Besuchermagnet Geflügelstall: Tag der offenen Tür zieht Fachpublikum an
Viele landwirtschaftliche Betriebe interessieren sich derzeit für einen Einstieg in die Geflügelhaltung, für einen Stallneubau oder Umbau vorhandener Geflügelställe. Das merkt man auch bei den Tagen der offenen Tür, die wieder häufiger stattfinden bei neugebauten Ställen. Sie sind Besuchermagneten.
Auch Mathis Veddern kann sich nicht über einen Mangel an Besucherinnen und Besuchern beklagen beim Tag der offenen Tür bei seinem gerade fertiggestellten neuen Hähnchenmaststall für rund 30.000 Tiere. Der Zufahrtsweg zum neuen Stall im Außenbereich reicht nicht aus für die zahlreichen Autos, die gekommen sind. Die Kennzeichen zeigen, dass es nicht nur Gäste aus dem heimischen Landkreis Grafschaft Bentheim sind.
Es kommt Fachpublikum
Für die am Bau beteiligten Unternehmen ist ein Tag der offenen Tür gewinnbringend, weil -neben Nachbarn und Freunden- in erster Linie interessierte Berufskolleginnen und Berufskollegen kommen. „Das ist in der Regel ernsthaft interessiertes Fachpublikum,“ sagt ein Firmenvertreter. Und auch für die abnehmenden Integrationen, in diesem Fall ist das die Rothkötter Unternehmensgruppe, bietet ein Tag der offenen Tür die Chance, mit neuen Mästerinnen oder Mästern ins Gespräch zu kommen.
Der Betrieb von Mathis Veddern und seiner Familie befindet sich in Wietmarschen, unweit der niederländischen Grenze. Der junge Landwirt hat sich für einen Stall nach den Vorgaben der Haltungsform 3 des Lebensmittelhandels (HF) entschieden. Das beinhaltet neben einer reduzierten Besatzdichte und Beschäftigungsmaterial im Stall einen Wintergarten, also Zugang zu Außenklima.
Der neue Stall mit knapp 30.000 Plätzen wurde im Außenbereich errichtet.
Der neue Stall hat als Besonderheit den Wintergarten an beiden Seiten.
Full house beim Tag der offenen Tür.
Der neue Stall mit knapp 30.000 Plätzen wurde im Außenbereich errichtet.
Der neue Stall hat als Besonderheit den Wintergarten an beiden Seiten.
Full house beim Tag der offenen Tür.
Sitzstangen zur Beschäftigung
Beim neuen Stall kommen zu den 2.000 qm Stallinnenfläche deshalb 600 qm Wintergarten dazu. Der Wintergarten steht den Masthähnchen ab der 3. Lebenswoche zur Verfügung. Als Beschäftigungsmaterial soll es im neuen Stall Luzerneballen geben. Sitzstangen bieten den Tieren die Möglichkeit, aufzubaumen.
Eine besondere Herausforderung bei Ställen mit Wintergarten ist die Klimaführung. Solange die Luken zum Wintergarten zu sind, ist es lüftungstechnisch ein geschlossener Stall. Werden sie geöffnet, ändert sich die Luftführung. In den ersten drei Wochen der Mast sorgen vier Zuluftkamine auf dem Dach für ausreichend Frischluft im Stall.
Kombiniertes Lüftungssystem
Sind die Luken zum Wintergarten dann offen, werden auch die seitlichen Zuluftklappen in der Stallwand geöffnet. Dann gelangt die Frischluft auch hierüber in den Stall. Abgeführt wird die Stallluft zentral. Für ausreichend Wärme im Stall zu Beginn der Mast sorgen die Gaskanonen. Sie sind mit Rauchgasabführung ausgestattet, so dass kein CO2 im Stall verbleibt. Eingestreut werden soll mit Strohgranulat, so Mathis Veddern. Angedacht ist, dass ein Teil der Hähnchen vorgefangen wird, um auch am Ende der Mast die niedrige Besatzdichte einzuhalten.
Biosicherheit groß geschrieben
Großes Augenmerk hat Mathis Veddern schon beim Stallbau auf eine hohe Biosicherheit gelegt. So gibt es unter anderem einen sehr großen betonierten Vorplatz, auf dem Futter- und Lebendtier-LKWs gut rangieren können. Gerade angesichts der begonnenen „Geflügelpest-Saison“ ist dieses Thema von allergrößter Wichtigkeit für jeden geflügelhaltenden Betrieb, sagt Mathis Veddern.
„Die dritte Generation steht in den Startlöchern“
Familie Bischoff
Familie Bischoff, das sind Jan Bischoff und seine Frau Anke sowie sein Vater Willi, sind aus dem Nachbarkreis Cloppenburg zum Tag der offenen Tür gekommen. Auf ihrem Betrieb ist die Hähnchenmast seit über 30 Jahren wichtiger - und gewinnbringender Betriebszweig.
