: „Wir können sofort umstellen, wenn es Bedarf gibt. Wir haben das Angebot dafür.“ Er forderte in der Produktionskette für Lebensmittel jedoch eine „ehrliche Nachhaltigkeit“, die bezahlt werden müsse.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Dieter Theyssen
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