Geflügelhalter können künftig eine neue Methode zur Betäubung und Tötung von Hühnern einsetzen. Die EU hat das NEFS-Verfahren mit stickstoffgefülltem Hochexpansionsschaum zugelassen. Die Genehmigung umfasst Tiere der Gattung Gallus in allen Gewichtsklassen und Lebensphasen. Weitere Einsatzmöglichkeiten, etwa beim Schlupf im Stall, werden derzeit noch geprüft.
EU gibt Stickstoffschaum für Hühner frei
Die Europäische Union hat eine neue Methode zur Betäubung und Tötung von Geflügel zugelassen. Das Verfahren trägt den Namen NEFS – kurz für Nitrogen Expansion Foam Stunning – und arbeitet mit stickstoffgefülltem Hochexpansionsschaum.
Die Zulassung gilt für Tiere der Gattung Gallus und damit unter anderem für Legehennen und Masthähnchen. Sie umfasst alle Gewichtsklassen und Lebensphasen.
Für Geflügelhalter eröffnet die Entscheidung eine zusätzliche Möglichkeit, Tiere zu betäuben und zu töten. Die Technik wurde sowohl für den Einsatz im Betriebsalltag als auch für Situationen entwickelt, in denen größere Tiergruppen betroffen sind.
Die EU hat die Zulassung in einer Durchführungsverordnung festgeschrieben. Diese wurde am 17. Juli im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.
Stickstoffschaum verdrängt den Sauerstoff
Bei der NEFS-Methode füllt stickstoffhaltiger Hochexpansionsschaum den vorgesehenen Bereich. Das Verfahren soll eine kontrollierte Betäubung der Tiere ermöglichen.
Hinter der Technik steht das schwedische Unternehmen Heft. Nach Angaben des Unternehmens markiert die EU-Zulassung einen wichtigen Schritt, um das Verfahren künftig breiter in der Geflügel- und Schweinehaltung einzusetzen.
Der Entscheidung ging ein mehrjähriges Verfahren voraus. Der Entwickler startete 2021 das europäische Zulassungsverfahren und arbeitete dabei mit mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen.
Beteiligt waren unter anderem Wageningen University & Research, die Schwedische Universität für Agrarwissenschaften (SLU), die RISE Research Institutes of Sweden sowie die University of Minnesota.
Schlupf im Stall könnte weiteres Einsatzgebiet werden
Besonders interessant könnte die Technik für Betriebe werden, die auf den Schlupf im Stall setzen. Das Verfahren gewinnt vor allem in der Masthähnchenhaltung an Bedeutung.
Nicht aus jedem Brutei schlüpft jedoch ein lebensfähiges Küken. Im Durchschnitt betrifft dies nach Angaben der Beteiligten etwa zwei Prozent der Bruteier. Bei 60.000 Bruteiern wären das rechnerisch rund 1.200 Eier beziehungsweise Küken, für die eine geeignete Lösung erforderlich ist.
Hier könnte NEFS künftig eine weitere Möglichkeit bieten. Dieser konkrete Einsatz befindet sich allerdings noch in der Erprobung.
Michiel van Mil, der für Rasa die Einführung des Systems in den Benelux-Ländern begleitet, betont, dass die Methode dafür zuverlässig funktionieren müsse. Bevor sie für diesen Zweck in die Praxis geht, müsse zweifelsfrei feststehen, dass jedes betroffene Tier beziehungsweise jeder Embryo sicher getötet wird.
Weitere Tests mit jeweils 600 Bruteiern geplant
Erste Versuche mit 100 Bruteiern haben bereits stattgefunden. Nun sollen mehrere Testreihen mit jeweils rund 600 Eiern folgen.
Die Beteiligten kontrollieren dabei jedes einzelne Ei. Sie wollen so nachweisen, dass die Methode in allen Fällen zuverlässig wirkt.
„Die Methode bietet erst dann einen echten Mehrwert, wenn wir zu 100 Prozent sicher wissen, dass jeder Embryo tatsächlich tot ist“, sagt van Mil. Deshalb nehme man sich ausreichend Zeit für die Validierung. Erst mit belastbaren Ergebnissen aus der Praxis solle die Technik für diesen Einsatz auf den Markt kommen.
Bis Mitte September sollen genügend Ergebnisse vorliegen, um den Einsatz beim Schlupf im Stall genauer beurteilen zu können.
NEFS könnte auch bei kranken und verletzten Tieren helfen
Neben dem Schlupf im Stall sehen die Entwickler weitere Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehört die Euthanasie einzelner Tiere, die aufgrund von Krankheit oder Verletzungen nicht im Bestand bleiben können.
Auch bei selektiven Tötungen könnte das Verfahren zum Einsatz kommen. Gemeint sind beispielsweise Tiere in vorgelagerten Betrieben, die bestimmte züchterische Anforderungen nicht erfüllen. Auch für diesen Einsatz laufen weitere Vorbereitungen.
Darüber hinaus wurde die Technik für Situationen entwickelt, in denen Tierseuchen die Tötung größerer Bestände erforderlich machen.
Damit könnte das Verfahren sowohl für routinemäßige Aufgaben im Betrieb als auch für außergewöhnliche Tierseuchensituationen relevant werden.
Zulassung gilt noch nicht für Puten und Enten
Geflügelhalter müssen bei der EU-Zulassung allerdings zwischen den Tierarten unterscheiden. Sie gilt derzeit für die Gattung Gallus und damit für Hühner in allen Größen und Lebensphasen.
Puten und Enten umfasst die Zulassung bislang nicht.
Nach Angaben von van Mil wurden auch diese Tierarten bereits untersucht. Die entsprechenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen stehen jedoch noch aus.
Für Hühnerhalter steht mit der EU-Entscheidung nun grundsätzlich eine weitere zugelassene Methode zur Verfügung. Wie groß ihre Bedeutung im Betriebsalltag wird, dürfte sich vor allem daran entscheiden, wie zuverlässig, praktikabel und wirtschaftlich sich NEFS unter Praxisbedingungen einsetzen lässt.




































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