Vogelgrippe: „Noch zu wenige Daten verfügbar“

09 Oktober 2023
Krankheiten
Vogelgrippe FLI Zugvögel

Nach Auffassung des Friedrich-Loeffler-Instituts, FLI, gibt es noch zu wenig Daten, um die weitere Entwicklung der Vogelgrippe einschätzen zu können.

Nach vielen Vogelgrippe-Todesfällen bei Koloniebrütern im Sommer ist das Infektionsgeschehen bei Wildvögeln zuletzt in Deutschland und Europa deutlich zurückgegangen. Seit vergangenem Jahr sind von H5N1-Infektionen vor allem Möwen und verwandte Wildvögel betroffen gewesen. Fälle bei Gänsen und Enten sind seltener. Ob sich das Virus zuvor wegen Immunität bei Gänsen und Enten neue Wirte suchen musste, sei unklar, sagte Martin Beer vom FLI der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir haben einfach noch zu wenig Daten“, so der Wissenschaftler. Man wisse zu wenig über den Einfluss zunehmender Herdenimmunität auf das Infektionsgeschehen bei Wildvögeln. Das FLI habe beispielsweise Proben von Seeadlern auf den Inseln Rügen und Usedom in Mecklenburg-Vorpommern genommen. „Wir hatten mehrere infizierte und zu Tode gekommene Nestlinge von Seeadlern. Aber die Population hat sich nicht stark verändert. Das heißt, diese Vogelart ist damit als Gesamtpopulation vorerst ganz gut zurechtgekommen.“

Eine andere Untersuchung finde auf Grönland statt: „Wir beproben dort Wildgänse, um herauszufinden, wie viel Nachwuchs gibt es und welche Antikörper gebildet wurden.“ Daraus sollten möglichst auch Schlüsse für künftige Ausbrüche gezogen werden.

„Was das Ganze nicht so einfach vorhersehbar macht, ist, dass sich das Virus im Moment in den Wildvögeln mit anderen Influenzaviren mischt. Wir haben allein in Europa mehr als 40 sogenannte H5N1-Genotypen“, so der Wissenschaftler.

Aussagen darüber, wie sich der gerade einsetzende Vogelzug in Deutschland und Europa auf das Infektionsgeschehen auswirkt, seien schwierig: „Jetzt im Moment warten wir, ob es zu einer kleinen oder größeren Welle durch die Zugvögel kommt.“

Laut Martin Beer könne der Wildvogelzug wieder neue Wirte für die noch vorhandenen Viren bieten. Zum anderen wisse man nicht, ob diese Vögel nicht auch wieder neue H5-Viren aus den Brutgebieten mitbrächten.

Proplanta
Bild: adobe_stock_rebel

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