Die CDU-Politikerin Silvia Breher übernimmt ab dem 1. September das Amt der Bundestierschutzbeauftragten. Das Bundeskabinett ernannte sie auf Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Breher tritt damit die Nachfolge von Ariane Kari an, die die Funktion seit 2023 innehatte.
Breher will Schlachthöfe, Onlinehandel und Tierheime in den Fokus rücken
Bei ihrer Vorstellung in Berlin betonte Breher die Bedeutung ihres neuen Aufgabenbereichs: „Der Einsatz für den Schutz der Tiere ist ein Herzensanliegen für mich. Ich freue mich, jetzt auch als Beauftragte ganz offiziell erste Ansprechpartnerin für Tierschutz zu sein.“
Zu ihren ersten Vorhaben zählt die CDU-Politikerin die Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen. Diese Maßnahme solle „Transparenz schaffen, die Produzenten und Vollzugsbehörden hilft“. Zudem kündigte Breher an, gegen anonyme Tierverkäufe im Onlinehandel vorzugehen und Tierheime politisch stärker zu unterstützen. Auch gesetzliche Anpassungen im Bau- und Immissionsschutzrecht, die tierwohlgerechte Ställe ermöglichen sollen, stehen auf ihrer Agenda.
Kritik: Unabhängigkeit des Amtes wird infrage gestellt
Die Ernennung stößt jedoch auf Widerstand. Breher bleibt gleichzeitig Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, was nach Ansicht vieler Tierschutzorganisationen die Unabhängigkeit des Amtes infrage stellt.
„Mit der heutigen Entscheidung wird die für das Amt sehr wichtige Unabhängigkeit endgültig begraben“, erklärte Volker Gaßner von der Stiftung Vier Pfoten. Auch der Deutsche Tierschutzbund zeigte sich skeptisch. Präsident Thomas Schröder sagte: „Silvia Breher muss nun rasch beweisen, dass sie alle Tierschutzthemen tatsächlich verinnerlicht hat und im Sinne der Tiere agiert.“
Breher wies die Vorwürfe zurück. Es sei „geübte Praxis“, dass Staatssekretäre zugleich Beauftragte seien. Ihre Vorgängerin Ariane Kari habe „viel mahnen, aber wenig umsetzen“ können. Durch ihre Regierungsnähe könne sie hingegen direkter handeln. Zudem spare die Personalentscheidung Kosten: Der Etat für das Amt werde fast halbiert.
Forderung nach Tierwohlabgabe
Parallel zur Ernennung erneuerte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) seine Forderung nach einer Tierwohlabgabe auf Fleisch, um bessere Haltungsbedingungen zu finanzieren. Geschäftsführer Peter Röhrig erinnerte an die seit sechs Jahren nicht umgesetzten Empfehlungen der Borchert-Kommission: „Eine Tierwohlabgabe auf Fleisch ist überfällig. Nur mit den nötigen Mitteln kann die neue Tierhaltungskennzeichnung ihr Ziel erreichen, nämlich Tiere in Deutschland würdig zu halten.“
Unterstützung durch Minister Rainer – Erwartungen von Verbänden
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer verteidigte die Personalie. „Tierschutz ist und bleibt ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. Silvia Breher verbindet Erfahrung mit Durchsetzungsfähigkeit. Wer etwas verändern will, muss auch gehört werden. Dafür ist sie an der richtigen Position.“
Biografischer Hintergrund
Silvia Breher wurde am 23. Juli 1973 in Löningen geboren und arbeitete von 2000 bis 2018 als selbstständige Rechtsanwältin. Seit 2017 ist sie Mitglied des Bundestages und war in der CDU-Fraktion unter anderem für Tierschutzfragen zuständig. 2019 wurde sie stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Seit Mai 2025 ist sie Parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium.
Fazit
Mit der Ernennung von Silvia Breher zur Bundestierschutzbeauftragten steht der Bundesregierung eine Politikerin zur Verfügung, die Tierschutz nach eigenen Worten zu ihrem „Herzensanliegen“ erklärt. Gleichzeitig wächst der Druck von Tierschutzverbänden, die von ihr konkrete Verbesserungen statt bloßer Ankündigungen erwarten. Ob Breher in ihrer Doppelrolle tatsächlich mehr Durchsetzungskraft entfalten kann oder die Unabhängigkeit des Amtes leidet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

































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