Blitzumfrage: So stark trifft das Minijob-Aus Geflügelbetriebe

30 Juni 2026
Deutschland
Umfrage Minijobber

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Minijobs betrifft auch die Landwirtschaft sehr stark. Geflügelnews machte auf Instagram eine Blitzumfrage unter Geflügelhaltern. Sie zeigt: Sehr viele Betriebe setzen auf Minijobber – und werden die Pläne zur Rentenreform vermutlich mit großer Sorge sehen.

Vergangene Woche hat die von der Bundesregierung beauftragte Rentenkommission ihre Vorschläge für eine Reformierung unseres Rentensystems vorgestellt. Sie waren mit Spannung erwartet worden. Unter anderem beinhalten die Vorschläge eine weitestgehende Abschaffung der Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit bei Minijobs. So solle Altersarmut (besonders bei Frauen) eingedämmt werden. 

6,5 Mio. Minijobber in Deutschland

Viele der rund 6,5 Millionen Minijobber in Deutschland (Quelle: Minijobzentrale) nutzen die Beschäftigung als existenziellen Zuverdienst. Ohne den Sonderstatus müssten sie Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Bei einem Verdienst von 603 Euro, dem heutigen Höchstsatz, würde sich das Nettoeinkommen dadurch spürbar reduzieren (547 Euro allein nach Abzug des Rentenbeitrags).

Es dauerte nicht lange, bis nach Vorstellung der Pläne stark betroffene Branchen Alarm schlugen. Dazu gehört die Gastronomie, der Handel, das Handwerk oder die Gebäudereinigung, die stark von flexiblen Aushilfen abhängen. Die dazugehörigen Wirtschaftsverbände befürchten einen massiven Personalmangel oder ein Abwandern der Beschäftigten in die Schwarzarbeit.

Gerade erst Erleichterungen für Saisonkräfte  

Zu den stark betroffenen Branchen gehört zweifelsohne auch die Landwirtschaft und hier besonders einige personalintensive Bereiche. Die Betroffenheit gilt umso mehr, als erst Anfang diesen Jahres Erleichterungen für Saisonkräfte in Kraft getreten waren. Diese dürfen seitdem bis zu 15 Wochen oder 90 Arbeitstage pro Kalenderjahr sozialversicherungsfrei arbeiten. Vorher lag die Grenze bei drei Monaten oder 70 Tagen. Zudem war die Höchstgrenze für Minijobs auf 603 Euro angehoben worden. 

So hat sich auch Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, vehement gegen die Minijob-Pläne der Rentenkommission ausgesprochen. Das sei „wirtschaftlicher Unsinn“, sagt er vor wenigen Tagen auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg. 

Großteil der Geflügelbetriebe betroffen

Wir von Geflügelnews wollten von den geflügelhaltenden Betrieben wissen, ob sie mit Minijobbern arbeiten und haben auf Instagram eine Blitzumfrage gestartet. Hier die Antworten: 

  • 77 Prozent antworteten mit „ja“ 
  • 12 Prozent antworteten mit „gelegentlich“ 
  • 11 Prozent antworteten mit „nein“ 

Diese Umfrage darf sicher nicht als repräsentativ angesehen werden. Dennoch gibt sie einen guten Eindruck, wie es aussieht auf den Betrieben. Ob es das Eiersortieren ist, die Verkäuferin im Hofladen, das Reinigen der Ställe oder die Aushilfe bei der Ernte, überall sind Minijobber im Einsatz. Die Betroffenheit in der Geflügelbranche wäre groß, wenn der Vorschlag der Rentenkommission umgesetzt würde. 

Ob und in welcher Form die Bundesregierung diese Vorschläge in ein Gesetzgebungsverfahren einbringt, ist derzeit jedoch noch offen. Auch auf politischer Ebene wird viel diskutiert. So gibt es Gegenwind aus konservativen und wirtschaftsliberalen Kreisen. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Kristoffer Finn

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.