Der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Günther Felßner, hat seine Kandidatur für das Amt des Bundeslandwirtschaftsministers zurückgezogen. Ausschlaggebend war ein massiver Eingriff in seine Privatsphäre:
Am 24. März waren Aktivisten der Tierrechtsorganisation „Animal Rebellion“ auf Felßners Milchviehbetrieb in Mittelfranken eingedrungen, entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Kein Tierausbeuter als Agrarminister“, entzündeten Bengalos auf dem Stalldach und leiteten Rauch in das Gebäude. Felßners Frau, die sich im Stall aufhielt, fürchtete um ihr Leben. Günther Felßner sprach von einem „Überfall“ und betonte: „Ich bin nicht bereit, die Sicherheit meiner Familie aufs Spiel zu setzen.“
Laut Bayerischem Rundfunk stellte die Polizei die Personalien von zwölf Aktivisten fest, gegen die nun wegen Hausfriedensbruch ermittelt wird. Die Aktion auf Felßners Hof erfolgte, während dieser in Berlin an den Koalitionsverhandlungen in der Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Umwelt teilnahm.
Große Solidarität aus der Agrarbranche – und scharfe Verurteilung des Protests
In einer Erklärung am 25. März machte Felßner deutlich, dass diese Grenzüberschreitung für ihn eine rote Linie darstellt. Er werde nicht länger für das Ministeramt zur Verfügung stehen, wolle jedoch weiterhin als BBV-Präsident und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) tätig bleiben.
In der deutschen Agrarwirtschaft stieß Felßners Entscheidung auf Verständnis – begleitet von großer Empörung über die Eskalation des politischen Diskurses. DBV-Präsident Joachim Rukwied verurteilte das Vorgehen der Aktivisten als Straftat und forderte klare gesellschaftliche Grenzen gegen radikale Einschüchterung: „Wir dürfen diesen radikalen Aktivisten nicht durchgehen lassen, dass sie damit den demokratischen Diskurs vergiften.“ Auch Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), sprach von einer „beispiellosen Schmutzkampagne“ gegen Felßner.
Die Agrarverbände mahnen, dass politische Mitwirkung von Landwirten nur möglich sei, wenn sie frei von persönlicher Bedrohung erfolgen könne. Felßner sei ein ausgewiesener Praktiker und Fachmann mit starkem Rückhalt in der bäuerlichen Basis. Umso bedauerlicher sei sein Rückzug.
Kritik und Petitionen: Felßner war schon zuvor umstritten
Felßners Kandidatur war seit seiner Nominierung durch CSU-Chef Markus Söder im November 2024 von Umweltschutzorganisationen scharf kritisiert worden. Das Umweltinstitut München und Campact starteten Online-Petitionen gegen den fränkischen Landwirt, die hunderttausende Unterschriften sammelten. Der Vorwurf: Felßner stehe einseitig für die Interessen agrarindustrieller Großbetriebe. Zudem wurde auf eine frühere Verurteilung wegen Boden- und Gewässerverunreinigung hingewiesen.
CSU sucht neuen Agrarminister – Söder kündigt Ermittlungen an
Markus Söder äußerte sich erschüttert über die Angriffe auf Felßners Familie und kündigte eine Sonderermittlung gegen „Animal Rebellion“ an. Die CSU wolle weiterhin das Agrarressort besetzen, ein neuer Kandidat sei aber noch nicht benannt worden. Ursprünglich hatte Söder Felßner ins Rennen geschickt, um ein Signal an die bäuerliche Basis zu senden und sich von den Freien Wählern abzugrenzen.
Appelle zur Mäßigung – auch von Grünen
Auch Politiker der Grünen verurteilten die Aktion gegen Felßner deutlich. Bundestagsabgeordneter Karl Bär warnte vor einer Verrohung des politischen Umgangs, mahnte aber zugleich, den Vorfall nicht für einen „Kulturkampf gegen NGO“ zu instrumentalisieren. Eine demokratische Auseinandersetzung müsse möglich bleiben – jedoch ohne Angst und Gewalt.
So geht’s nicht! Alarmzeichen für demokratischen Diskurs in der Agrarpolitik
Der Rückzug Günther Felßners markiert nicht nur das vorläufige Ende einer prominenten CSU-Kandidatur, sondern ist auch ein deutlicher Weckruf für den Zustand der politischen Debatte rund um Landwirtschaft und Tierhaltung. Aus Sicht der Branche wurde eine Grenze überschritten: Demokratische Mitwirkung darf nicht durch Angst und Einschüchterung verhindert werden. Die breite Solidarität aus der Agrarwirtschaft zeigt, wie tief der Schock über diese Eskalation sitzt – und wie ernst die Lage eingeschätzt wird.

































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