Lubing: „Vier Millionen Hennenplätze an einem Standort“

09 Juli 2024
Agribusiness
Lubing van der Assen

Lubing-Geschäftsführer Markus von der Assen


Die Firma Lubing mit Sitz im niedersächsischen Barnstorf ist rund um den Globus in der Geflügelbranche unterwegs. Sie ist Marktführer bei Tränkesystemen und Eierförderanlagen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Markus von der Assen, wie er die Märkte im In- und Ausland sieht.   

 

Herr von der Assen, einen großen Teil seines Umsatzes generiert Lubing aus dem Geflügelbereich. Wie wichtig ist Deutschland hierbei für Sie?

Wie liefern nicht direkt an die Landwirtschaft, sondern an Stallausrüster oder Händler. Von dieser Seite bekommen wir den Markt gespiegelt. In unserem Ursprungsmarkt Deutschland, in dem wir vor 75 Jahren gestartet sind, generieren wir nur noch einen sehr kleinen Teil unseres Umsatzes. In Deutschland herrscht ein vergleichsweise schwaches Investitionsklima für die Tierhaltung.

Was sind Ihrer Einschätzung nach die Hauptgründe hierfür?

Die Politik bei uns ist nicht landwirtschaftsfreundlich, das wirkt sich naturgemäß auf die Wirtschaft in diesem Bereich aus. Die Gesetzgebung bremst Neu- und Umbauten, zum Beispiel für mehr Tierwohl. Infolgedessen werden hier kaum noch neue Ställe gebaut. Bei Geflügel ist die Lage sicher nicht so dramatisch wie im Schweinebereich, aber ein Wachstum findet nur noch vereinzelt statt.

Oder nehmen Sie die geplante neue Putenhaltungsverordnung. Obwohl wir in Deutschland Puten schon – freiwillig – mit geringeren Besatzdichten halten als anderswo in der EU, sollen sie noch weiter reduziert werden. Solche deutschen Alleingänge vertreiben die Produktion aus Deutschland.    

Dabei sind die Marktaussichten sowohl bei Geflügelfleisch als auch bei Eiern sehr gut. Wir haben hier innovative Haltungssysteme, wir sind technisch weltweit führend. Aber die Möglichkeiten, das alles zu nutzen, sind eher gering.

Wie sieht die Geflügelbranche in den anderen Regionen der Welt aus, in denen Sie aktiv sind?

Die Geflügelproduktion wächst weltweit immer noch. Es wird heute schon mehr Geflügelfleisch erzeugt als Schweinefleisch. Geflügelfleisch wird von Angehörigen quasi aller Religionen gegessen, anders als Schweinefleisch.

In den USA, in Südamerika oder auch im Nahen Osten, in China, Indien oder Russland sind Mega-Anlagen entstanden und entstehen noch. Auch wenn es in etwa Asien noch häufig Hinterhofhaltungen zur Selbstversorgung gibt – sie werden mengenmäßig immer unbedeutender.

In vielen Ländern stehen die Themen Ernährungssicherung und Selbstversorgung an erster Stelle.

Unser größter Auftrag im vergangenen Jahr war beispielsweise die Lieferung von Tränken- und Fördersystemen für ein Stallbauprojekt im Nahen Osten. Dort sind 1.000 Geflügelställe gebaut worden – Mast- und Legehennenställe. Parallel dazu ist die ganze Produktionskette von der Brüterei über die Futterherstellung bis hin zur Schlachtung und Verarbeitung neu geschaffen worden.

In Indien hat einer der größten Eierproduzenten des Landes, ein Privatmann, Ställe für 4 Mio. Legehennen gebaut. Neben kapitalkräftigen Privatinvestoren werden die für unsere Verhältnisse außergewöhnlich großen Anlagen sehr oft auch von Investment-Gesellschaften gebaut. Die Lebensmittelproduktion ist ein lohnendes Geschäft.  

Wie ist der technische Standard bei diesen Ställen?

Vom technischen Standard her sind diese Ställe mit hiesigen vergleichbar. Die Eigner oder obersten Manager sind sehr gut ausgebildet und informieren sich weltweit, auch in Deutschland, über Stallbau.

Wichtige Themen dabei sind sowohl die Automatisierung als auch die Digitalisierung und Vernetzung. Das Management will von überall her Zugriff auf die Systeme haben, um sie überwachen und kontrollieren zu können. Gefragt sind dabei standardisierte Ställe, die alle gleich gefahren werden können.

Automatisierung spielt gerade bei den immensen Tierzahlen zunehmend eine Rolle. Zum Einen mangelt es auch in den Schwellenländern zum Teil an Arbeitskräften. Zum Anderen arbeiten automatisierte Anlagen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Eine Stallanlage in Ostasien mit 1 Mio. Legehennen benötigte 1.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nur für das Eiersammeln. Dort haben wir Eiersammelbänder eingebaut. Höchste Qualität und Produktionssicherheit sind dabei ein Muss. Man kann keine 1 Mio. Eier am Tag per Hand einsammeln, wenn die Technik ausfällt oder 1 Mio. Tiere von Hand mit Wasser versorgen.

"Deutsche Spitzentechnologie ist auch in Schwellenländern gefragt."

Produktionssicherheit spielt demnach eine große Rolle in den Riesenanlagen?

Ja, auf jeden Fall. Gerade für Länder wie China und Indien geht es natürlich auch darum, die Bevölkerung zu ernähren, Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Im Sinne von Produktionssicherheit ist Tiergesundheit ein zentraler Faktor. In den USA hat man es jetzt erlebt, was es heißt, Riesenställe wegen eines Eintrags von Geflügelpest-Viren keulen zu müssen.  

Auch wegen der höheren Biosicherheit gibt es heute eine Tendenz hin zu geschlossenen Ställen mit geregelter Klimaführung etc., auch wenn es klimatisch nicht nötig wäre. Geschlossene Ställe lassen sich besser abschirmen und regeln als offene Ställe.

Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für Ihr Unternehmen?

Wie gesagt, ist Deutschland für uns nur noch ein sehr kleiner Absatzmarkt. Aber nach Automatisierung, Digitalisierung, Verknüpfung von Daten oder auch dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst weltweit die Nachfrage. Wir haben vor ein paar Jahren ein unternehmenseigenes Research Center aufgebaut. Dort treiben wir diese Themen voran.

Wir wollen unser Wissen kontinuierlich auf dem neuesten Stand halten und so sind wir als Unternehmen, unter anderem, aktiv im Studiengang Angewandte Geflügelwissenschaften der Hochschule Osnabrück. Hier gibt es einen informativen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, von dem wir als Unternehmen profitieren.

Gibt es Neues speziell für den deutschen Markt?

Die genannten Technologie-Entwicklungen sind auch für hiesige Betriebe interessant. So könnte zukünftig eine Abluftreinigungsanlage für Geflügelställe, analog zu unserer bereits DLG zertifizierten Lösung für Schweineställe, lukrativ sein. Das Problem bei Geflügelställen sind bekanntlich die hohen Luftraten. Eine Möglichkeit wäre hier, nur einen Teil der Abluft zu filtern.

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Lubing, AdobeStock_hiv360

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