Klima im Putenstall

30 Juni 2022
Pute
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Puten können in einer Vielzahl von Klimazonen gehalten werden. Die beiden am schnellsten wachsenden Märkte sind Nordafrika (sehr heiße Sommer) und Russland (sehr kalte Winter). In kalten Klimazonen sind die Anforderungen an die Stall- und Klimasteuerung sehr hoch. In heißeren Regionen kann die Haltung viel günstiger sein. Ein falsches Klimamanagement kann die Gesundheit, die Leistung und die Endergebnisse einer Herde stark beeinträchtigen.

Probleme in der Klimaführung können zu Atemwegsproblemen, Magen-Darm-Störungen und systemischen bakteriellen Infektionen führen. Sie sind meist mit hohen Gehalten an NH3, CO, CO2 und Staub in Verbindung zu bringen. Übermäßige Feuchtigkeit beeinträchtigt die Qualität der Einstreu und führt zu Läsionen an den Sohlenballen. Junge Küken und Endmasthähne sind sehr anfällig für Klima-bedingten Stress. Dieser führt sehr häufig zu erhöhter Frühsterblichkeit, vermehrten Selektionen und im späteren Stadium zur Kontamination der Karkasse durch chronische Luftsackveränderungen.

Klima im Putenstall. Das Stallklima ist eine Kombination aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -geschwindigkeit, Zusammensetzung der Stallluft, Staub und Licht. Diese Faktoren können sich alle gegenseitig beeinflussen.

Mikroklima

Das Mikroklima ist schwer zu standardisieren. Es erfordert Beobachtungsgabe und Verständnis für die Bedürfnisse von Puten, um optimale Bedingungen zu schaffen. Jeder Landwirt hat seine eigene spezifische Kombination aus Einstellungen und Herangehensweise, um eine optimale Leistung zu erzielen. Diese lässt sich nur selten von einem Betrieb oder Putenstall auf einen anderen übertragen.

Die meisten Parameter können mit elektronischen Geräten gemessen werden, aber ihre Werte bedeuten nicht unbedingt Behaglichkeit für (alle) Tiere. Nehmen Sie sich Zeit im Stall! Beobachten Sie das Tierverhalten. Überprüfen Sie den Luftstrom (z.B. mittels Rauchtest). Finden Sie die kritischen Bereiche im Stall, die außerhalb der Reichweite der Sensoren liegen. Versuchen Sie, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Parametern zu verstehen, um zu lernen, wie man Putensignale wahrnimmt und darauf reagiert.

Bodentemperatur

Das erste, was die Küken nach dem Entladen aus den Transportkisten spüren, ist die Boden- bzw. Einstreutemperatur. Diese beeinflusst ihre Aktivität und Gesundheit vom ersten Moment im Putenstall an stark und bestimmt die Gesamtleistung des gesamten Aufzucht- und Mastdurchgangs. Vergewissern Sie sich, dass der Stall und der Boden richtig vorgewärmt sind.

Lufttemperatur

Die Lufttemperatur ist nach der Bodentemperatur der zweitwichtigste Parameter. Bei Verwendung von hängenden Heizstrahlern sollte die Temperatur in den ersten Tagen etwa 35°C betragen. Messen Sie diese Temperatur am Rand des Heizstrahlers ca. 5 cm über der Einstreu oder auf Höhe des Rückens der Küken. Überprüfen Sie die Genauigkeit des Thermometers, bevor die Küken ankommen. Verringern Sie die Temperatur der Heizstrahler wöchentlich um etwa 2,8°C, bis sie 18‒20°C erreicht haben oder diese der vorherrschenden nächtlichen Umgebungstemperatur entspricht ‒ je nachdem, welche höher ist. In den ersten Wochen sollte die Raumtemperatur mindestens 21°C betragen. Zugluft und starke Temperaturschwankungen sollten bei den Küken unbedingt vermieden werden. In milden Klimazonen ist nach der sechsten Woche, je nach Witterung, wenig oder gar keine Heizung mehr erforderlich. Bei Gefahr kalter Nächte sollte die Heizung wieder in Betrieb genommen werden.

