Was zu viel Hitze bewirkt

25 April 2022
Masthuhn

Lange dauert es nicht mehr, bis der Sommer da ist und mit ihm die heißen Temperaturen. Wer dem drohenden Hitzestress bei Geflügel vorbeugen will, tut deshalb gut daran, sich über die Kühlung seiner Geflügelställe Gedanken zu machen. Aus diesem Grund veranstaltete das niederländische Geflügelportal Pluimveeweb.nl in Zusammenarbeit mit den Fimen Komptech Sambeek BV und Veko Ventilatie kürzlich ein spannendes Webinar mit dem Titel „Get more out“, bei dem aus um die optimale Kombination von Kühlung und Belüftung der Geflügelställe in den Sommermonaten ging. Teilnehmer erhielten wichtige technische Informationen über verschiedene Kühlsystemen und sie lernten, wie sie auch die Belüftung optimieren werden, um den Stall im Sommer kühl und frisch zu halten. Auch Landwirte berichteten über ihre Erfahrungen.

Dass die Aufmerksamkeit für die Kühlung und Belüftung der Geflügelställe in den Sommermonaten zugenommen hat, kommt nicht von ungefähr. In den letzten heißen Jahren bekamen immer mehr Geflügelhalter die schwerwiegenden Folgen der Hitze zu spüren – bei ihren Masthähnchen genauso wie bei den Jung- und Legehennen oder den Elterntieren. Und immer mehr Landwirte ergreifen vorbeugende Maßnahmen gegen drohenden Hitzestress. Bei Masthühnerhaltern war dies ja ohnehin bereits gängige Praxis, aber auch Legehennenhalter sehen heute die Vorteile der Kühlung deutlicher. 

Hitzestress mindert die Rendite des Geflügelbetriebs 

William de Koning, Lüftungsspezialist und Co-Direktor von Veko Ventilatie BV, eines niederländischen Anbieters Lüftungs- und Kühlsystemen im Agrarsektor, hat im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit schon auf vielen Geflügelbetrieben hohe Tierverluste aufgrund von Hitzestress verzeichnen müssen. Dabei sei der reine „Stress“ nicht der alleinige Grund für die Ausfälle. 

De Koning: „Wir sehen Ausfälle durch Stress und Strapazen, aber die Hitze zieht einen ganzen Rattenschwanz an Folgen nach sich: 

  • Hitze vermindert die Abwehrkräfte der Tiere. Das bietet beispielsweise Coli-Bakterien eine bessere Angriffsfläche. Die Folge sind erhöhte Verluste während des gesamten Durchgangs.
  • Bei Masthühnern bewirkt die Hitze in erster Linie Herz-Kreislauf-Probleme. Dies trifft vor allem auf die letzten Tage der Mast zu.
  • Wenn Legehennen und Elterntiere einmal wirklichen Hitzestress erlebt haben, werden sie nie wieder optimal produzieren (schlechte Legeleistung). Und wenn sie während der Hitzephase voll im Gefieder stehen und viel Wärme mit sich tragen, die sie abführen müssen, kann es schnell zum Kreislaufversagen kommen und zu Schäden an der ganzen Herde kommen.
  • Vor allem bei Legehennen und Muttertieren. Wenn diese wirklich Hitzestress erlebt haben, werden sie nie wieder optimal produzieren. 
  • Die schlechtere Tiergesundheit wiederum steigert die Kosten für die Erhaltung der Tiergesundheit. Das betrifft nicht allein die Hitzeperioden. Die Probleme können manchmal bis nach dem Winter andauern. 
  • Eine schlechtere Tiergesundheit und höhere Kosten für die Tiergesundheit mindern die Rendite deutlich. Der wirtschaftliche Schaden kann beträchtlich sein.“ 

Signifikante Unterschiede bei den Befruchtungsraten durch Kühlung

Auch Mathieu Duvekot von Komptech Sambeek BV sieht bei den Legehennen und den Elterntieren deutliche Schäden durch Hitzestress. Komptech Sambeek BV ist auf die Pad- und Nebelkühlsysteme der deutschen Marke Lubing spezialisiert und vertreibt darüber hinaus ein mobiles Kühlsystem. „Wir haben in Legehennenbetrieben und Mastelterntierbetrieben sowohl mobile Kühlboxen als auch Mattenkühlungen installiert. Mit beiden Systemen sehen wir signifikante Unterschiede bei den Befruchtungsraten und in der Schlupffähigkeit der Küken.“ Auch zu einem späteren Zeitpunkt seien Unterschiede feststellbar; es habe sich herausgestellt, dass Schäden durch Hitzestress einfach nicht mehr aufgeholt werden können.

Legehennenbetriebe mit Informationslücke

Vor allem bei den Legehennenhaltern findet Mathieu Duvekot in Bezug auf die Kühlung der Ställe immer wieder Informationslücken, auch wenn er zugibt, dass die Kühlung von Legehennenställen deutlich schwieriger ist als diejenige von Masthühneranlagen. William de Koning: „Bei Legehennen ist das Kühl- und Belüftungssystem komplizierter, weil große Volieren und Hindernisse vorhanden sind. Wir müssen dann Wege finden, den Luftstrom und die Luftgeschwindigkeit zu steuern, um eine gute Windkühlung zu erreichen.“ Das sei eine große Herausforderung, auch weil die Ställe über immer mehr Außenklimabereiche verfügten. Bei Masthühnern gebe es dagegen kaum Hindernisse, hier stelle das schnelle Wachstum mit der großen Wärmeentwicklung erhöhte Anforderungen an die Steuerung der Kühlung und Belüftung. 

Kühlung und Belüftung optimal kombinieren

Sowohl Duvekot als auch De Koning sehen, dass die Kühlung nur dann optimal funktioniert, wenn auch das Belüftungssystem optimal auf die Stallsituation abgestimmt ist. Die richtige Kombination sei gefragt und das erfordere stets eine individuelle Anpassung. Mathieu: „Kühlung ist eigentlich Teil der Lüftung, das können unsere beiden Unternehmen gut zusammenbringen. Für ein gut funktionierendes Kühlsystem ist jedoch viel Berechnungsarbeit erforderlich. Es ist nicht nur eine Pumpe und ein Rohr. Es ist Anpassung. Da steckt ein Gedanke dahinter.“ William de Koning fügt hinzu: „Außerdem funktioniert Kühlung nicht ohne Belüftung. Die Frage ist also, wie wir die Kühlung in Kombination mit der Belüftung optimal gestalten können.“

 

Reinout Burgers
Bild: Geflügelnews

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