Rheinland-Pfalz: Geflügelhaltung kommt auf den Stundenplan

25 März 2025
Deutschland
Geflügelhaltung

Was etwa in Niedersachsen, Deutschlands Geflügelland Nr.1, schon lange selbstverständlich ist, gilt nun auch in Rheinland-Pfalz: In den weiterführenden landwirtschaftlichen Schulen steht Geflügelhaltung auf dem Stundenplan. 

Detlef Groß ist Tierhaltungs-Berater und -Lehrer am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel. An der Technikerschule Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz, unterrichtet er Landwirtinnen und Landwirte, die an der einjährigen Fachschule den Abschluss „staatlich geprüfter Wirtschafter“ erwerben wollen. Detlef Groß bringt es auf den Punkt: „In Rheinland-Pfalz ist die Schweinehaltung sehr stark auf dem Rückzug. Da stellt sich schon die Frage, welchen Raum dieser Betriebszweig im Unterricht einnehmen sollte.“ 

Kostenrechnungen für Eier und Masthähnchen

In seinem Fachunterricht, in dem es in erster Linie um Ökonomie geht, steht deshalb seit einiger Zeit die Geflügelhaltung auf dem Stundenplan. Detlef Groß stellte diese Arbeit auf der Mitgliederversammlung 2025 des Geflügelwirtschaftsverbandes Rheinland-Pfalz vor. So führen seine Schülerinnen und Schüler nicht nur Kostenrechnungen für die Milchviehhaltung und Bullenmast durch, sondern ebenso für die Legehennenhaltung

"„Alles unterm Knie – ist kein Vieh“ Dieses alte Zitat der Landwirtschaft hat auch in Rheinland-Pfalz heute keine Gültigkeit mehr."

Unter den künftigen staatlich geprüften Wirtschaftern ist ein Neueinstieg in die Legehennenhaltung ein Thema, wie der Landwirtschaftslehrer aus den Gesprächen im Unterricht weiß. „Eier sind beliebt und die Verzehrsmengen steigen, außerdem ist Deutschland unterversorgt“, sagt er. Das wissen auch seine Schüler. Wichtig ist ihm dabei, die ökonomischen Unterschiede zwischen Mobilstall und Haltung in einem festen Stall deutlich zu machen: „Vorsicht vor der Arbeitsfalle Mobilstall“, sagt er als Stichwort. 

„Markterhebung“ in der Region

Die Geflügelhaltung ist Neuland für die meisten seiner Schüler. Damit sie ein Gefühl für die Eiervermarktung, die Spannbreiten im Handel bekommen, schickte Detlef Groß sie auf „Eiertour“ in die Discounter und Supermärkte in ihren Heimatorten. Die Ergebnisse – ohne Anspruch auf Repräsentativität - stellte er auf der Mitgliederversammlung vor. Das Ergebnis: Überall gab es ein breites Angebot an Eiern, Bodenhaltung, Freiland und Bio waren gleichmäßig vertreten, von Mangel (noch) keine Spur. 

Beim Einstiegsniveau von 1,99 Euro (10er Pack), das quasi überall für Bodeneier zu finden war, vermutet Detlef Groß eine fehlende Spanne beim Handel. Wie zu erwarten, gab es die größten Unterschiede bei den Bioeiern. Während der 10er Pack in ländlichen Regionen schon für 3,39 Euro zu bekommen war, sahen die Preise im Speckgürtel um Wiesbaden oder Mainz, wo viele Wohlhabende leben, anders aus: Der Höchstpreis lag hier bei 6,90 Euro. 

Chancen für Bioeier-Produktion 

Auffällig für den Berater: Nur wenig Eier kamen aus den Niederlanden, dem Importland Nr. 1 in Deutschland, was Eier angeht. Sehr häufig stand eine 03 auf den Eiern, sprich, die Eier kamen aus Niedersachsen. Aber auch Rheinland-Pfalz war oft vertreten – Regionalität spielt im Lebensmittelhandel zunehmend eine Rolle. Zu bedenken gab Groß seinen Schülern hierzu: Derzeit kommt ein Großteil der deutschen Bioeier (EU-Bio) aus Niedersachsen bzw. Norddeutschland. Diesbezüglich sieht er Chancen für seine Region. 

Auch in der Beratung kommen Anfragen zur Legehennenhaltung. So hat er Detlef Groß erst kürzlich mit einem Betriebsleiter aus dem Westerwald sehr detailliert und vor konkretem Planungshintergrund den Neubau eines Legehennenstalles mit 12.000 Plätzen diskutiert: „Die Stallgrößen sind bei uns eher überschaubar, aber in diesem Bereich gibt es Zukunftschancen für unsere Betriebe“, freut sich der langjährige Tierhaltungs-Berater. 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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