Die Eischale

13 Juli 2022
Legehenne
Wissenspartner

Die Eischale ist eine einzigartige Einrichtung der Natur. Sie gewährt dem Küken eine geschützte Umgebung. Sie ist stark genug, das Gewicht der Glucke zu tragen, ihr Aufbau erlaubt dem Küken, Kalzium für die Knochenbildung daraus zu absorbieren und sie zum Schlupf zu durchbrechen. Sie schützt den Ei-Inhalt vor Bakterien, ermöglicht aber einen Gasaustausch zwischen dem Inneren des Eies und der Außenwelt. 

Die Eischale ist ein bisschen wie ein Iglu. Ein Iglu ist außen hart und kalt und die Kuppelform verleiht ihm Festigkeit. Trotzdem kann er leicht von innen aufgebrochen werden, höhere Temperaturen machen ihn dort auch weicher. Doch sind es nicht die Temperaturunterschiede, die die Eigenschaften der Eischale innen und außen variieren, sondern die Strukturunterschiede. Wenn der Inhalt des Eies entfernt ist und die Schale nicht mehr als Verpackung benötigt wird, kann man sie als Rohmaterial für andere Zwecke weiterverwenden, z. B. für hochwertige Kosmetika, Osteoporosemittel, Kalkdünger oder Futter (Picksteine).

Schichten

Die Schalenbildung beginnt mit der Spannung der Schalenmembranen. Kleine, verkalkte Punkte entstehen und verankern sich auf der äußeren Schalenmembran. Diese Punkte sind die Kristallisationskeime für weitere Kalkschichten. Kalzium lagert sich strahlenförmig um diese Stellen herum an und wächst nach außen und oben fort, bis sich mehrere Ausgangspunkte treffen und zusammenwachsen. Die Gasporen entstehen da, wo Keimbildungsstellen nicht zusammenwachsen. Die Kalziumsalze lagern sich auf einer organischen Struktur an, die beinahe ausschließlich aus Proteinen besteht. Dieses Gefüge festigt die sich formende Schale, es wirkt wie eine Art Verstärkung oder Klebemittel. Das Anfangsstadium der Schalenbildung führt zu regelmäßigen, knubbeligen Punkten (Mammillarkörperchen) auf der Außenseite der Schalenmembran. Die Punkte und Poren dazwischen bilden eine geschlossene Schicht (die Mammillarschicht). Die Mammillen sind fest in der Schalenmembran verankert. Die nächste Stufe der Schalenbildung macht den Großteil der Schalendicke aus. In dieser Phase formt sich die Schale schneller durch die simultane Ablagerung von mineralischen und organischen Matrixkomponenten der Schale. Die daraus entstehende Palisadenschicht ist schwammig und macht etwa 60 % der Schalendicke aus. Zuletzt entsteht eine dünne, äußere, phosphorreiche, vertikale Kristallschicht, auf die die Oberhaut (Kutikula) folgt.

Um eine schön gleichmäßige Schale zu erhalten, rotiert das Ei kontinuierlich im Uterus. In der Zwischenzeit beginnen Kalziumsalze, an spezifischen Stellen Kristalle auf der äußeren Schalenmembran zu bilden. Größe und Orientierung dieser Kristalle wird von den Proteinen der Flüssigkeit, in der das Ei schwimmt, beeinflusst. Diese Proteine werden von Zellen abgesondert, die den Uterus auskleiden.

Die Schalenmembranen bestimmen die Schalenstruktur

Die Schalenmembranen sind zwei den Ei-Inhalt umgebende, pergamentpapierartige Schichten. Die innere Schalenmembran umhüllt das Eiklar und ist im direkten Kontakt mit dem äußeren dünnflüssigen Eiklar. Die innere Schicht der inneren Schalenmembran ist anfangs sehr leicht mit dem Eiklar verankert. In älteren Eiern ist die innere Schicht häufig dicker und schwächer an das Eiklar angeheftet. Die Fasern auf jeder Membran sind so miteinander verbunden, dass man sie nur am stumpfen Pol auseinanderhalten kann, wo sie durch die Luftkammer separiert sind. Die Schalenmembranen haben eine feste Struktur und enthalten Keratin. Wenn sie defekt sind, hat auch die Eischale eine schwache Struktur.

