Steigende Nachfrage: Geflügelmast erobert neue Regionen

22 Juli 2026
Masthuhn
Henningsen

Yannick Henningsen und seine Freundin Lea Jesske


Die steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch verändert die Landkarte der Geflügelmast. Immer mehr Landwirte wagen den Einstieg – auch fernab der klassischen Intensivregionen. Einer von ihnen ist Yannick Henningsen aus der Nähe von Flensburg. Der Schleswig-Holsteiner setzt mit seinem neuen Hähnchenmaststall auf einen wachsenden Markt.

Yannick Henningsen ist schon während seiner Ausbildung zum Landwirt in Berührung mit der Hähnchenmast gekommen. Das Interesse daran ist geblieben und hatte für ihn die Konsequenz, dass er jetzt einen neuen Hähnchenmaststall mit knapp 30.000 Plätzen gebaut hat. Mit einem Tag der offenen Tür wurde dieser jetzt eingeweiht. 

Schon früh Kontakt zur Hähnchenmast

„Mein Vater hatte neben unserem landwirtschaftlichen Betrieb ein Lohnunternehmen. Es gab einen Kunden, für den wir Hähnchenmist gefahren haben“, erzählt der 27-Jährige. Durch den Kontakt zum Berufskollegen wuchs bei ihm das Interesse an diesem Betriebszweig – auf Schleswig-Holsteins Betrieben heute noch eher die Ausnahme. 

Doch das Interesse speziell an der Hähnchenmast nimmt auch im nördlichsten Bundesland zu, weiß Yannick Henningsen. Er hat nach landwirtschaftlicher Ausbildung und höherer Landbauschule vor eineinhalb Jahren den elterlichen Betrieb in Hürup bei Flensburg (Landkreis Schleswig-Flensburg) übernommen. Zudem arbeitet er derzeit im Außendienst für eine große Geflügelintegration und betreut Schleswig-Holstein und das nördliche Mecklenburg-Vorpommern.

Auch Interesse bei viehlosen Betrieben

Dass viele Berufskollegen, Schweine- und Rinderhalter, mit einem Umstieg auf die Hähnchenmast liebäugeln, bekommt er nicht nur als Außendienstler mit. Auch beim Tag der offenen Tür bei seinem neuen Hähnchenstall waren viele interessierte Landwirte vor Ort: „Die Resonanz war sehr gut und auch sehr positiv“, erzählt er. Auch viehlose Betriebe mit ausschließlich Ackerbau haben Interesse. 

Die Baugenehmigung für den neuen Stall hatten Yannick Henningsen und sein Vater bereits vor vier Jahren erhalten. Die Planung war, zuerst Ausbildung und Hofübergabe abzuschließen und dann mit dem Stallbau zu starten. So ist es jetzt auch umgesetzt. „Der Standort passte emissionstechnisch und wir haben uns frühzeitig mit dem Landkreis in Verbindung gesetzt“, so der junge Landwirt. 

Der neue Stall ist ausgelegt für knapp 30.000 Tiere in Haltungsform 2.

Baugenehmigung war schnell da

„Alle Beteiligten einschließlich dem Architekten haben gut zusammengearbeitet, die Baugenehmigung kam deshalb bereits nach vier Monaten“, sagt Henningsen. Er rät allen bauwilligen Kolleginnen und Kollegen denn auch, die Unterlagen gut und vollständig vorzubereiten, bevor man einen Bauantrag stellt und bereits im Vorfeld mit der Genehmigungsbehörde Kontakt aufzunehmen.  

Der neue Stall bietet Platz für knapp 30.000 Masthähnchen. Eingebaut ist unter anderem eine automatische Tränkwasserspülung – das Thema Hygiene könne nicht hoch genug aufgehängt werden, so der Landwirt. Der andere Aspekt: „Automatisierung bedeutet in dem Fall natürlich auch Zeitersparnis für mich“, sagt er. 

Abwägen zwischen Haltungsform 2 und 3 

Vor vier Jahren waren die höheren Haltungsformen in der Geflügelmast noch kein so großes Thema wie heute. So lief der Bauantrag für die Haltungsform 2, was heute den Vorgaben der Initiative Tierwohl entspricht. „Ob ich heute lieber für Haltungsform 3 mit Außenklima bauen würde, kann ich nicht wirklich beantworten“, wägt er ab. 

Hätte er jetzt noch einmal umswitchen wollen, hätte das jedoch die Beantragung einer neuen Baugenehmigung bedeutet, mit zusätzlichen Kosten und Zeitaufwand. Deshalb entschied er sich dagegen: „Haltungsform 2 wird auch weiterhin gefragt sein, es wird und kann nicht nur Hähnchenfleisch aus Haltungsform 3 geben“, ist er überzeugt und sein Arbeitgeber sieht dies ebenso. 

Einige Betriebe bauen Wintergarten an

Bei den Betrieben, die er im Außendienst betreut, gibt es allerdings auch einige, die ihre Hähnchenmastställe derzeit umbauen auf Haltungsform 3, sprich, einen Außenklimabereich schaffen. Aber das ist bekanntlich nicht überall möglich oder teilweise mit sehr hohem genehmigungstechnischem Aufwand verbunden. Für Yannick Henningsen passt seine Lösung für den Neueinstieg in die Hähnchenmast.  

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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