Auf der 67. Generalversammlung schlägt die europäische Geflügelbranche Alarm: Konkurrenz durch Importe, hohe Regulierung und fehlender Nachwuchs setzen den Sektor unter Druck.
Geflügelbranche warnt vor Wettbewerbsnachteilen
Die europäische Geflügelwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Auf der 67. Generalversammlung der Europäischen Vereinigung der Geflügelverarbeiter und -händler (AVEC) in Brüssel forderten Vertreter der Branche entschlossenes Handeln von Politik und EU-Institutionen.
„Unser Sektor liefert hochwertiges Eiweiß mit dem niedrigsten CO₂-Fußabdruck aller Fleischsorten und ist damit unverzichtbar für die europäische Lebensmittelsicherheit“, betonte AVEC-Präsident Gert-Jan Oplaat.
Importdruck und Überregulierung belasten die Branche
Oplaat warnte jedoch vor unfairem Wettbewerb: Rund 25 Prozent der in der EU konsumierten Hähnchenfilets stammen aus Drittländern, in denen Produktionsbedingungen gelten, die in Europa nicht zulässig wären. Zusätzlich belasten komplexe Vorschriften und hohe Kosten die Landwirte und Schlachthöfe.
Ein weiteres Problem sei die Überalterung: Nur 6,5 Prozent der europäischen Landwirte sind jünger als 35 Jahre. „Ohne junge Landwirte gibt es keine Zukunft für die Landwirtschaft“, sagte Sébastien Pérel, Vorsitzender des Europäischen Ausschusses junger Landwirte (CEJA).
Kritik am Mercosur-Abkommen
Besonders kritisch äußerte sich AVEC zum geplanten Mercosur-Handelsabkommen. Dieses berücksichtige europäische Standards nicht und führe zu Wettbewerbsverzerrungen. „Unsere hohen Standards und das Vertrauen der Verbraucher dürfen nicht gegen Importe eingetauscht werden“, so Oplaat. Er forderte das Europäische Parlament auf, das Abkommen abzulehnen.
Hoffnung auf Brüsseler Unterstützung
Trotz der Herausforderungen sieht AVEC auch positive Ansätze. Die neue „Vision für Landwirtschaft und Ernährung“ der Europäischen Kommission setzt Schwerpunkte auf Wettbewerbsfähigkeit, Ernährungssicherheit und fairen Handel – Ziele, die mit den Forderungen der Branche übereinstimmen.
Zudem plant AVEC für 2026 eine umfassende Wettbewerbsfähigkeitsstudie, die belegen soll, dass hohe europäische Standards ein Vorteil und kein Nachteil sind.
Forderungen an die Politik
AVEC fordert von der EU:
- Vereinfachung der Vorschriften
- Schutz der europäischen Produzenten vor unfairen Importen
- Unterstützung bei Innovationen und Generationswechsel
„Europa darf seine Ernährungssicherheit nicht auslagern“, so Oplaat. „Wir wollen wettbewerbsfähig bleiben – dafür brauchen wir aber faire Rahmenbedingungen.“

































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.