Die Fasern der äußeren Schalenmembran sind kaum von der Eischale zu trennen, denn sie sind fest damit verbunden. Darum kann man manchmal die ganze Schale in einem Stück abpellen.

Eischalenbildung ist Nachtarbeit

Die Schale auf der Membran zu bilden, dauert etwa zwanzig Stunden, was es zum längsten Teil der Eibildung macht (von der Dotterbildung abgesehen). Die Kalzifizierung verläuft während der ersten 5 Stunden langsam, dann 10 Stunden schnell, gefolgt von weiteren 5 Stunden bei langsamerem Tempo. Hennen legen meist am Morgen und das macht das Ende des vorangegangenen Tages und die Nacht zur Hauptzeit der Schalenbildung. Stellen Sie sicher, dass die Hennen genug Kalzium zur Unterstützung der Schalenbildung haben, speziell am Ende des Tages, und sorgen Sie für ausreichend Ruhe, um den Prozess nicht zu stören.

Viel Kalzium führt zu stabilen Eiern

Eier mit stabilen Schalen zu erzeugen, erfordert eine Menge Kalzium. Die Henne kann es entweder aus dem Futter oder ihren Knochen gewinnen (vor allem den medullären Knochen) und wird beide Wege nutzen, um ein stabiles Ei zu bilden. Es ist sehr wichtig, genug Kalzium in der Ration bereitzustellen, damit die Hennen so wenig wie möglich aus ihren Knochen resorbieren, was die weniger energieaufwändige Methode der Kalziumversorgung ist. Normalerweise stammen 30 % des zur Schalenbildung benötigten Kalziums aus den Knochen und der Rest aus dem Futter im Darmtrakt. Nach dem Legen werden die medullären Knochen wiederhergestellt, bereit für das nächste Ei. Sie sind wie eine Art Puffer. Aber die Regeneration ist nicht zu 100 % machbar und über die Zeit wird das Kalzium auch aus anderen Knochentypen herausgezogen, was zu Osteoporose führen kann, speziell wenn die Henne nicht die Möglichkeit hat, sich zu bewegen.

Ist die Kalziumzufuhr ausreichend?

Die Hennen müssen die Möglichkeit bekommen, Kalziumpartikel so auszuwählen, dass sie die benötigte Menge aufnehmen können. Die Partikelgröße ist sehr wichtig: Sie muss für eine optimale Absorption mindestens 2 mm betragen. Lassen Sie die Hennen einmal am Tag den Trog leerfressen. Das sollte am späten Morgen oder frühen Nachmittag passieren und nicht am Abend, damit die Tiere genügend Kalzium für die Eischalenproduktion im Körper zur Verfügung haben.

Möglichkeiten der Kalziumversorgung

Austernschalen sind eine gute Kalziumquelle. Man kann sie auf verschiedene Arten anbieten:

  1. in der Standardfuttermischung
  2. über das Futter gestreut wie ein Topping (Zugabe im Einfülltrichter)
  3. Verteilung größerer Schalenstücke im Stall

Prüfen Sie zum Tagesende, ob schwarze Punkte im Futter zu sehen sind. Dann ist die Kalziumzufuhr ausreichend. Sollten keine schwarzen Partikel da sein, haben die Tiere alles Kalzium aufgenommen und es besteht eventuell ein Defizit. Es sollte immer etwas übrig sein. Wiederholen Sie diese Kontrolle am Morgen.

