Die Brüder Erik und Marcel Weel wollen ihren Geflügelbetrieb in Nordholland verlagern und neue Ställe errichten. Doch Genehmigungsverfahren und Stickstoffauflagen bremsen das Vorhaben seit Jahren aus. Statt gegen die Rahmenbedingungen zu kämpfen, setzt Betriebsleiter Erik Weel auf Anpassung. Für ihn gehört es zum Unternehmertum, gesellschaftliche Erwartungen und politische Vorgaben anzunehmen.
Geflügelhalter setzt auf Pragmatismus
Erik Weel betrachtet politische Vorgaben nüchtern. Aus seiner Sicht müssen Landwirte innerhalb der geltenden Regeln wirtschaften. Statt sich über neue Vorschriften zu beklagen, sucht der Geflügelhalter nach Lösungen.
Als Beispiel nennt er die Geschwindigkeitsbegrenzung auf niederländischen Autobahnen. Früher galt vielerorts Tempo 130, heute sind häufig nur noch 100 Kilometer pro Stunde erlaubt. Für Weel zeigt dieses Beispiel, dass sich Menschen an neue Rahmenbedingungen anpassen können.
„Unternehmen muss vor allem Spaß machen“, sagt der 55-Jährige. Auf diesen Grundsatz konzentriere er sich im Betriebsalltag.
Erfolgreiches Konzept mit Patio-Ställen
Gemeinsam mit seinem Bruder Marcel betreibt Weel in Middenmeer moderne Patio-Ställe für 365.000 Masthähnchen. Die Anlage entstand im Jahr 2015.
Das Haltungssystem nutzt sechs übereinanderliegende Ebenen. Dadurch sinken Heiz- und Energiekosten im Vergleich zu herkömmlichen Ställen. Die Küken schlüpfen direkt im Stall und durchlaufen die gesamte Mast ohne zusätzlichen Tiertransport. Erst am Ende der Mast gelangen sie automatisiert in Transportcontainer.
Weel bewertet das System positiv. Die Verluste seien gering, die Mastleistungen hoch und die Ergebnisse beim Tierwohl überzeugend.
Betriebsverlagerung wegen Agriport-Ausbau
Trotz der positiven Erfahrungen plant die Familie Weel einen neuen Standort. Hintergrund ist die weitere Expansion des benachbarten Gewerbegebiets Agriport. Dort entstehen zusätzliche Gewächshausanlagen und Rechenzentren.
Die Erweiterung betrifft auch Flächen in der Nähe der bestehenden Geflügelställe. Deshalb wollen die Brüder ihren Betrieb verlagern und sechs neue Ställe errichten. Künftig sollen dort 220.000 Masthähnchen nach den Anforderungen des niederländischen 1-Stern-Beter-Leven-Programms gehalten werden.
Stickstoffauflagen verzögern das Projekt
Der Weg zum Neubau gestaltet sich jedoch schwierig. Ein erster Genehmigungsantrag scheiterte an den Anforderungen des niederländischen Stickstoffrechts.
Der Betrieb arbeitet inzwischen an einer neuen Genehmigung. Die Unterlagen liegen erneut bei Gemeinde und Provinz zur Prüfung vor.
Nach Angaben von Weel unterstützt die Gemeinde Hollands Kroon das Vorhaben grundsätzlich. Bereits genehmigte Erweiterungen des Baufeldes zeigen nach seiner Einschätzung, dass moderne Formen der Tierhaltung vor Ort gewünscht sind.
Markt verlangt andere Stallkonzepte
Obwohl Weel mit den bestehenden Patio-Ställen gute Erfahrungen gemacht hat, plant er am neuen Standort keine vergleichbaren Gebäude.
Der Grund liegt nicht in technischen oder wirtschaftlichen Nachteilen. Vielmehr reagiert der Unternehmer auf veränderte Erwartungen von Verbrauchern, Handel und Gesellschaft.
Deshalb sollen am neuen Standort klassische Bodenhaltungsställe mit Auslauf entstehen. Nach Einschätzung von Weel entspricht dieses Konzept den aktuellen Marktanforderungen und bietet zugleich Perspektiven für die nächste Generation des Familienbetriebs.
Warten auf die Entscheidung der Behörden
Derzeit bleibt den Brüdern nur Geduld. Alle erforderlichen Anträge wurden eingereicht. Nun hängt die Zukunft des Projekts von den Entscheidungen der zuständigen Behörden ab.
Weel sieht die Situation gelassen. Landwirtschaftliche Unternehmer müssten sich immer wieder auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Entscheidend sei, innerhalb dieser Vorgaben handlungsfähig zu bleiben und Chancen zu nutzen.
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