Agravis-Symposium: Eine „Egg-zellente“ Zukunft

06 Juni 2025
Deutschland
Agravis Federweiser

Der Name ist Programm. Agravis betitelte sein diesjähriges Legehennen-Symposium treffend mit: „Eine Egg-zellente Zukunft“. Es sieht gut aus in der Branche. So war die Stimmung im vollbesetzten Saal im niedersächsischen Holdorf denn auch sehr gut. 

Michael Gerdes ist Vertriebsleiter Legehenne bei Agravis. Bei seiner Begrüßung zum Legehennnen-Symposium in Holdorf blickte er zurück auf die Entwicklungen seit dem vorangegangenen Symposium in 2022: Bei der Geschlechtsbestimmung im Ei ist es rasant vorwärts gegangen. Heute werden 80 Prozent der Legehennen-Bruteier geschlechtssortiert.

Pro-Kopf-Verbrauch steigt weiter: Eiermarkt im Aufwind

Bei den weißen Legehennen geht die Tendenz zur längeren Haltungsdauer weiter. Während in den Niederlanden nach wie vor Legehennenbestände abgestockt werden mit den staatlichen Ausstiegsprämien, findet hierzulande noch Stallbau statt. Und ebenfalls sehr erfreulich: In Deutschland ist der Pro-Kopf-Verbrauch beim Ei von 234 Stück auf 249 Stück pro Jahr gestiegen. 

Wie Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Holdorf berichtete, geht man von einer weiteren Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauches hierzulande in den kommenden Jahren aus. Der Blick in die Zukunft ist also sehr positiv. Das gilt im Übrigen auch für den globalen Eiermarkt. Der ZDG-Geschäftsführer nannte hier eine jährliche Wachstumsrate von derzeit 7,5 Prozent.

Herausforderungen für die Legehennenhaltung: Tierwohl und Nachhaltigkeit im Fokus

Als Herausforderung nannte er für die deutschen Legehennenhalterinnen und Legehennenhalter die zunehmenden Anforderungen in Richtung Tierwohl und Nachhaltigkeit. So wächst in Deutschland der Anteil Freiland- und Biohaltung bei Hennen weiter. Angesichts der Tatsache, dass weltweit noch 84 Prozent in Käfigen gehalten werden, sieht er Deutschland als Vorreiter und Experten. Notwendig seien allerdings EU-weite Standards. Momentan gebe es für EU-Länder, die in Sachen Umweltschutz und Tierwohl weniger „ambitioniert“ seien, noch deutliche Wettbewerbsvorteile. 

In Deutschland erhofft sich Wolfgang Schleicher durch die neue Regierung eine positive Entwicklung für die Landwirtschaft, auch für die Legehennenhaltung. Von der im Koalitionsvertrag formulierten Beschleunigung von Genehmigungsverfahren würden auch Geflügelhalter profitieren. Gleiches gilt für geplante steuerliche Entlastungen für die Landwirtschaft. Nicht thematisiert im Koalitionsvertrag sei leider die Wettbewerbsungleichheit durch Importe aus EU- und Drittländern, in denen nach niedrigeren Standards produziert wird.  

Dietmar Tepe: Dietmar Tepe, KAT-Geschäftsführer

Mit KAT großen Hebel 

Eine gewisse Wettbewerbsgleichheit lässt sich jedoch über den „Umweg“ KAT (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen) erreichen. Das betonte KAT-Geschäftsführer Dietmar Tepe. Er warf einen fokussierten Blick auf den deutschen Eiermarkt. Dieser ist sehr divers durch die verschiedenen Haltungsformen und Vermarktungswege. Die entscheidende Frage für Tepe: Wo kann man als Erzeuger Einfluss nehmen? 

Die Antwort heißt für ihn: Über KAT. Etwa ein Drittel der in der EU produzierten Eier aus alternativen Haltungsformen tragen heute das KAT-Siegel. Auf dem deutschen Schaleneier-Markt liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent, Herkunft Deutschland oder Niederlande. „Mit KAT haben wir einen riesigen Hebel in der Hand“, betonte Tepe. 

"„Der LEH wird keine leeren Regale akzeptieren!“ Dietmar Tepe, KAT"

KAT schafft gleiche Bedingungen

Die Alleingänge der deutschen Gesetzgebung (Verbot Käfighaltung, Verbot ausgestaltete Käfige, Verbot Kükentöten) haben bekanntlich keinen Importstopp zur Folge für Eier, bei deren Erzeugung diese Vorgaben nicht berücksichtigt wurden. KAT hat sie jedoch in seine Kriterien mit aufgenommen. In Folge gelten sie also auch zum Beispiel für niederländische KAT-Eier. Somit schafft KAT eine gewisse Wettbewerbsgleichheit.

Laut Dietmar Tepe gibt es von Seiten des Lebensmittelhandels weitere Anforderungen, die an KAT herangetragen werden. Er nannte hier die CO2-Bilanzierung, Beachtung der Entwaldungsverordnung (Soja/Palmöl), Antibiotikamonitoring oder die Dokumentation von Schlachtbefunddaten. 

Deutschland bleibt Importland

Kritisch sieht Tepe die aktuell viel diskutierte Herkunftskennzeichnung „5xD“. Er warnte davor, im Eierbereich zu große Hoffnungen auf eine sehr schnelle Marktdurchdringung zu setzen: „Wir haben in Deutschland derzeit nicht genug Brüterei- und Aufzuchtkapazitäten. Wir bleiben auf Importe angewiesen, sie sind von elementarer Bedeutung für die Versorgung“, so seine Argumente. Und eines ist für ihn klar: „Der Lebensmittelhandel wird keine leeren Regale akzeptieren.“ 

Der große Markt für Eiprodukte für Nudelhersteller, Großküchen, Bäckereien etc. setzt seiner Einschätzung nach ohnehin (noch) nicht auf die Herkunft Deutschland. Für ihn wird es weiter den anfangs genannten diversen Eiermarkt geben. Für Familienbetriebe mit kleineren Einheiten sieht er in Zukunft auch sehr gute Chancen im regionalen Absatz, ab Hof oder auch in der Direktbelieferung von Supermärkten vor Ort. 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

Mehr von diesem Autor
Bild: Dieter Theyssen, KAT

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.