Kalziumentnahme aus den Knochen kann zu Brüchen führen

Das als „Käfigmüdigkeit“ bekannte Phänomen kann auftreten, wenn die Hennen zur Schalenbildung zu viel Kalzium aus den Knochen entnehmen. Bis zu 10 % des Körpergewichts der Henne kann diese Kalziumentnahme ausmachen, was die Knochen zu spröde macht. Wahrscheinlich war zu wenig Kalzium im Futter.

Jedes Ei verbraucht 2,2 bis 2,3 g Kalzium. Die Henne muss täglich zweimal so viel fressen, da sie nur rund 60 % des Kalziums aus der Ration absorbieren kann. Stellen Sie sicher, dass die Tiere genug Kalzium, in Kombination mit Phosphor, aufnehmen, und sorgen Sie für eine gute Blutversorgung der Knochen durch Bewegung.

Kalziumzufuhr und verfettete Hennen

Ist im Futter zu wenig Kalzium (< 4 % bei älteren Hennen ab Woche 55), kompensieren die Hennen den Mangel durch vermehrte Futteraufnahme. Der übermäßige Verzehr führt zur Bildung von Fettgewebe und Eiern mit großem Dotter. Das Fettgewebe bildet sich auch um das Reproduktionssystem und vermindert die Eiproduktion. Das ist definitiv nicht zielführend! Stellen Sie sicher, dass mindestens 4 % Kalzium in der Ration sind, besonders wenn es kein Kalzium aus Austernschalen gibt.

Im Volierensystem bewegen sich die Hennen viel, was vorteilhaft für die Blutzirkulation im Knochengewebe ist. Das sorgt für gute Knochengesundheit und schützt vor Osteoporose und auch vor weichen Eischalen.

Machen Sie eine Zeitreise

Schalendeformationen können auf ein Ereignis in den 24 Stunden der Eibildung zurückzuführen sein. Der Grund könnte ein Fütterungsproblem, Stress oder eine Erkrankung sein. Treten viele deformierte Eier auf, versuchen Sie, die Ursache schnell zu finden. Und sprechen Sie mit Ihrem Futterlieferanten.

Roodbont Publishers
Bild: Roodbont Publishers
Quelle: Roodbont Publishers

Über Roodbont Publishers

Mit über 25 Jahren Erfahrung unterstützt der Verlag Roodbont Publishers die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe. Sein Ziel ist es, zu nachhaltigen Praktiken beizutragen, indem praktisch anwendbares Wissen für Landwirte und die Zulieferindustrie geschaffen und weitergegeben wird. Roodbont Publishers ist weltweit für sein Signals©-Wissenskonzept bekannt, das darauf abzielt, die täglichen Arbeitsabläufe auf dem landwirtschaftlichen Betrieb zu optimieren.

Schwerpunkt

  • Experten für die Schaffung und Vermittlung praktischer Kenntnisse
  • Bewährtes Signals©-Konzept
  • Optimierung der täglichen Arbeitsabläufe im landwirtschaftlichen Betrieb

Hühnersignale-Reihe

Die Hühnersignale-Reihe bietet praktische Inhalte für ein geflügelorientiertes Management. Hühnersignale basiert auf dem Sehen-Denken-Handeln-Ansatz. Dieser Ansatz fordert den Benutzer heraus, die Signale der Vögel zu verstehen, auf sie zu reagieren und eine maximale Qualitätsproduktion zu gewährleisten. Das Signals©-Konzept ist sehr visuell ausgerichtet und basiert auf drei grundlegenden Fragen:

  • Was sehe (höre, fühle, rieche, schmecke) ich? Was ist das Signal? (SEHEN)
  • Wie ist das passiert? Was ist die Erklärung dafür? (DENKEN)
  • Was soll ich tun? Ist es in Ordnung oder sollte ich etwas unternehmen? (HANDELN)

Die Reihe besteht aus praktischen Leitfäden, E-Learning, Postern, Schulungen und Lehrmaterialien.

Roodbont Publishers B.V.

Waterstraat 5
7201 HM, Zutphen
Die Niederlande

+31 (0)575 54 56 88
info@roodbont.nl

www.roodbont.nl