5xD: „Der Handel muss immer volle Regale haben“

28 Februar 2025
Deutschland
Burkhard Klein

Die neue Herkunftskennzeichnung „5xD“ soll helfen, deutsche Produkte gegenüber dem Ausland wettbewerbsfähiger zu machen - auch Eier und Geflügelfleisch. Bei Eiern ist die Beteiligung bislang noch zögerlich. Packstellenbetreiber Burkhard Klein erklärt, warum das aus seiner Sicht so ist. 

Das neue Herkunftszeichen „5xD" („Gutes aus Deutscher Landwirtschaft“) wurde im vergangenen Jahr eingeführt. Vertreter der Land- und Ernährungswirtschaft haben es gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel entwickelt. Es wird bereits für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch, Obst, Gemüse und Kartoffeln verwendet. Alle Produkte müssen vollständig in Deutschland erzeugt worden sein. Die neue Herkunftskennzeichnung ist freiwillig. 

Künftig sollen auch Konsumeier das Siegel „5xD" tragen. Hier beinhaltet die Kennzeichnung, dass Schlupf/Brüterei, Junghennenaufzucht, Legehennenhaltung, Futterherstellung und Verpackung (Packstelle) in Deutschland erfolgen müssen. Aufgrund der langen Vorlaufzeit können Eier bereits heute eine „3xD“-Kennzeichnung tragen. Diese Übergangsregelung läuft Anfang 2026 aus. Für „5xD“ müssten hiesige Legehennenbetriebe bei einer Neueinstallung in diesem Jahr also bereits in Deutschland ausgebrütete und aufgezogene Junghennen bestellen.

Legehennenhalter und Packstellenbetreiber betroffen

Auch Burkhard Klein beschäftigt sich derzeit mit dem Thema „5xD“. Er hält seit den 1990er Jahren Bio-Legehennen im hessischen Eschenburg. Im Jahr 2000 kam eine Packstelle hinzu. Nach Neubau und Erweiterung 2016 bündelt die „Westerwald Bio GmbH" heute die Eiervermarktung von 17 bäuerlichen Betrieben aus Hessen, aber auch aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Auf dem eigenen Betrieb hält die Familie inzwischen 35.000 Bio-Legehennen und knapp 30.000 Tiere in Bodenhaltung. 

Die Vermarktung durch die Packstelle erfolgt überwiegend an den regionalen Lebensmittelhandel. Die Packstelle und die Legebetriebe erfüllen die Standards einer ganzen Reihe von Labels. Was das in der Praxis für die Packstelle bedeutet, macht eine Zahl deutlich: Im vergangenen Jahr gab es bei der „Westerwald Bio GmbH“ 43 Kontrollen, rund ein Drittel davon unangekündigt: „Das kostet Nerven“, sagt Burkhard Klein.

Anforderungen des Lebensmittelhandels an die Packstelle

Auf einer Veranstaltung der ALB Hessen (Arbeitsgemeinschaft für Rationalisierung, Landtechnik und Bauwesen in der Landwirtschaft Hessen) in Bad Hersfeld stellte der gelernte Landwirt dar, welche Anforderungen der Lebensmittelhandel (LEH) heute an eine Packstelle stellt. Die Packstelle steht an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Handel und muss die Anforderungen des Handels in die Praxis, also zum Legehennenhalter, bringen. Dazu plant die Packstelle weit im Voraus, koordiniert und bündelt. 

Mangelnde Selbstversorgung steht „5xD“ im Weg

Insofern beschäftigt sich Burkhard Klein nicht nur als Legehennenhalter, sondern auch als Packstellenbetreiber mit dem Thema „5xD“. Nach seiner Einschätzung wird „5xD“ nicht von heute auf morgen für den gesamten deutschen Konsumeiermarkt, aber auch nicht für die gesamte Legehennenhaltung in Deutschland umsetzbar sein. „Es gibt einen gewissen Druck unserer Abnehmer, dass der Markt auf „5xD" umgestellt wird", hat er festgestellt. Derzeit herrsche jedoch ein Mangel an Eiern, der Selbstversorgungsgrad liege hierzulande noch bei knapp über 70 Prozent.

„Der Handel muss immer volle Regale haben, es darf keine Lücken geben“, sieht er als oberste Prämisse der Lebensmittelbranche. Deshalb werde der Handel wohl nicht auf Importeier verzichten, aber auch deutsche Eier ohne „5xD“ anbieten, so die Einschätzung von Burkhard Klein.

Brüterei-Infrastruktur wurde zerstört  

Eine Frage in Bad Hersfeld: Können die deutschen Brütereien den notwendigen Nachschub an Junghennen liefern? „Es gibt nur noch wenige Brütereien, die Infrastruktur wurde durch das Verbot des Kükentötens kaputt gemacht“, stellte Burkhard Klein fest. Die - durchaus gewünschte - Umstellung auf „5xD“ wird seiner Meinung nach auch deshalb Zeit brauchen.

Sehr positiv bewertete er ein „kleines Umdenken“ im Lebensmittelhandel: „Rewe hat begonnen, Zwei-Parteien-Verträge mit Legehennenhaltern abzuschließen. Damit sind die Betriebe vertraglich abgesichert“, begrüßte Klein diesen Schritt. Denn letztlich entscheide nur der Verbraucher, was ihm „5xD“ wert ist und ob er bereit ist, den Mehrpreis dafür zu zahlen.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Klaus Wagner, LLH

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