„Nein!“ zu 49 Tagen Aufzucht

10 Juni 2022
Masthuhn

Die Aufzucht von Bruderhähnen hat vor allem in Deutschland und Österreich große Bedeutung erlangt. Doch aufgrund der (angeblich) mangelnden Futterkapazitäten wird vielfach über eine Reduzierung der Aufzuchtdauer von 70 Tagen auf nur 49 Tage nachgedacht.

In Österreich soll dies nach Aussagen von Kennern der Szene bereits Standard sein. Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) hat den Gedanken einer Verkürzung der Aufzuchtdauer von Bruderhähnen bereits verworfen, war aus Mitgliederkreisen zu erfahren. 

Sieben Wochen alte Bruderhähne werden zu Tierfutter

Fakt ist, dass die Tiere bei einer Aufzuchtdauer von nur sieben Wochen nicht sinnvoll verwertet werden können. Wenn überhaupt, werden sie zu Tierfutter verarbeitet. Auch eine Aufzucht von 10 Wochen ist nicht optimal; der Fleischansatz in diesem Zeitraum stellt aber immerhin eine Verwertung in Aussicht.

Einige Bioverbände, bei denen die Tierwohlaspekte im Vordergrund stehen, geben mindestens 13 Wochen beziehungsweise ein Lebendgewicht von 1,5 Kilogramm vor. Das Fleisch dieser Tiere wird im Lebensmittelhandel als Brust, Schenkel oder Flügel vermarktet und es gibt viele Möglichkeiten im Bereich der Verarbeitung. Eine längere Bruderhahnaufzucht ist allerdings mit größerem Aufwand und höheren Kosten verbunden.

Aufzucht in Polen oder Ungarn

Die Aufzucht der männlichen Küken von Legehennenherkünften erfolgt nicht nur in Deutschland. Sie findet vermehrt auch in benachbarten Ländern wie Polen und Ungarn statt. Leider hat die EU-Kommission bisher keine Vorgaben für die Aufzucht erlassen, so dass derzeit nur über Kontrollorganisationen wie den KAT überprüft werden kann, ob die deutschen Standards der Bruderhahnaufzucht eingehalten werden. Die Kontrollen erfassen jedoch nicht lückenlos alle Bruderhahnaufzuchtbetriebe, da diese einer Teilnahme am System zustimmen müssen – was nicht alle Betriebe wünschen. Nicht zuletzt deshalb steht die Aufzucht von Bruderhähnen bereits im Visier namhafter Tierschutzorganisationen und NGO´s; es gibt Gerüchte über Qualaufzuchten. Als Ausgleich werden um 1 bis 4 Cent pro Eier mehr gefordert.

Es bleibt die Geschlechtsbestimmung im Brutei, aber auch diese ist umstritten. Dazu kommt, dass die Selektion nach dem 6. Tag nach dem deutschen Tierschutzgesetz ab 2024 verboten sein wird, was für einige Anbieter mit einer Erkennung ab dem 8. Tag das Aus bedeutet. Außerdem warten die gegenwärtig verfügbaren Methoden mit Ausfallraten von 10 Prozent und mehr auf, was zusätzliche Probleme und hohe Kosten bereitet. 

(CD)
Bild: Geflügelnews

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