Aus alt macht neu: Das Zauberwort heißt Coating

27 Mai 2026
Stallmanagement
Stefan Ro?

Stefan Roß hat auch eine kleine Fläche am Stalltor mit behandelt, um das Reinigen nach dem Misten zu erleichtern.


Jeder Hähnchen- oder Putenmäster kennt das: Nach einigen Jahren bekommt der Betonboden im Stall Risse und Löcher. Bei der Reinigung dringt Wasser in die Ritzen und winzigen Öffnungen ein – zusammen mit Krankheitserregern, die hier überleben. Abhilfe schafft eine Neubeschichtung des Bodens, das Zauberwort heißt Coating.  

„Man muss schon schnell sein“, lacht Stefan Roß. Der Hähnchenmäster aus Dreierwalde in Westfalen (Landkreis Steinfurt) meint damit das Neubeschichten der Böden in seinen Ställen. Er hat diese Arbeit selbst gemacht – zusammen mit Helfern: „Das ist grundsätzlich kein Hexenwerk. Das einzige Problem ist, dass die Zweikomponentenmischung, einmal angerührt, eben schnell aushärtet,“ erzählt er. Er würde es aber immer wieder selbst machen und kann das nur empfehlen – schließlich spart man so viel Geld. 

Hähnchenmast in drei Ställen

Stefan Roß mästet auf seinem Familienbetrieb mit Ackerbau auf insgesamt 110.000 Plätzen Hähnchen für die Haltungsform 2. Die Plätze verteilen sich auf drei Ställe, im Jahr 2008 wurde der erste gebaut, 2010 folgte Nummer 2 und 2023 wurde der dritte Stall errichtet. 

„Im ältesten Stall war der Betonboden schon ziemlich angegriffen“, berichtet er. Er hatte viele Risse, Löcher, wo sich Wasser ansammelte und stehen blieb beim Reinigen. Von Berufskollegen kannte er die Möglichkeit, den Betonboden neu zu beschichten. Er holte sich fachkundigen Rat bei einem Anbieter und vor zwei Jahren führte er die „Verjüngungskur“ für den Stallboden selbst durch. Das Ergebnis: Die Reinigung geht deutlich schneller bei dem glatten Boden, er spart merklich Heizkosten, weil das Aufheizen des Stalles vor dem Einstallen deutlich schneller geht. 

Stefan Roß hat rund 10.000 Euro für 2.000 qm Stallboden investiert ohne Arbeitskosten.

Böden in allen Ställen erneuert

Diese Erfahrung brachte Stefan Roß zu dem Entschluss, auch die Böden in seinen beiden neueren Ställen neu zu beschichten – auch wenn der Beton hier noch in deutlich besserem Zustand war: „Ich habe rund 10.000 Euro für 2.000 Quadratmeter Stall investiert, das Geld macht sich meines Erachtens schnell bezahlt“, sagt er. Beim zweiten und dritten Stall ging die Arbeit auch deutlich schneller als beim ersten: „Da waren wir ein eingespieltes Team.“ 

Welche Tipps hat er für andere Hähnchen- oder Putenmäster, die ihre Böden auch neu beschichten wollen? 

Wichtig ist, den gereinigten Boden vorher mit Phosphorsäure zu behandeln, dabei lösen sich viele Partikel auf der Oberfläche und der Beton wird aufnahmefähiger für das Epoxidharz. Das Epoxidharz besteht aus zwei Komponenten, die erst direkt vor der Verarbeitung zusammengemischt werden. Dann muss alles flott gehen. 

Mit vier Helfern passt es von den Abläufen

Die Zweikomponentenmischung für das Epoxidharz wird erst direkt vor dem Ausbringen angerührt.

Deshalb hatte der Hähnchenmäster sich auch Unterstützung geholt: „Mit vier Leuten passt es gut von den Arbeitsabläufen, dass man immer nachkommt mit dem Verteilen“, sagt er. Es sollte keine zu große Menge auf einmal angerührt werden. Sie wird auf der Stallbodenfläche ausgekippt, für die die angerührte Menge ungefähr reicht. 

Dann heißt es schnell sein mit dem Abzieher, mit dem die Masse gleichmäßig verteilt wird. Entstehende Luftblasen werden anschließend noch mit einer Farb- und Igelrolle glattgestrichen. Anschließend muss der Stall 24 Stunden trocknen, bis man den Boden wieder betreten darf. „Wenn man die Serviceperiode um etwa zwei Tage verlängert, klappt das gut mit dem Coating zwischen zwei Durchgängen“, so die Erfahrung von Stefan Roß. 

Alte Epoxidfüllungen entfernen

Wenn vor dem Neubeschichten schon mal einzelne tiefere Risse im Betonboden mit Harz aufgefüllt wurden, muss man dieses erst entfernen, bevor man den Boden komplett neu macht. „Harz auf Harz hält nicht“, weiß der Landwirt vom Hersteller. Bestehende tiefere Löcher können vor der Beschichtung ansonsten auch mit Quarzsand aufgefüllt werden. 

Stefan Roß hat in seinen Ställen auch die Wände etwa in Tierhöhe mit beschichtet. So hat der schwarze Schimmelkäfer keine Chance mehr, nach dem Ausstallen eines Durchgangs die Wände hochzukrabbeln in den Deckenbereich, um nach der Neueinstallung der Küken wieder in die Einstreu zu wandern. „Die Käfer kommen die glatten Wände nicht mehr hoch“, so der Hähnchenmäster. 

Nach dem Anrühren der Mischung heißt es schnell sein beim Verteilen auf dem Boden.

Etwas Vorsicht beim Ausmisten

Etwas vorsichtig sollte man im neubeschichteten Stall sein beim Ausmisten, damit man mit der Frontlader-Schaufel den Boden nicht beschädigt. Gegebenenfalls kann man Kunststoffschienen für die Schaufel benutzen. Den beschichteten Wandsockel reinigt Stefan Roß mit einem Gummibesen. Sein Fazit: Vor dem Hintergrund von Geflügelpest und Newcastle kann man das Thema Biosicherheit nicht hoch genug hängen. Aber auch anderen Erregern wie Kokzidien oder Salmonellen sollte man es möglichst schwer machen, sich im Stall einzunisten. Ein glatter Boden kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz, MS Schippers

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