Weitere Ausbreitung der Vogelgrippe in der Antarktis: Gefahr für Pinguine und Seevögel

20 September 2025
Biosicherheit
Antarktis Pinguin

Die Vogelgrippe H5N1 breitet sich nach neuesten Erkenntnissen wohl auch in der Antarktis weiter aus. Forscher der Universität Jena haben auf King George Island das Virus nachgewiesen und warnen vor schwer abschätzbaren Folgen für Seevogelpopulationen. Besonders gefährdet sind Pinguine, die in dichten Kolonien brüten.

2023 Erstnachweis von H5N1 in der Antarktis

Im Oktober 2023 wurde die Vogelgrippe H5N1 erstmals in der antarktischen Region festgestellt. Nun gibt es neue bestätigte Nachweise. Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena identifizierte das Virus auf King George Island, einer Insel nahe der Nordküste des antarktischen Festlands.

Die leitende Forscherin Christina Braun vom Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution erklärte, dass die Funde die Befürchtungen bestätigen, dass H5N1 längst in der Antarktis angekommen ist. Damit erreicht das Virus einen bislang als abgeschottet geltenden Lebensraum.

Zahlreiche tote Vögel entdeckt

Während einer Expedition Anfang 2024 fanden Wissenschaftler insgesamt 52 tote Tiere. Darunter befanden sich vor allem Skuas (Raubmöwen), aber auch südliche Riesensturmvögel und Antarktisseeschwalben. Noch liegen nicht für alle Tiere Testergebnisse vor – bei einigen steht die Bestätigung durch Labore noch aus.

Forscher gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl betroffener Tiere weitaus höher liegt. Viele Kadaver werden von Aasfressern gefressen oder ins Meer gezogen, sodass sie für die Wissenschaft unsichtbar bleiben. „Man kann davon ausgehen, dass sehr viel mehr Individuen betroffen sind, als gefunden worden sind“, sagt der Jenaer Ökologe Markus Bernhardt-Römermann.

Bedrohung für Pinguinpopulationen

Besonders im Fokus stehen die Pinguine, die in großen Kolonien eng aneinandergedrängt brüten, um sich vor Kälte zu schützen. Diese Nähe könnte eine schnelle Ausbreitung begünstigen. „Es kann sein, dass einzelne Populationen lokal komplett aussterben“, warnt Braun.
Die Ansteckung erfolgt ähnlich wie bei der menschlichen Grippe – über Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Nasensekret. In einer dicht gedrängten Pinguinkolonie würde sich das Virus daher besonders schnell verbreiten.

Immunität und Unsicherheit

Einige Nachweise deuten darauf hin, dass bestimmte Vogelarten – etwa Raubmöwen – bereits Immunität gegen H5N1 aufgebaut haben. Ob dies auch für andere Arten gilt, ist bisher unklar. Die Forscher betonen, dass das weitere Geschehen schwer prognostizierbar ist.
Während eine schrittweise Anpassung durch Immunität möglich wäre, könnte auch das Gegenteil eintreten: ein starker Ausbruch mit massiven Verlusten bei besonders anfälligen Arten.

Begrenzte Lebensräume erhöhen das Risiko

Die Brutflächen für Vögel in der Antarktis sind stark eingeschränkt. Nur etwa zwei Prozent der Landfläche sind eisfrei und können als Brutgebiete genutzt werden. Das führt dazu, dass viele Arten dicht gedrängt auf begrenztem Raum leben – ein idealer Nährboden für die Ausbreitung von Viren.

Hinzu kommt: Zahlreiche antarktische Seevögel sind Zugvögel. Sie verbringen die Wintermonate im Norden und kehren im Sommer zur Brut in die Antarktis zurück. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus eingeschleppt wird – insbesondere über die südamerikanische Küste, wo viele Vögel Station machen.

Folgen für das Ökosystem schwer abschätzbar

Die Forscher warnen, dass die langfristigen Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem der Antarktis kaum vorhersehbar sind. Stirbt eine Vogelart lokal aus, kann das weitreichende Folgen für andere Tier- und Pflanzenarten haben.

So spielen Aasfresser wie Skuas oder Sturmvögel eine zentrale Rolle beim Abbau von Kadavern. Fallen diese Arten weg, könnten sich Nährstoffkreisläufe und Populationen anderer Arten verschieben.

Blick nach Südamerika

Nach Einschätzung von Markus Bernhardt-Römermann werden die größten Sterbeereignisse nicht direkt in der Antarktis, sondern an den südamerikanischen Küsten stattfinden. Dort kommen die Tiere häufiger mit infizierten Artgenossen in Kontakt und bringen das Virus später mit in den Süden.

Damit entwickelt sich die Vogelgrippe zu einer globalen Bedrohung, die selbst die entlegensten Regionen der Erde nicht verschont.

Geflügelnews
Bild: Adobe_Stock_Paul
Quelle: Proplanta

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