Relative Luftfeuchtigkeit

Der Einfluss von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit steht in engem Zusammenhang. Dies kann mit einem Schwamm veranschaulicht werden. Warme Luft ist wie ein Schwamm, der Wasser aufnehmen kann. Wenn die Luft kälter wird, rücken die Luftmoleküle näher zusammen, so dass weniger Platz für Feuchtigkeit bleibt, genau wie beim Drücken eines Schwammes. Dies ist in Ordnung, bis der Schwamm gesättigt ist. Danach beginnt Wasser aus dem Schwamm zu tropfen. Erste Anzeichen für diesen Zustand sind eine insgesamt feuchte (klamme) Einstreu und die Bildung von Kondenswasser auf Oberflächen.

Schauen ‒ Denken ‒ Handeln. Wann leiden Küken unter Hitzestress? Man würde erwarten, dass Küken zur heißesten Tageszeit Hitzestress erleiden. Aber dieses Problem tritt normalerweise am Ende des Tages auf, wenn sich die Luft abkühlt und die relative Luftfeuchtigkeit schnell ansteigt. Dann können die Tiere ihre überschüssige Wärme nicht mehr loswerden. Denken Sie daran: Temperatur und Luftfeuchtigkeit hängen zusammen.

Angenehmes Klima

Wann fühlen sich die Küken wohl? Für sie ist eine relative Luftfeuchtigkeit (RL) von 50‒60% ideal. Als Faustregel kann man den Temperatur-/Feuchtigkeitsindex verwenden: T°C + RH%. 90 ist eine bequeme Zahl. Etwa 5 Punkte über dem angenehmen Wert beginnen die Küken mit Hitzestress. Wenn er über einen längeren Zeitraum über 115 bleibt, werden sie sterben. 

Wenn Küken Hitzestress zeigen, kann eine Erhöhung der Temperatur manchmal sogar helfen, sie abzukühlen, da die relative Luftfeuchtigkeit sinkt und sie mehr Feuchtigkeit verdunsten können! Eine Faustregel lautet: +1°C reduziert die RL um ca. 3%! 

Gut zu wissen: Küken vertragen warme und sogar heiße Bedingungen leichter als eine leichte Unterkühlung!

Luftqualität

Die Luftqualität wird durch die Puten selbst, die Art und den Zustand der Einstreu, die Belüftung, das Tränkesystem und die Heizmethode (direkte/indirekte Verbrennung) beeinflusst. Wenn Sie mehrere Ställe haben, können Sie das Verhalten der Puten vergleichen. Sind die Tiere in einem Stall weniger aktiv, könnte dies ein Hinweis auf ein Luftqualitätsproblem sein. 

Es gibt genug Sauerstoff in der Luft, so dass der Sauerstoffgehalt selten ein Problem ist. Der Anstieg von CO2 und anderen schädlichen Gasen kann jedoch eine Katastrophe bedeuten. Die meisten Gase können Sie mit Hilfe von Sensoren überwachen. Die wichtigsten Schadgase sind:

- Kohlendioxid (CO2)

- Kohlenmonoxid (CO)

- Ammoniak (NH3)

Schauen – Denken ‒ Handeln. Was sagt Ihnen dieses Tierverhalten? In großen und kleinen Gruppen drängen sich Tiere zwischen den Fütterungs- und Tränkelinien zusammen. Schnelles Handeln ist erforderlich: Erhöhen Sie die Temperatur um 0,5‒1,0°C und überprüfen das Verhalten der Herde nach 20‒30 Minuten erneut. Das Verhalten könnte auch mit einer Krankheit oder einer starken Impfreaktion zusammenhängen. In jedem Fall sollten Sie die Temperatur erhöhen, damit sich die Herde schneller erholen kann.
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Bild: Roodbont Publishers
Quelle: Roodbont Publishers

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