Senior Willi Bischoff erinnert sich noch gut an die Anfänge. Als „Pionier“ in den Geflügelhaltung wurde man damals von Berufskollegen durchaus belächelt, ebenso wie Mischfutterhersteller Rothkötter mit dem Bau von Schlachterei und Brüterei. Doch daraus wurde bekanntlich eine Erfolgsgeschichte – für landwirtschaftliche Betriebe und für die Integrationen.
Auf dem Betrieb Bischoff werden in drei Ställen heute auf insgesamt 73.000 Plätzen Hähnchen gemästet mit Teilnahme an der Initiative Tierwohl (ITW), was der Haltungsform 2 entspricht. Und damit soll noch nicht Schluss sein. „Unser Sohn Niklas macht derzeit eine landwirtschaftliche Ausbildung, er möchte anschließend in den Betrieb mit einsteigen“, erzählt Anke Bischoff. Die Familie kann sich gut vorstellen, dass sie in einen weiteren Hähnchenmaststall für Haltungsform 3, also mit Wintergarten, investieren. Deshalb wollen sie sich heute vor Ort informieren. Emissionstechnisch gäbe es einen Standort, auch um die Abnahme der Tiere machen sie sich keine Gedanken: „Geflügel hat Zukunft“, das gilt für sie auch heute noch.
„Das Wichtigste, die Baugenehmigung, haben wir schon“
Florian Loose und Josef Loose
Florian Loose und sein Vater Josef Loose sind zum Tag der offenen Tür gekommen, weil sie sich insbesondere über die Haltungsform 3 bei Hähnchen informieren wollen. Auf ihrem Betrieb im Emsland ist bisher die Schweineproduktion im geschlossenen System Hauptbetriebszweig. In den älteren Sauenställen direkt am Hof stünden in den nächsten Jahren Um- oder Neubauten an. Wie es dort weitergeht, hat Familie Loose noch nicht entschieden.
Eine andere wichtige betriebliche Entscheidung wurde jedoch gefällt: Der Einstieg in die Hähnchenmast als neuen Betriebszweig: „Wir haben die Baugenehmigung für einen Hähnchenmaststall bereits in der Tasche“, erzählt Florian Loose. Er lobt dabei die Zusammenarbeit mit der Rothkötter Unternehmensgruppe. Diese bietet, wie andere Firmen der Branche auch, eine Begleitung bei einem geplanten Stallneubau an: „Es gab tatsächlich nur einen Standort auf unseren Flächen, der emissionsmäßig passte“, so Florian Loose.
Hierfür wurden alle nötigen Unterlagen zusammengestellt und eingereicht beim zuständigen Landkreis Emsland. Die Baugenehmigung für 29.999 Tiere wurde zügig erteilt. Geplant ist ein Stall mit Wintergarten für die Haltungsform 3: „Dazu, ob Haltungsform 2 oder die höhere Haltungsform 3 momentan wirtschaftlicher ist, gibt es unterschiedliche Meinungen“, sagte der junge Landwirt. Sehr gut findet er, dass er mit seinem künftigen Stall umswitchen könnte auf Haltungsform 2. Das gebe zusätzliche Sicherheit.
„Landwirtschaft bleibt das Fundament unserer Region“
Burkhard Kalmer
Burkhard Kalmer ist bei der Emsländischen Volksbank Bereichsleiter für den Agrarsektor. Betreut werden Kunden aus den beiden Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Diese sind geprägt durch eine starke Veredlung. Burkhard Kalmer: „Landwirtschaft ist das Fundament unserer Region.“
Demzufolge macht für sein Haus die Landwirtschaft rund ein Drittel des Geschäftsvolumens aus.
In der jüngeren Vergangenheit werden viele Stallneubauten in höheren Haltungsformen gebaut, hier vorrangig Hähnchenmastställe, aber auch Legehennenställe. Bei den Masthähnchen liegt der Schwerpunkt aufgrund der Genehmigungsthematik bei der Stallgröße von 29.900 Plätzen. „Wir sprechen dabei von Investitionssummen, die zwischen 1,3 und 1,5 Mio. Euro liegen“, so der Bankfachmann.
Derzeit gibt es noch kein besseres Rating für mehr Tierwohl. „Das Thema Nachhaltigkeit wird bei uns schon wichtiger“, sagt er. Es umfasse aber natürlich verschiedene Aspekte, auch zum Beispiel den CO2-Fußabdruck“, betont er.
Bei seinen landwirtschaftlichen Kunden ist neben dem Geflügel auch der Umbau in der Sauenhaltung und die Fortführung von Biogasanlagen Thema.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Bild:
Dieter Theyssen, Christa Diekmann-Lenartz
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