Praxis: Der „wahre” Preis von Lebensmitteln – das Penny Projekt

21 März 2024
Bio
Penny

Dr. Amelie Michalke, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geographie, Universität Greifswald, berichtete auf der Bioland Geflügeltagung 2024 von der versuchsweisen Umsetzung der Real-Bepreisung von Lebensmitteln in Penny-Märkten.

Die Ermittlung der „wahren” Preise

Werden ökologische und soziale Schäden monetarisiert, erhalten ökologische Produkte immer einen geringeren relativen Preisaufschlag, da sie einfach weniger Schäden verursachen. Natürlich sind Schadenskosten immer mit vielen Annahmen behaftet, schließlich können Modelle die Realität nie 100 % abbilden. Vergleicht man allerdings Marktpreise von konventionellen und von Bio-Produkten, gleichen sich die Endpreise an, wenn externe Kosten einbezogen werden.

Die Fallstudie PENNY

Der Discounter PENNY erklärte sich einverstanden, zusammen mit den Forschenden eine Informationskampagne durchzuführen. Die Kampagne 2020 arbeitete mit zwei Preisschildern an ausgesuchten Produkten, um die Kundschaft neben dem regulären auch über den „wahren” Preis dieser Produkte zu informieren. Der Kundschaft erschloss sich diese Auspreisung jedoch größtenteils nicht, so dass sie den regulären Preis als Sonderangebot interpretierte.

Nach dieser Erfahrung überarbeiteten die Forschenden ihren Ansatz, um 2023 eine neue Kampagne durchzuführen. In der Kampagne 2023 wurden neun Produkte ausgewählt, für die eine Woche lang von der Kundschaft in 2.150 Märkten der „wahre” Preis bezahlt werden musste. Es handelte sich um Joghurt, Käsescheiben, Mozzarella und Würstchen, die jeweils in der konventionellen und in der Bio-Variante neu bepreist wurden, sowie um ein veganes, konventionelles Schnitzel-Ersatzprodukt. Die ermittelten Umweltfolgekosten betrugen bei den konventionellen Produkten durchschnittlich 1,57 Euro, bei den Bio-Lebensmitteln durchschnittlich 1,15 Euro und bei dem veganen Schnitzel-Ersatzprodukt 14 Cent. Penny traf die Auswahl der Produkte – die Forschenden hätten sich nicht nur tierische Produkte ausgesucht. Die Kampagnenwoche zu den „Wahren Kosten“ soll als Grundlage für eine europaweit richtungsweisende Studie verwendet werden.

Reaktion auf „wahre” Preise

Die Penny-Kampagne brachte einen Medienaufschrei mit sich; Dr. Michalke zeigte sich mit dem Medieninteresse sehr zufrieden.
Während der Kampagne konnten die Forschenden selbst viele Daten sammeln und ihnen wurden auch von Penny viele Daten zur Verfügung gestellt. Anhand der Verkaufsdaten vor und nach der Kampagnenwoche versuchen die Forschenden zu ergründen, wie sich das Bewusstsein der Kundschaft verändert hat.

Während der Kampagnenwoche sind die Verkaufszahlen bei allen Produkten gefallen, allerdings blieb der Bio-Verkauf deutlich stabiler. Gründe dafür können sein, dass die Preisaufschläge deutlich geringer waren, aber auch dass sich die Biokundschaft möglicherweise schon mehr mit dem Thema beschäftigt hat. Das vegane Schnitzel-Ersatzprodukt, das nur einen geringen Preisaufschlag aufwies, erzielte einen höheren Abverkauf.

Fazit der PENNY-Kampagnenwoche: Alle finden die Idee gut, niemand will bezahlen

Eine Umfrage mit 2.000 Verbrauchenden, die an der Kampagne teilgenommen haben, zeigte, dass nur wenige mitbekommen haben, dass die „wahren” Preise von der Wissenschaft berechnet wurden. Die Unterstützung von politischen Maßnahmen, die helfen könnten, einer Kostenwahrheit näher zu kommen, ist über die Woche gefallen – sowohl bei den Personen, die konventionelle Produkte kauften, als auch bei denen, die Bio-Produkte kauften.

Magdalena Esterer
Bild: Penny

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