Betriebskonzept Mobilstall – so wird es zum Erfolg

27 August 2026
Absatz
Michel Cordes

Michel Cordes ist Landwirtschaftsmeister und hat den stillgelegten Betrieb seiner Großeltern 2021 zusammen mit seinem Vater wieder zum Leben erweckt. Sein Konzept fußt auf Mobilstallhaltung und Eierdirektvermarktung. Er hat beides sehr stringent entwickelt und zum wirtschaftlichen Erfolg geführt. Wie das gelungen ist, stellte er auf einer Veranstaltung von Lohmann Deutschland vor. 

Michel Cordes ist heute Herr über 5.400 Legehennen in fünf Mobilställen mit eigener Packstelle und zwölf Verkaufsstellen in der Region, dabei auch Lebensmittelmärkte. Und er ist wirtschaftlich erfolgreich. Sein Drei-Generationen-Betrieb befindet sich im niedersächsischen Zetel im Landkreis Friesland. Welchen Weg er seit dem Kauf des ersten Mobilstalls mit 450 Plätzen vor fünf Jahren gegangen ist, stellte er auf dem „Friesischen Abend für Legehennenhalter“ vor. Eingeladen dazu hatte Lohmann Deutschland.

Drei Generationen arbeiten mit 

„Austausch ist unglaublich wichtig“, das sagte der junge Landwirtschaftsmeister zu Beginn seines Vortrags. Damit meinte er zum einen natürlich die Netzwerkveranstaltung von Lohmann Deutschland in Bockhorn. Solche Treffen veranstaltet das Zuchtunternehmen regelmäßig in verschiedenen Regionen. Zum anderen meinte der 25-Jährige damit aber sicher auch die Entwicklung seines Betriebes, die begleitet wurde von regelmäßigem fachlichen Austausch oder den Absprachen innerhalb der Familie. Sein Vater Jörg und die Großeltern sind nämlich auch im Betrieb tätig.

Während Michel Cordes für die Tiere und die Vermarktung zuständig ist, beliefert sein Vater (neben seiner außerlandwirtschaftlichen Berufstätigkeit) die Eierkunden, die Verkaufsstellen und zwei Rewe-Supermärkte in Zetel und in Wilhelmshaven. Seine Großeltern, vor allem sein Opa, zeichnet für das Eiersammeln und die Packstelle verantwortlich: „Unser Hof ist als Familienbetrieb gewachsen. Jeder hat seine klaren Bereiche und Verantwortlichkeiten“, so der junge Betriebsleiter.

Neueste Mobilställe sind automatisiert

Als er den ersten Mobilstall 2021 kaufte, war er noch in der Ausbildung. Der Eierverkauf lief gut, die Arbeit mit den Legehennen machte ihm Spaß. Das Wachstum danach verlief rasant: Ein Jahr später folgte Stall 2 mit 952 Plätzen. Im Jahr 2023 kamen zwei weitere Mobilställe dazu mit jeweils 1.300 Plätzen und in diesem Jahr wurde Stall 5 gekauft mit knapp 1.400 Plätzen. Waren die ersten beiden Ställe noch recht einfach gebaut, entschied Michel Cordes sich danach für Ställe mit größtmöglicher Automatisierung: „Alles, was wir automatisieren können, ist automatisiert“, so seine klare Ansage.

Gerade in der Mobilstallhaltung von Legehennen schlummern seines Erachtens viele Arbeitsfallen mit mangelnder Rentabilität als Folge. „Mein Ziel ist, dass wir betriebswirtschaftlich ähnliche Zahlen erreichen wie Legehennenhaltungen mit Feststall“, betonte er. Die Entscheidung für die Mobilställe war bei ihm zum einen wegen des geringeren Investitionsbedarfs zum Start gefallen, zum anderen aber auch, weil er darin die besseren Chancen in der Direktvermarktung sah.

Seit 2023 Packstelle mit Sortieranlage

Parallel zum kontinuierlichen Größenwachstum über die vergangenen fünf Jahre gab es immer auch begleitende Anschaffungen. So konnten Arbeitszeiten reduziert, bzw. weiter für die Optimierung von Produktion und Vermarktung genutzt werden. Schon 2022 wurde ein Radlader für die Futterlogistik angeschafft. In drei Silos lagert das Futter für alle Hennen, eine Belieferung mit größeren Partien ist möglich. 2023 folgte mit Einrichtung der Packstelle der Kauf einer automatischen Sortieranlage mit einer Kapazität von 4.500-5.000 Eiern pro Stunde.


Viele Legehennenhalter und Junghennenaufzüchter nutzen in Bockhorn die Gelegenheit zum Austausch.

Auf den Ausläufen der Legehennen sind heute 26 feste Versorgungsstationen für Wasser und Strom vorhanden, das erspart viel Arbeit beim Umsetzen der Ställe. Unverzichtbar ist für den Landwirtschaftsmeister die Optimierung der Produktion und damit verbunden, immer genaue Zahlen zu den wichtigen Kennziffern zu haben.

„Friesen Wiesen-Ei“ ist regionale Marke

Für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebszweiges sind neben den Produktionskosten die Verkaufserlöse entscheidend. Für Michel Cordes war deshalb klar, dass er großes Augenmerk auf die Vermarktung legen muss. Die Eier aus seiner Mobilstallhaltung sollten nicht austauschbar sein, dafür wollte er eine regionale Marke schaffen. Das ist ihm mit „Friesen Wiesen-Ei“ gelungen.

Er geht heute davon aus, dass er deshalb auch bei den beiden Rewe-Märkten, die er beliefert, gute Karten hat. Bei Rewe steht Regionalität hoch im Kurs, unter anderem eben durch die Direktbelieferung mit Produkten von Betrieben im Umfeld. Per Instagram und Facebook sorgt der Cordes Hof für Kundenbindung.

Effizienz steht immer im Fokus

Wie sieht er die weitere Entwicklung seines Betriebes? Auf jeden Fall nicht in „Immer größer, immer mehr“, stellte er in Bockhorn klar. Bei seiner aktuellen Betriebsstruktur, Betriebsgröße und Ausstattung hat er den Punkt höchster Effizienz erreicht. „Mehr Menge würde bei uns nicht automatisch mehr Gewinn bedeuten“, so der Landwirt. Aber mehr Menge hieße mehr Arbeit. Auch wenn man für die Landwirtschaft brennt, ist für Michel Cordes klar, dass es auch Feierabend, Wochenende und Urlaub geben muss. Etwas, was ihn von der Mentalität vieler Landwirte seiner Großeltern-Generation unterscheidet - und das findet er richtig und wichtig.

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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