Jubiläum: Niedersachsen will Geflügelland Nr. 1 bleiben

07 Juni 2024
Deutschland
NGW Jubiläum

Der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft ist 30 Jahre alt geworden. Ministerpräsident Stephan Weil sparte auf der Jubiläumsfeier nicht mit Lob für den Verband und für die Branche: „Niedersachsen ist Geflügelland Nr. 1 – und das wollen wir auch bleiben.“

Die Bruttowertschöpfung der deutschen Geflügelwirtschaft liegt bei aktuell rund 8,6 Mrd. € im Jahr. Etwa 170.000 Arbeitsplätze sind mit ihr verbunden. Ein wesentlicher Teil davon befindet sich in Niedersachsen: Zirka 37 Prozent aller deutschen Legehennen leben hier und über 55 Mio. Masthähnchen. Dazu kommen starke Unternehmen in der vor- und nachgelagerten Stufe, darunter mehrere Weltmarktführer.

Gute Laune auf der Jubiläumsfeier (v.l.): NGW- Vorsitzender Friedrich-Otto Ripke, Ministerpräsident Stephan Weil und NGW Geschäftsführer Dieter Oltmann.

Lobbyarbeit durch Kompetenz

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sparte auf der Jubiläumsfeier des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) in Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) denn auch nicht mit Lob für den Verband, aber ebenso für die Branche: „Der NGW ist unbestritten der Repräsentant der Branche“, sagte er. Mit 1.600 regulären und weiteren assoziierten Mitgliedern stehe er für sehr große Kompetenz und für Lobbyarbeit im positiven Sinne. Damit sei er auf Landesebene geschätzter Gesprächspartner der Politik.

Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des NGW, bestätigte die erprobte Partnerschaft mit der niedersächsischen Landespolitik: „Wir wollen die Zukunft zusammen mit dem Markt und zusammen mit der Politik gestalten.“

Um den Absatz brauche man sich derzeit keine großen Sorgen machen: „Markt und Verbraucher sind auf unserer Seite“, betonte er.

Beide Seiten setzen auf vertrauensvolle Zusammenarbeit (v.l.): NGW-Vorsitzender Friedrich-Otto Ripke und Ministerpräsident Stephan Weil.

Wettbewerbsgleichheit ein Muss

Sorge bereite da eher die (Bundes-)Politik. Ripke appellierte, dass nationale Auflagen auf ein Minimum zu begrenzen seien, es brauche im Sinne von Wettbewerbsgleichheit EU-weite Regelungen. Er nannte als Beispiel die wachsende Geflügelfleischerzeugung in Polen, die nur die Hälfte der Produktionskosten habe wie Deutschland.

Wesentliche Entscheidungen zur Landwirtschaft finden nicht auf Landesebene, sondern auf Bundesebene statt. Weil bemängelte diesbezüglich den „Entscheidungsstau“ in Berlin und bekräftigte seine Sicht, dass nationale Regelungen nicht zuungunsten der Wettbewerbsfähigkeit gehen dürften, er nannte als Beispiel die Putenhaltungsverordnung. Ohne Wettbewerbsfähigkeit könne eine Branche nicht überleben, ohne wirtschaftliche Perspektiven würden Betriebe nicht von der nachfolgenden Generation übernommen.

Der Ministerpräsident stimmte mit Ripke überein, dass Marktpartner und Politik gemeinsam entwickeln müssen, wie es weitergehen soll mit der Tierhaltung. Es brauche einen parteiübergreifenden „Common sense“, der länger als vier Jahr Bestand habe. Seine klare Zusage an die Geflügelwirtschaft lautete, diese auch weiter politisch zu unterstützen: „weil auch das Land davon profitiert.“

Unterhaltsame Lehrstunde über die „Macht der Kommunikation“ mit Jakob Lipp.

Chronik 30 Jahre NGW

In seiner Chronik, die der NGW anlässlich des Jubiläums veröffentlicht hat, erinnert der Verband an wichtige Etappen der Entwicklung. Große Erfolge seiner Arbeit sieht der NGW unter anderem in der Entwicklung einer tierschutzgerechten und effizienten Seuchenvorsorge, von freiwilligen Mindestanforderungen für die Junghennenaufzucht sowie die Haltung von Puten, Gänsen, Peking- und Moschusenten. Hinzu kommen die Hähnchen-Vereinbarung oder der Niedersächsische Tierschutzplan von 2010. Wie wegweisend hier in Niedersachsen gearbeitet wurde, zeigt die Tatsache, dass viele der Vereinbarungen Vorbild für andere Bundesländer bzw. für bundesweite Regelungen geworden sind. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz, Niedersächsische Geflügelwirtschaft

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