Christophe Hansen: Tierhaltung flächendeckend erhalten

21 Februar 2025
Politik
Christophe Hansen

Der neue EU-Agrarkommissar Christophe Hansen will die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einfacher und praxistauglich machen. Im Interview spricht er über seine Pläne hierzu, aber auch zur Tierhaltung oder dazu, wie er die junge Generation in der Landwirtschaft unterstützen will.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Vision zur GAP?

Das Ziel ist, die Land- und Ernährungswirtschaft nachhaltiger zu gestalten in dem Sinn, dass die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, Umwelt- und soziale Fragen gleichgewichtig berücksichtigt werden. Landwirte müssen Innovationen umsetzen können. Dafür brauchen sie von der Politik Planbarkeit bis 2040.

Dazu gehört, dass wird die Landwirtschaft für junge Leute wieder attraktiv machen. Aktuell sind weniger als zwölf Prozent der Landwirtinnen und Landwirte unter 40 Jahre. Das sind zu wenig. Wenn wir weiter flächendeckend produzieren möchten, müssen wir den Generationswechsel schaffen.

Was sind die Kernelemente Ihrer Vision bis 2040?

Die junge Generation für die Landwirtschaft zu gewinnen, ist zentral. Dazu müssen Landwirte mit ihrer Arbeit ein faires Einkommen erwirtschaften können. Und der ländliche Raum muss eine gute Lebensqualität bieten. Wir müssen die Landwirtschaft als strategischen Sektor begreifen, Europa muss seine Lebensmittelhoheit behalten.

Ganz klar ist auch, wir müssen den bürokratischen Aufwand für die Betriebe reduzieren. Ein weiteres Element ist ein fairer Außenhandel. Unsere Richtschnur muss sein, politischen Ziele durch Anreize mit den Landwirten gemeinsam zu erreichen.

Sie sprechen sich für gezieltere Direktzahlungen zur Einkommensstützung aus?

Die begrenzten Mittel der GAP müssen dort ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden. Kappung und Degression können dafür ein Instrument sein.

Sie bescheinigen der Landwirtschaft eine Investitionslücke von 62 Mrd. Euro in 2022. Wie soll diese geschlossen werden?

Diese Zahl beruht auf einer Einschätzung der Europäischen Investitionsbank (EIB). Es ist gerade für junge Landwirte sehr schwierig, von der Bank einen Kredit zu erhalten. Darüber müssen wir mit den Privatbanken sprechen und Abhilfe schaffen. Ich habe aber auch bereits gemeinsam mit der EIB ein 3-Mrd.-Paket über Kredite für Junglandwirte aufgelegt.

Wichtig für die Finanzierung von Investitionen ist meines Erachtens die Planungssicherheit für die Betriebe.

Eine der größten Sorgen der Landwirte ist die Bürokratie. Wie kann die GAP einfacher und praxisnäher werden?

Die letzte EU-Kommission hat 2024 bereits ein Vereinfachungspaket beschlossen. Da ist aber noch mehr drin. Ich denke zum Beispiel an Pauschalregelungen für kleinere Betriebe. Wir müssen auch schauen, ob Umweltzahlungen und die Kontrollen vereinfacht werden können.

Ich werde im zweiten Quartal ein weiteres Vereinfachungspaket vorlegen.

Und wann kommen Ihre Vorschläge für die nächste EU-Agrarreform?

Auf jeden Fall will ich die GAP-Reform vor den Europawahlen im Sommer 2028 abschließen. Mit der letzten Reform sind wir voll in den EU-Wahlkampf hineingeraten. Das war suboptimal.

Wir sollten nur ändern, was nicht gut funktioniert und alles andere beibehalten. Das wäre der richtige Ansatz, auch um den Betrieben die nötige Planungssicherheit zu geben.

Sie wollen die Landwirte in der Wertschöpfungskette stärken. Steigen dann nicht die Lebensmittelpreise?

Nein. Lebensmittel müssen für den Verbraucher erschwinglich bleiben. Was wir brauchen, ist mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette. Wir müssen wissen, wer verdient wo wie viel. Ziel ist, dass beim Landwirt ein höherer Anteil des Mehrwerts ankommt.

Welche Rolle wird die Nutztierhaltung in der künftigen EU-Agrarpolitik spielen?

Wir haben in der EU einen Trend zum Rückgang der Tierhaltung. Fakt ist aber auch, die Viehhaltung konzentriert sich teilweise stark auf begrenzte Regionen. Dort entstehen Probleme im Gewässer- und Emissionsschutz. Das müssen wir vor Ort in den Griff bekommen, auch mit Technologie.

Wichtig ist, dass wir die Nutztierhaltung flächendeckend erhalten für die Wertschöpfung im ländlichen Raum und die Biodiversität. Die Tierhaltung muss in der EU eine gute Perspektive haben.

Kommen wir zum Mercosur-Abkommen: Sie befürworten den Deal, haben sich aber für einen Ausgleich für die EU-Landwirte ausgesprochen?

Wir haben sehr rege Handelsbeziehungen zu den Mercosur-Ländern. Die EU importiert jährlich unter anderem große Mengen Soja aus Südamerika und 200.000 t Rindfleisch. Im Gegenzug liefern wir Wein, Spirituosen und Käse dorthin.

Wenn wir die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe stärken, hat unsere Landwirtschaft durch das Abkommen viel zu gewinnen. Wir brauchen verlässliche Partner im Außenhandel. Das unterstreicht die Entwicklung im Handel mit den USA unter Präsident Donald Trump und mit China aktuell sehr eindrucksvoll.

Landwirtschaft wieder für junge Menschen attraktiv zu machen, das liegt Ihnen besonders am Herzen. Was braucht es dafür?

Ich habe bereits in der ersten Woche meines Mandats in der Kommission einen Jugenddialog mit organisiert, um zu erfahren, was die Probleme der jungen Landwirte genau sind. Wie gesagt, möchte ich die Einkommensstützung noch gezielter auf Junglandwirte ausrichten. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen und Innovationen einzubringen.

Ich denke besonders an die Erzeugung erneuerbarer Energien und die Bioökonomie. Wichtig ist, dass wir die Lebensqualität im ländlichen Raum verbessern. Zudem müssen junge Landwirte besseren Zugang zu Fremdkapital und Boden erhalten.

Dies sind Auszüge aus einem Interview, dass Norbert Lehmann, agrarheute geführt hat. Lesen Sie das komplette Interview hier

Geflügelnews
Bild: Dieter Theyssen
Quelle: agrarheute / Norbert Lehmann

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