Sommerhitze: So kommt Ihr Geflügel sicher an

16 Juli 2026
Hitzestress
Hitzetransport

Die Sommerhitze stellt Geflügelhalter und Branche vor zusätzliche Aufgaben – nicht nur im Stall, sondern auch für den Transport. Transporte bei hohen Temperaturen belasten Tiere massiv und können zu erheblichen Leiden und sogar zum Tod führen. Welche Maßnahmen sind entscheidend, damit die Tiere sicher ihr Ziel erreichen?

Immer wieder mal liest man nach Hitzetagen Meldungen, dass es auf Tiertransporten Probleme infolge der hohen Außentemperaturen gab. Auch in Deutschland herrschten in diesem Jahr bereits an mehreren Tage Temperaturen von deutlich über 30 °C. So musste Ende Juni in Sachsen-Anhalt ein Transport von Legehennen aus den Niederlanden Richtung Polen von der Polizei aus einem Autobahn-Stau heraus eskortiert werden. Bei extrem hohen Temperaturen hatte der Fahrer sich bei der Polizei gemeldet. Er stand im Stau und befürchtete, dass die Hennen zu Schaden kommen würden. 

Kommunale Veterinärämter kontrollieren

Transporte bei großer Hitze belasten Tiere massiv und können zu erheblichen Leiden und sogar zum Tod führen. Die rechtlichen Vorgaben sind hier in den letzten Jahren deutlich verschärft worden – sowohl auf EU-Ebene als auch im deutschen Tierschutz- und Tiergesundheitsrecht. Die kommunalen Veterinärämter haben nicht nur die Befugnis zu kontrollieren, sondern müssen eingreifen, wenn Transporte gegen die Vorschriften verstoßen oder ein Verstoß droht. 

Die EU wiederum verpflichtet ihre Mitgliedstaaten zu systematischen amtlichen Kontrollen auch bezüglich Tiertransporten und verlangt regelmäßige Berichte über festgestellte Mängel. Deshalb werden Kontrolldichte und Dokumentationspflichten in Deutschland weiter ausgebaut. Dies bedeutet, dass Verstöße – gerade bei Hitze-Transporten – häufiger entdeckt, dokumentiert und ggf. sanktioniert werden.

Für Geflügel ist nicht nur Temperatur entscheidend

Generell darf niemand eine Tierbeförderung durchführen oder veranlassen, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden könnten. Hier stehen Transporteur und Tierhalter klar in der Pflicht. Bestimmte Regelungen für andere Nutztiere gelten bei Geflügel jedoch nicht. So gibt es bei Geflügel keine Begrenzung der zulässigen Transportzeit zum Schlachthof bei über 30 °C auf viereinhalb Stunden. Ebenso gelten bei Geflügel nicht die Temperaturvorgaben der europäischen Transportverordnung. Bezüglich Hitzestress ist für Geflügel bekanntlich nicht die Temperatur allein ausschlaggebend, sondern der Enthalpiewert (Verhältnis Temperatur:Luftfeuchtigkeit).  

Hitzemerkblätter für verschiedene Geflügelarten

Niedersachsen hat für die verschiedenen Geflügelarten Hitzemerkblätter entwickelt. Diese nennen auch Maßnahmen für den Transport:

  • Ausstallung in den kühleren Nacht- oder Morgenstunden
  • rechtzeitige Abstimmung mit dem Schlachtbetrieb
  • LKW-Lüfter, so vorhanden, beim Verladen zur Kühlung der bereits verladenen Tiere nutzen
  • insbesondere bei längeren Transporten LKW mit Lüfter einsetzen
  • Bei Enthalpiewerten >67 KJ/kg Zusatzlüfter bei der Verladung nutzen

Laut Niedersächsischem Landwirtschaftsministerium sind im Übrigen folgende Regelungen zu beachten:

  • ggf. Reduktion der Besatzdichte in den Transportbehältnissen 
  • während der Fahrt nur unvermeidbare Pausen einlegen 
  • bei unvermeidbaren Pausen das Fahrzeug im Schatten parken 
  • stauträchtige Strecken vermeiden - Verkehrsfunk verfolgen! 
  • bei Stau ggf. über Notruf die Polizei verständigen, um das Fahrzeug, wenn möglich, aus dem Stau zu leiten 
  • Parken auf dem Schlachthof nur mit Zusatzlüftung, ansonsten LKW bis zur Schlachtung bewegen 

Leitfaden für Transport von Hähnchen in Arbeit

Derzeit wird in Niedersachsen im Rahmen des „Niedersächsischen Tierschutzplans“ ein Leitfaden für Transporte von Masthähnchen erarbeitet. Zusätzlich wurde im Rahmen des Tierschutzplans ein Leitfaden für den optimierten Kurzstreckentransport entwickelt. An die kommunalen Veterinärbehörden in Niedersachsen werden vom Ministerium spezielle Wetterwarnungen für Tiertransporte unverzüglich weitergeleitet. 

Fallen bei Schlachtgeflügeltransporten erhöhte Raten an Transporttoten auf, wird die zuständige Behörde informiert. Diese kann ggf. ein Strafverfahren oder Bußgeldverfahren einleiten und zur Verhütung zukünftiger Gefahren auch Anordnungen treffen. Die Schlachthofbetreiber analysieren die Ursachen für erhöhte Raten an Transporttoten und steuerten selbst auch entsprechend gegen, so das Landwirtschaftsministerium.

Hier finden Sie die Hitzemerkblätter für die verschiedenen Geflügelarten:

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_omasz Zajda

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