Tierquälerei bei Buckl: Schlachthof auf unbestimmte Zeit stillgelegt

30 April 2025
Stallmanagement
Huhn im Porträt

Symbolbild

Gravierende Tierschutzverstöße im Geflügelschlachthof Buckl haben zur behördlichen Stilllegung des Betriebs geführt und stellen Legehennenhalter in Bayern vor massive Probleme.

Schlachthof Buckl: Videoaufnahmen zeigen schwere Tierquälerei

Der Geflügelschlachtbetrieb Buckl Geflügel im mittelfränkischen Wassertrüdingen steht nach der Veröffentlichung heimlich gedrehter Videoaufnahmen durch die Tierrechtsorganisation Aninova massiv in der Kritik. Die Aufnahmen, die laut Aninova im März und April 2025 entstanden, zeigen gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, darunter das Würgen, Schlagen und Treten von Hühnern durch Mitarbeitende. Die Videos wurden der Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) übermittelt und führten zur sofortigen Untersagung des Schlachtbetriebs.

Ermittlungen eingeleitet – Betriebsstillstand auf unbestimmte Zeit

Die KBLV informierte umgehend die Staatsanwaltschaft Ansbach wegen des Verdachts strafrechtlich relevanter Tierquälerei. Eine Wiederaufnahme der Schlachtung bei Buckl ist derzeit nicht absehbar. Die KBLV stellt klar: „Es liegt im Einflussbereich des Betriebes, wie zügig die Maßnahmen umgesetzt werden.“ Voraussetzung für die Wiederaufnahme sei die vollständige Umsetzung angeordneter Anforderungen und deren Kontrolle durch die Behörde.

Betriebsleitung distanziert sich – Mitarbeiter identifiziert

Die Unternehmensleitung zeigte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur überrascht von den Aufnahmen. Ein Sprecher sagte: „Wir sind von diesen Dingen vollkommen überrascht.“ Hauptsächlich sei ein Mitarbeiter verantwortlich, dieser sowie andere seien auf dem Videomaterial klar identifizierbar. Die Firma kündigte arbeitsrechtliche Konsequenzen an. Ein Anwalt der Buckl-Geflügel GmbH & Co. KG betonte: „Unsere Mandantin distanziert sich mit allem Nachdruck von einem derartigen Umgang mit Tieren.“

Schockierende Bilder

Nach Sichtung der Videos habe die KBLV unverzüglich reagiert. „Das Verhalten verschiedener Mitarbeiter ist absolut inakzeptabel“, sagte ein KBLV-Sprecher. Die Behörde verbot nicht nur die Schlachtung, sondern auch die Weiterbeschäftigung aller Personen, die tierschutzwidrig gehandelt oder entsprechende Handlungen beobachtet, aber nicht eingegriffen hatten. Zudem wurde angeordnet, die Tierschutzbeauftragten abzuberufen und ein neues Eigenkontrollsystem zu installieren. Dieses hatte laut KBLV „offensichtlich nicht funktioniert“.

Vor-Ort-Kontrollen ohne Hinweise auf Misshandlungen

Interessant ist, dass laut KBLV bei den zuletzt am 24. April durchgeführten Vor-Ort-Kontrollen keine schweren Verstöße festgestellt wurden. Zwar habe es Mängel bei der Anlieferung und beim Abladen der Tiere gegeben, jedoch keine Hinweise auf die in den Videos dokumentierten Gewaltakte. Die KBLV betonte, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass sich Mitarbeitende bei Anwesenheit von Kontrolleuren anders verhalten.

Engpass für Legehennenhalter – Alternativen kaum verfügbar

Buckl Geflügel war der größte Althennen-Schlachthof Bayerns und einer der größten bundesweit. Täglich wurden bis zu 100.000 Hühner aus Bio-, Freiland- und Bodenhaltung verarbeitet und als Handelsklasse-A-Suppenhühner über die Marke „Luna“ in den Einzelhandel gebracht. Laut KBLV wurden jährlich etwa elf Millionen Legehennen und rund eine Million Mastelterntiere geschlachtet.

Die vorläufige Stilllegung hat gravierende Folgen für die Legehennenhalter in Süddeutschland. Viele haben bereits Junghennen bestellt und müssen nun ihre Alttiere ausstallen und anderweitig vermarkten. Der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft (LVBGW) informierte seine Mitglieder über mögliche Ausweichschlachtungen – doch Kapazitäten sind knapp.

Alternative Schlachtstätten überlastet oder ungeeignet

So erklärte etwa Albert Hinterwinkler, Betreiber eines Lohnschlachtbetriebs in Landau an der Isar, dass er keine zusätzlichen Tiere übernehmen könne: „Wir haben keine Kapazitäten.“ Auch Thomas Heiligmann von der Geho in Kirchheim bestätigte gegenüber dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, dass sich nahezu alle Biobetriebe gemeldet hätten. Sein Betrieb verarbeite 12.000 Tiere täglich, davon 90 Prozent aus Biohaltung – größere Mengen seien jedoch nicht zu bewältigen.

Mobile Schlachtung und lange Transporte als Notlösung

Können keine regionalen Alternativen gefunden werden, droht der Abtransport der Tiere bis nach Polen. Der Bayerische Bauernverband weist darauf hin, dass dabei die tierschutzrechtlichen Bestimmungen für lange Transporte einzuhalten sind. Eine weitere Option wären mobile Schlachteinheiten, die jedoch meist nicht EU-zugelassen sind und nur für kleinere Betriebe eine praktikable Lösung darstellen. Der Bundesverband der mobilen Geflügelhalter bietet eine Übersicht verfügbarer mobiler Schlachter an.

Zukunft von Buckl Geflügel ungewiss

Ob und wann Buckl seine Tätigkeit wieder aufnimmt, ist laut Süddeutscher Zeitung derzeit völlig offen. Firmeninhaber Daniel Buckl verweigert bislang eine persönliche Stellungnahme. Insider gehen davon aus, dass der Betrieb möglicherweise dauerhaft geschlossen bleibt. Für viele Legehennenhalter wäre das ein herber Schlag, da Alternativen weiterhin rar sind.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_KrzysztofAleksander
Quelle: KBLV, Süddeutsche Zeitung, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, dpa

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