Schließung von Buckl: Schlachthof-Stopp führt zu massiven Problemen für Bayerns Legehennenhalter

04 Juli 2025
Deutschland
Bio Legehennen

Bayerns größter Legehennen-Schlachthof steht still, der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) setzt auf ausländische Ware – das hat gravierende Folgen für Landwirte.

Seit über zehn Wochen steht Bayerns größter Legehennen-Schlachthof, der Geflügelhof Buckl, still. Dieser Ausfall hat nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette zum Erliegen gebracht, sondern auch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) dazu veranlasst, komplett auf bayerische Ware zu verzichten. Laut Bayerischem Landwirtschaftlichen Wochenblatt bestätigte die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Kulmbach (KBLV), dass die notwendigen Auflagen für eine Wiederaufnahme des Betriebs bisher nicht erfüllt wurden. „Auch wurde uns nicht angezeigt, dass eine Wiederaufnahme der Schlachtung beabsichtigt ist – weder durch den alten noch durch etwaige neue Betreiber“, so ein Sprecher der KBLV.

Michael Häsch, Legehennenhalter aus Dietramszell und Vorstandsmitglied im Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft (LVBGW), beschreibt die Folgen drastisch: „Wir schlachten alle zwei Monate, um einen Teil der Hennen für die Produktion und die Direktvermarktung zu haben.“ Nach der Schließung von Buckl mussten er und viele andere Landwirte auf Schlachtstätten in Norddeutschland ausweichen.

Die längeren Transportwege stellen für die Betriebe eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. „Je nach Betriebsgröße fallen da 50 Cent bis zu einem Euro pro Tier an“, erklärt Häsch. Für die nächste Schlachtung zahlt er beispielsweise 70 Cent pro Huhn allein für die Abholung.

Lebensmitteleinzelhandel reagiert: Verzicht auf bayerisches Geflügel

Mit der Schließung des Schlachthofs wurde auch der Absatzmarkt für Suppenhühner aus Bayern komplett gestoppt. Der Betrieb Buckl hatte die Tiere unter der Marke Luna-Suppenhuhn erfolgreich an den LEH geliefert. „Auf der Vertriebsseite sind wir zuversichtlich, dass der LEH und die Verbraucher wieder Suppenhühner abnehmen werden“, sagte Robert Schmack, Vorsitzender des LVBGW, gegenüber dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. Allerdings habe man momentan andere Prioritäten, solange das Betriebskonzept nicht stehe.

Der Lebensmitteleinzelhandel zeigt sich jedoch wenig optimistisch. „Nach Bekanntwerden der Vorwürfe haben wir den Bezug der Luna Suppenhühner umgehend gestoppt“, erklärt Annika Kurth, Sprecherin der Rewe Group. Man habe kurzfristig auf einen anderen deutschen Lieferanten umgestellt. „Wir tolerieren grundsätzlich keine Verstöße gegen den Tierschutz – egal, ob durch den Lieferanten selbst oder beauftragte Firmen“, betont Kurth. Ob oder wann es künftig wieder Suppenhühner aus Bayern geben wird, bleibt laut Rewe unklar.

Ähnlich äußert sich Kaufland. „Wir haben sofort alle Lieferungen vom betroffenen Lieferanten gestoppt“, sagt Karina Wolf, Sprecherin der Unternehmenskommunikation. Die Versorgung mit Suppenhühnern sei sichergestellt, nun allerdings ohne Produkte aus Bayern. Kaufland betont zugleich sein Engagement für höhere Tierschutzstandards und fordert eine deutliche Erhöhung der amtlichen Kontrollen in den Betrieben. „Nur so kann durch schnelles und konsequentes Handeln die Einhaltung der Tierschutzvorgaben sichergestellt werden“, so Wolf weiter.

Wirtschaftliche Folgen für Legehennenhalter: Hohe Zusatzkosten durch lange Transportwege

Momentan werden viele Althennen aus Bayern nach Polen zur Schlachtung transportiert, teils über Sammeltransporte. „Das sollte aber keine Dauerlösung sein“, warnt Schmack. Mit jedem Monat Stillstand verschlechtere sich die Situation weiter: „Das Personal ist nicht mehr da, die Schäden an der Anlage nehmen zu und die Kosten für eine Wiederinbetriebnahme steigen.“

Für eine nachhaltige Lösung wäre laut Häsch ein Betreiber nötig, der über gute Kontakte zum LEH verfügt. Doch der Wiedereinstieg in diesen Markt sei schwierig und funktioniere oft nur über den Preis. „Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, wieder Fuß zu fassen“, sagt Schmack.

Geld in die Hand nehmen: Bayerns Geflügelbauern suchen nach neuen Wegen zur Schlachtung

Trotzdem gibt es Überlegungen, in eine neue Schlachtstätte zu investieren. Viele Legehennenhalter sind grundsätzlich bereit, Geld zu investieren, um die Schlachtung in Bayern wieder möglich zu machen. Doch die Angst, durch die Investition Verluste zu erleiden, bremst die Motivation. „Es muss klar sein, wer den Betrieb führt und wie die Vermarktung funktioniert“, betont Häsch.

Parallel wird derzeit an einem neuen Konzept gearbeitet, das gezielt auf eine Marke für bayerische Hühner setzen soll. „In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie es weitergeht“, sagt Häsch. „Aber es wird viel Geld in Werbung und Marketing fließen müssen, um eine bayerische Marke wieder aufzubauen.“

Geflügelnews
Bild: Kristoffer Finn
Quelle: Annette Seidel, Andrea Tölle, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

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