Tierschutzpreis Niedersachsen: „And the winner is…“

27 April 2025
Deutschland
Tierschutzpreis Niedersachsen

Strahlende Gesichter bei Verleihung (v.l.): Wilhelm Kollmer-Heidkamp, Christine Bremer, Ministerin Miriam Staudte, Lutz Lütjens.

In Niedersachsen gibt es jedes Jahr einen Tierschutzpreis des Landwirtschaftsministeriums. Der Themenbereich wechselt jährlich. Aktuell stand das Geflügel im Mittelpunkt. Auf der Preisverleihung in Hannover stellten die drei Preisträger ihre Betriebe und ihre Arbeit vor – spannende Geschichten.

Der Niedersächsische Tierschutzpreis zeichnet jährlich Personen, Institutionen etc. aus, die sich in Niedersachsen besonders stark für den Tierschutz engagieren. Beim Tierschutzpreis 2024, der jetzt verliehen wurde, ging es um die Geflügelhaltung. Es gab über 20 Bewerbungen. Ausgewählt von der Fachjury wurden drei Betriebe mit ganz unterschiedlichen Tierhaltungen. Insgesamt war der Tierschutzpreis mit 30.000 Euro dotiert.

Der 1. Preis ging an Christine Bremer aus Suhlendorf, Landkreis Uelzen. Gleichrangig auf Platz 2 gab es den Preis für Lutz Lütjens aus Hemslingen, Landkreis Rotenburg-Wümme und Wilhelm Kollmer-Heidkamp aus Lindern, Landkreis Cloppenburg.

Engagement in der Zucht alternativer Herkünfte

Christine Bremer bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Biobetrieb und hat dort in den vergangenen Jahren mit sehr viel Engagement die Zucht von Robustputen und Zweinutzungstieren etabliert. Eigene Elterntiere, Brut und Aufzucht gehören dazu. Die Robustputen sind eine Kreuzung aus alten Putenrassen mit modernen kleinen Hybridherkünften. Sie sind für die Freilandhaltung gut geeignet. Christine Bremer betreibt zudem sehr intensiv Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem gibt es eine lange Zusammenarbeit mit dem NDR (Norddeutscher Rundfunk).

Wilhelm Kollmer-Heidkamp ist Pekingentenmäster und setzt sich seit über einem Jahrzehnt unter anderem im Niedersächsischen Tierschutzplan ein. Der Landwirt bedankte sich diesbezüglich besonders bei der Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne), dass der von der Vorgängerregierung ins Leben gerufene Tierschutzplan weitergeführt wird.

Wasserangebot für Pekingenten weiterentwickelt

Wilhelm Kollmer-Heidkamp hat sich daneben in vielen Projekten etwa mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover oder auch der Hochschule Osnabrück beim Thema Wasserangebot für Pekingenten engagiert. Bei Enten als Wasservögeln gehört zum natürlichen Verhalten das Baden und die Gefiederpflege mit Wasser. Für die Pekingentenmast wurden so Trichtertränken entwickelt, bei denen die Tiere Kopf, Schnabel und Nasenlöcher unter Wasser tauchen und dann über ihr Gefieder Wasser schütten können. Auf dem Betrieb Kollmer-Heidkamp wurden auch flache Wasserbecken im Stall entwickelt, in denen die Enten baden können. In Niedersachsen werden inzwischen alle Pekingenten mit zusätzlichem Wasserangebot gehalten.

Die Produktionskette soweit möglich in Eigenregie

Lutz Lütjens mästet auf seinem Betrieb seit 2017 Masthähnchen in drei Mobilställen. Im Einsatz sind Mobilställe, wie sie üblicherweise für Legehennen genutzt werden. Rund 17.000 „Lütjens Weidehähnchen“ erzeugt der studierte Landwirt pro Jahr. Er setzt dabei auf langsam wachsende Herkünfte, die Mast (mit Vorfangen) dauert ca. 74 Tage. Die Tiere werden an die regionale Gastronomie, Großküchen, Lebensmittelhandel oder Hofläden und Direktvermarkter verkauft. Zusätzlich gibt es einen Ab-Hof-Verkauf auf Bestellung.

Zum Konzept von Lutz Lütjens gehört, von der Produktionskette so viel wie möglich in Eigenregie zu betreiben. Geschlachtet und zerlegt werden die Tiere auf einem größeren Biobetrieb im Nachbar-Landkreis. Inzwischen werden auch verschiedene Wurstprodukte in Zusammenarbeit mit einem Schlachter in der Region hergestellt.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte zeigte sich als Gastgeberin erfreut über die „Erfolgsgeschichten“ der Preisträger: „Mehr Tierschutz in der Geflügelhaltung ist möglich“, sagte sie. Der Niedersächsische Tierschutzpreis 2024 würdige das außerordentliche Engagement, mit dem praxisnahe Ansätze für mehr Tierschutz verwirklicht werden konnten.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium

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