Weniger Erkrankungen in der ökologischen Hühnermast: Projekt ProBioHuhn

26 März 2024
Zweinutzungshuhn
Hähnchen

Auf dem ÖTZ Online-Fachforum für Zweinutzungshühner 2024 stellte Luisa Matoni von der Universität Kassel das Projekt ProBioHuhn vor, in dem neue Strategien zur Reduktion von Erkrankungen in der ökologischen Hühnermast entwickelt werden sollen. Im Projekt werden verschiedene Masttypen auf ökologischen Praxisbetrieben berücksichtigt: langsamer wachsende Masthybriden, Zweinutzungshähne und Legehybridhähne. Die Projektlaufzeit wurde vom 01.10.2022 bis 28.02.2026 festgelegt, die Betriebsbesuche finden seit Februar 2023 bis etwa November 2024 statt.

Arbeitspakete des Projekts ProBioHuhn

Die Universität Kassel arbeitet mit der Thüringer Tierseuchenkasse an Arbeitspaket 2 „Tierwohl”, welches das Tierwohl untersucht und Mastleistung, tierbezogene Indikatoren, Erkrankungen, Therapiehäufigkeit, Mortalitäten, Parasiten sowie Schlachthofbefunde dokumentiert. Für das Arbeitspaket 3 „Mikrobiom” ist die Universität Hohenheim zuständig, die die Alpha- und Beta-Diversitat des Darmmikrobioms analysiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beleuchtet im Arbeitspaket 4 „Resistenzen” Resistente E. coli und Campylobacter spp. in Tieren und Haltungsumgebung. Im Arbeitspaket 5 „Synthese und Transfer” werden die Ergebnisse zusammengeführt, analysiert und aufbereitet. Vorschläge werden darauf aufbauend verarbeitet und verbreitet.

Betriebsbesuche und Interviews

Die beteiligten 13 Praxisbetriebe führen je vier Mastdurchgänge durch; jeder Durchgang wird von jeweils fünf Betriebsbesuchen begleitet. Der Fokus liegt auf den häufig eingesetzten Genotypen Hubbard JA-757 und CY 57 als langsamwachsende Masthybriden, ÖTZ Coffee und Cream als Zweinutzungshähne sowie Lohmann Brown-Plus und Sandy als Legehybridhähne. Bei jedem teilnehmenden Betrieb werden zwei Interviews mit den Tierhaltenden geführt, um mehr über Einstellungen, Überzeugungen und Motivation hinsichtlich Prävention, Behandlung und Kontrolle von Erkrankungen zu erfahren. Im Anschluss finden Fokusgruppen und Abschlussworkshops statt.

Datenerhebung auf Betrieben

Die Erfassung von Tierwohlindikatoren und Gewicht erfolgt in Einzeltierbonituren von je 50 Tieren. Durch Kloakentupfer wird das Darmmikrobiom untersucht, um Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen den Genetiken zu ermitteln. Diese werden auch in Hinblick auf antibiotikaresistente Erreger analysiert. Zusätzlich erfolgen Verhaltenstests, Futterproben, Sammelkotproben sowie Sockentupfer.
Das eingesetzte Boniturschema basiert auf dem MTool-Schema für Jung- und Legehennen, bei dem einzelne Indikatoren, wie Verletzungen, Kopfanhänge und Verschmutzung, zur Berücksichtigung anatomischer und ethologischer Unterschiede modifiziert wurden. Des Weiteren wurden zusätzliche Tierwohlindikatoren, wie Fersenhöckerveränderungen, Brusthautveränderungen und Lahmheit, ergänzt.

Beispiel erster Ergebnisse

Um zu demonstrieren, wie stark der genetische Einfluss auf Tierwohlindikatoren sein kann, präsentierte Luisa Matoni eine Auswertung, die die Unterschiede zwischen Masttypen hinsichtlich den Verletzungen an den Kopfanhängen zeigt. So hatten bei den langsam wachsenden Masthybriden nur 10 % der Hähne leichte Verletzungen, 90 % gar keine. Bei den Legehybridhähnen hatten nur 5 % keine Verletzungen, 30 % leichte und 65 % schwere. Die Zweinutzungshähne wiesen zu 95 % schwere Verletzungen auf – die restlichen 5 % hatten leichte.

Ausblick

Das Projekt ProBioHuhn soll die Kenntnisse zu Erkrankungs- und Therapiehäufigkeiten sowie zur Antibiotika-Resistenzlage in ökologischen Mastgefügelbeständen erweitern. Außerdem sollen Zusammenhänge zwischen Masttypen und Darmmikrobiom sowie zwischen Erkrankungsraten und Antibiotika-Resistenzen untersucht werden. Aus den Erkenntnissen sollen innovative Strategien zur Reduktion von Erkrankungen auf ökologischen Masthühnerbetrieben abgeleitet werden.,

Magdalena Esterer
Bild: Cordula Möbius

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