Familie Geßler aus Ebenweiler zeigte bei der Lehrfahrt im Kreis Ravensburg ihren Legehennenbetrieb. So arbeiten die Hühnerhalter.
Die Familie Geßler aus Ebenweiler hat ihren Legehennenbetrieb im Jahr 2020 neu aufgebaut – als Vater-Sohn-GbR, ausgesiedelt aus der Ortsmitte. Ursprünglich stand der Hof mitten im Dorf, doch mit der Chance auf ein Baugebiet und dem Wunsch, wieder in die Tierhaltung einzusteigen, begann die Planung. Nach Überlegung zwischen Masthähnchen, Puten und Legehennen fiel die Wahl auf Letztere – nicht zuletzt, weil über eine angeschlossene Packstelle eine gute Vermarktung gesichert war.
Von der Idee zum Stallbau
Die größte Hürde vor dem Bau war die Standortsuche – wegen zu erwartender Emissionen. Als der Platz gefunden war, lief die Genehmigung zügig: Stall, Maschinenhalle und Wohnhaus wurden in einem Verfahren durchgewunken. Baubeginn war Juni 2020, Einzug der Hennen schon im November. Heute leben knapp 15.000 Legehennen im Stall mit Kaltscharrraum und sechs Hektar Freilandfläche (vier Quadratmeter pro Tier).
Arbeit im Stall – vom Einzug bis zum Ausstallen
Die Tiere kommen mit 18 Wochen und werden komplett zugekauft. Wichtig ist die Gleichmäßigkeit im Gewicht („Uniformität“), um das Lichtprogramm optimal zu steuern. Dieses beginnt mit acht Stunden Licht pro Tag und wird wöchentlich um eine Stunde erhöht, bis 15 Stunden erreicht sind. Stress entsteht vor allem beim Stallwechsel und während der Lichtsteigerung.
Vor dem Einzug eines neuen Bestands wird gründlich gereinigt, desinfiziert und eine Milbenbehandlung durchgeführt. Vier Minijobber unterstützen die Familie im Stall.
Fütterung und Rassewahl
Gefüttert wird ausschließlich gekauftes Mischfutter aus Mais, Soja, Weizen, Sonnenblumen und etwas Gerste. Anfangs frisst jedes Huhn ca. 100 g pro Tag, später etwa 120 g. Wichtig: Die Tröge müssen leergefressen werden, um Selektieren zu vermeiden.
Ab Beginn der Legephase wird der Calciumanteil im Futter erhöht, ab der 60. Woche sinkt die Energiedichte leicht.
Für die Freilandhaltung hat sich die Rasse „Sandy“ bewährt: robust und leistungsstark. Die Hennen bleiben rund 1,5 Jahre im Bestand, danach erfolgt der Komplettaustausch.
Vermarktung und Tierwohl
Als Mitglied der „08er Truppe“ – einem Zusammenschluss baden-württembergischer Eierhöfe – setzt sich der Betrieb gegen veraltete Haltungsformen ein. Dreimal pro Woche holt der Vermarkter alle Eier ab; Mindestgewicht: 53 g.
Beschäftigung ist Pflicht, um Kannibalismus und Federpicken vorzubeugen. Verluste durch Greifvögel und Füchse machen im Freilandbetrieb ein Drittel bis zur Hälfte der Ausfälle aus.
Aktuelles Problem: Schlachtung der Althennen
Bisher wurden Althennen im Schlachthof Buckl (Wassertrüdingen) verarbeitet. Nach dessen Schließung steht Geßler vor einer logistischen und wirtschaftlichen Herausforderung: Möglicherweise müssen die Tiere künftig bis in den Norden Deutschlands transportiert werden.
Investition mit Förderanteil
Der Legehennenstall kostete rund 1,4 Mio. €, gefördert zu 40 % über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Die Maschinenhalle schlug mit 600.000 € zu Buche – ohne Förderung. Das neue Wohnhaus wurde komplett privat finanziert.
Fazit für die Praxis
Der Betrieb Geßler zeigt, wie moderner Legehennenbau unter heutigen Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann – von der Flächenplanung über Tierwohlaspekte bis zur Vermarktung. Zugleich wird deutlich: Standortwahl, Futterkosten, Tierverluste im Freiland und die Entsorgung von Althennen bleiben entscheidende Stellschrauben, die betriebswirtschaftlich und organisatorisch gut abgesichert sein müssen.

































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