TA Luft Hähnchenmast: Nichts Genaues weiß man

12 Dezember 2023
Deutschland
TA Luft Hähnchenstall

Die TA Luft gilt bei Masthähnchen für Ställe ab 30.000 Plätzen. Ab 40.000 Plätzen besteht bis Dezember 2026 Nachrüstpflicht für eine Abluftreinigung. Hiervon gibt es durchaus Ausnahmen. Aber vieles ist noch unklar. Berater rechnen damit, dass man ab dem kommenden Sommer mehr weiß.

In Geflügelland Niedersachsen sind die Landkreise aktuell dabei, bei Tierhaltern mit BImSch-Anlagen abzufragen, wie ihre Ställe bezüglich der TA Luft aufgestellt sind. Mithilfe der TA Luft soll etwas für den Klimaschutz getan werden, indem Emissionen aus Ställen reduziert werden. Das fordert die EU.

Damoklesschwert Abluftreinigung

Über großen BImSch-Anlagen hängt seit Inkrafttreten der neuen TA Luft 2021 das Damoklesschwert, eine Abluftreinigung nachrüsten zu müssen. Das gilt in der Hähnchenmast ab 40.000 Plätzen. Gefordert sind 70 Prozent weniger Ammoniak und Staub. Die Nachrüstung einer Abluftreinigung ist teuer. In der TA Luft sind Ausnahmen von der Nachrüstpflicht aufgeführt, hier gibt es aber noch viele Unklarheiten.

Thorsten Greskamp von der Norddeutschen Bauernsiedlung GmbH (NBS), Meppen, sieht es kritisch, dass Begrifflichkeiten nicht genau definiert sind und die Landkreise deshalb nicht einheitlich vorgehen (können). Laut TA Luft brauchen Betriebe ab 40.000 Masthähnchenplätzen keine Abluftreinigung einbauen, wenn dies technisch nicht möglich oder unverhältnismäßig ist. Eine aktuelle Lesart ist, dass die Nachrüstung als unverhältnismäßig gilt, wenn sie mehr kostet als 20 Prozent der ursprünglichen Stallbaukosten. Ob alle Landkreise diese Lesart teilen, ist jedoch unklar.

Große BImSch-Anlagen müssen bei Verzicht auf eine Abluftreinigung mindestens 40 Prozent der Ammoniakemissionen auf anderem Wege mindern. „Tierwohl“-Masthähnchenställe müssten nur 33 Prozent mindern.

Definition für „Tierwohlstall“ fehlt

„Hier ist auch wieder das Problem, dass ein „Tierwohl“-Stall bei Geflügel nicht definiert ist“, sagt Thorsten Greskamp. Er sieht ganz klar das Bundeslandwirtschaftsministerium gefordert, diese Definition zu liefern. Der Niedersächsische Geflügelwirtschaft Landesverband, NGW, geht derzeit davon aus, dass Freiland- und Biohaltungen als „Tierwohl“- Ställe gelten werden.

Wenn auf eine Abluftreinigung verzichtet werden darf, ist die nächste Frage, wie die dann alternativ geforderten 40 Prozent Minderung hinzubekommen sind. Bei Schweinen und auch bei Legehennen gibt es einige Optionen wie Kot-Harn-Trennung, Gülleansäuerung oder Kotbandbelüftung. Bei Hähnchen fehlen solche Optionen in der TA Luft. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze, die diskutiert werden, die in der technischen Entwicklung sind oder zu denen geforscht wird. Zu diesen Optionen gehören:

  • Noch stärker nährstoffreduziert füttern
  • Einsatz von Futterzusätzen
  • Einsatz von Einstreuzusätzen
  • Tierzahlreduzierung über Teilnahme Tierwohlprogramm
  • Tierzahlreduzierung über Stilllegung alter Ställe
  • Einsatz von Wärmetauschern
  • Luftbefeuchtung Zuluft

Nach Information von Thorsten Greskamp ist bei diesen Optionen derzeit noch nicht klar, wie sie im Einzelnen beurteilt werden, ob sie anerkannt werden als Minderungsmaßnahme und wenn ja, welche Nachweise für eine Minderung zu erbringen sind: „Wir müssen abwarten, was sich da tut in den kommenden Monaten.“

Wirtschaft sucht nach Lösungen

Seiner Kenntnis nach befassen sich Unternehmen der Branche nicht nur mit dem Thema Abluftreinigung, sondern eben auch mit alternativen Ansätzen zur Emissionsminderung. Denn hier sind Investitionen von Tierhaltern zu erwarten. Und auch die Forschung ist wie erwähnt nicht untätig. Die Tierärztliche Hochschule Hannover erforscht etwa die Minderung von Ammoniak in der Stallluft mittels Wasserstoffperoxid und einer Ionisierung.

Der NBS-Berater geht davon aus, dass die Landkreise bis zum Sommer nächsten Jahres wieder Post an die Hähnchenmäster mit mehr als 40.000 Plätzen verschicken werden. Darin wird dann stehen, ob eine Abluftreinigung einzubauen ist bzw. dass alternative Minderungsmaßnahmen anzuwenden sind.

Mit Landkreisen zusammenarbeiten

„Das werden zum Teil noch lange Verfahren werden, ich rechne auch damit, dass es Klagen geben wird“, schätzt er. Er rät allen Tierhaltern, kooperativ mit den Landkreisen zusammenzuarbeiten. Die Forderung der EU nach Reduzierung der Treibhausgase werde bleiben, daran führe kein Weg vorbei. Ob es dann aber immer die Abluftreinigung sein muss oder ob es künftig auch preisgünstigere Verfahren geben wird, mit denen die geforderten Minderungen erreicht werden können, bleibe abwarten. „Es wird laut jetzigem Stand alles auf Einzelfallentscheidungen hinauslaufen“, so seine Meinung. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Adobe_Stock_Countrypixel

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