Im Sommer anders füttern

07 Juni 2022
Legehenne

Bei Hitze nehmen Hennen und Hähne weniger Futter auf. Das bedeutet für die Halter, auf das heißer werdende Klima zu achten, ganz gleich ob sie biologisch oder konventionell wirtschaften.

Der Klimawandel rückt das Thema Hitzestress bei Geflügel noch mehr in den Fokus. Bei Hitzestress picken die Tiere weniger Futter und die Masthähne verlieren bei den Tageszunahmen, die Hennen legen weniger Eier. Carmen Sanmartin, Fachtierärztin für Geflügel beim Tiergesundheitsdienst in Bayern, verdeutlichte beim Bioland-Geflügeltag diese Zusammenhänge, die nun in den Vordergrund drängen.

„Reagieren sie frühzeitig“, war ihr Rat. Wie die Geflügelhalter das tun können, dafür verwies sie auf die Internetseite www.dwd.de/DE/leistungen/enthalpie/enthalpie.html, auf welcher der Deutsche Wetterdienst von Mai bis September vor entsprechenden Tagen mit Hitzestress oder Enthalpie warnt.

Ab Enthalpiewerten in der Außenluft von 67 kJ/kg – der kritischen Obergrenze für Geflügel – und darüber, sollte man Maßnahmen einleiten, um hitzebedingte Verluste zu vermeiden, so Carmen Sanmartin. Einfluss auf das Klima im Stall und in der Umgebung könne man durch Sprühkühlung, Erhöhung der Luftgeschwindigkeit, Steigerung der Luftwechselrate, Zuluftbefeuchtung und Besprengung der Stallhülle mit Wasser nehmen. Zudem sollte man die regelmäßige Spülung der Tränkewasserleitungen, die Verlegung der Fütterungszeiten auf den Morgen oder Abend, eine Reduzierung des Lichts und regelmäßige Kontrollgänge einplanen. Den Mästern empfahl die Tierärztin, das Einstreuen auf den Morgen zu legen, Schlachtungen eventuell vorzuziehen, Transporte nachts durchzuführen und bei der Verladung Zusatzlüfter einzusetzen.

Das Sommerrezept hat mehr Vitamine und Fett

Was die Fütterung der Tiere anbelangt, riet Sanmartin zur Sommerrezeptur, denn verringerte Futteraufnahme bedeutet eine verringerte Verdaulichkeit von Aminosäuren, Kalzium, Natrium und Phosphor. Die Referentin warnte aber vor einer Erhöhung des Rohproteins. Vielmehr sollten ein höherer Fettanteil und Vitamine im Vordergrund stehen. Sinnvoll sei eine Ergänzung mit Vitamin C, dem Vitamin-Komplex ADE, Magnesium, ätherischen Ölen, Probiotikum und Elektrolyten über das Tränkwasser.

Tipps zur Fütterung allgemein und zur richtigen Zusammensetzung gab Thomas Müller von Schaumann Tierernährung. Grundvoraussetzung für eine zielgerichtete Fütterung sei die Kenntnis der Futteraufnahme im Stall. „Messeinrichtungen zur Bestimmung des tagesgenauen Futterverzehrs sind für jeden Stall notwendig, denn ohne Kenntnis der Verzehrshöhe kann die tägliche Nährstoffaufnahme nicht berechnet werden, ebensowenig eine Optimierung durch Anpassung der Nährstoffgehalte oder Maßnahmen zur Steigerung der Futteraufnahme durchgeführt werden“, erläuterte Müller.

Messen, was jedes Huhn tatsächlich frisst

Für gesunde Junghennen sei qualitativ hochwertiges Futter eine wichtige Voraussetzung. Sie sollten nach dem Einstallen mindestens ihr Körpergewicht halten oder im besten Fall an Gewicht zunehmen. Zusätzlich werde durch weniger Eiweiß und mehr Rohfaser in der Mischung die Futteraufnahme trainiert. Eine optimierte Nährstoffversorgung zu Legebeginn verhindere eine verringerte Legeleistung während der gesamten Legeperiode. Der Energiegehalt der Futtermischungen habe auch Einfluss auf die tägliche Futteraufnahme, die zwischen 110 und 120 g pro Tier liegen soll.

Mit hochwertigen Mischungen auf der Basis von Getreide, Sojaschrot, kohlensaurem Futterkalk, Sojaöl und Mineralfutter gefütterte Legehennen produzieren stabile Eier mit einheitlicher Dotterfärbung, die den Verbraucherwünschen Rechnung tragen. Der Einfluss auf die Eigewichte liege im Gehalt an Linolsäure, Methionin und Energie. Zur Sicherung einer hohen Schalenstabilität sei ein funktionierender Calciumstoffwechsel notwendig. Hohe Anteile an grobem Kalk, eine homogene Futterstruktur und das Bereitstellen zusätzlicher Calciumquellen hätten dabei positive Effekte.

Eine bedarfsgerechte Fütterung sei natürlich auch die Grundlage für eine erfolgreiche Hähnchenmast. Zur gezielten Einflussnahme auf die Entwicklung der Hähnchen empfahl Müller die Einteilung in drei Phasen: Phase I (1. Bis 2. Lebenswoche), Phase II (3. bis 4. Lebenswoche) und Phase III (ab der 5. Lebenswoche). Dabei sollte die Proteinkonzentration des Hähnchenfutters im Laufe der Mast verringert werden, die Energiekonzentration aber ansteigen.

Wichtig für einen qualitativ hochwertigen Schlachtkörper sei das Verhältnis der Aminosäuren zur Energie. Limitierende Aminosäuren müssten daher dem Futter ausreichend zugesetzt werden.

 

Lorenz Märtl, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
Bild: Geflügelnews

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