Praxisversuch: Mehr Hygiene, weniger resistente Ratten

12 März 2023
Stallmanagement
Ratte

Wie wirken sich Hygiene-Maßnahmen auf den Rattenbefall auf landwirtschaftlichen Betrieben aus und ist es möglich, den Rattengift-Einsatz durch diese zu reduziere? Damit beschäftigte sich das Projekt ResRaMa (Management resistenter Ratten). Dr. Alexandra Esther vom Julius Kühn Institut stellte die Ergebnisse des Projektes im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerks Fokus Tierwohl vor.

Was sind rattenbezogene Hygiene-Maßnahmen?

Rattenbezogene Hygiene-Maßnahmen haben zum Ziel, Zugänge zu Nahrungsquellen der Tiere zu verhindern, Nistmöglichkeiten zu vereiteln und den Zugang zu Gebäuden zu unterbinden. Mögliche Nahrungsquellen sind Abfallhaufen, Silage oder Futterlager, die beseitigt oder unzugänglich gemacht werden müssen. An Nistmöglichkeiten finden sich oft unsortierte Haufen von Reifen, Holz, Müll oder Bauschutt – hier heißt es aufräumen. Und um zu unterbinden, dass Ratten Zugänge finden, müssen Löcher in Gebäuden oder Silos abgedichtet werden.

"Wenn man Ratten bekämpfen will, muss man lernen wie eine Ratte zu denken! (Zitat eines Zuhörers der Veranstaltung)"

Praxisversuch: Rattenbekämpfung mit und ohne Hygiene-Maßnahmen

Im vorgestellten Projekt ResRaMa wurde die Rattenbekämpfung auf sechs Betrieben, die rattenbezogene Hygiene-Maßnahmen durchführten, mit der auf sechs Betrieben, die keine rattenbezogenen Hygiene-Maßnahmen durchführten, verglichen. Es wurden der Bekämpfungserfolg, die Wiederbesiedlung und das Vorkommen resistenter Tiere untersucht.
Auf allen Betrieben wurde sieben Tage vor der Bekämpfung die Befallsstärke ermittelt. Dies erfolgte mit Hilfe von aktiven Köderboxen, also Boxen, bei denen die Fraßmenge über 3 g lag und in denen sich Köder mit und ohne Antikoagulanzien (Wirkstoffe zur Hemmung der Blutgerinnung) befanden. Zur Resistenzanalyse wurden tote Ratten untersucht und dokumentiert, ob sie in den Gebäuden oder außerhalb der Gebäude gefunden worden waren. Auf den Betrieben mit rattenbezogenen Hygiene-Maßnahmen wurden dann als erste Maßnahme die Futterplätze entfernt oder abgeriegelt. Danach wurde auf allen Betrieben mit Köderboxen eine Bekämpfung durchgeführt, die maximal 55 Tage dauerte. Während der Bekämpfung wurden auf den sechs »Hygiene-Betrieben« als zweite Hygiene-Maßnahme die Nistmöglichkeiten unterbunden. 138 Tage nach der Bekämpfung wurde der aktuelle Befallsstand ermittelt.

Ergebnisse des Praxisversuchs

Der Bekämpfungserfolg wurde anhand der inaktiven Köderboxen gemessen. Nach der Bekämpfung war die Anzahl der inaktiven Köderboxen auf den »Hygiene-Betrieben« signifikant höher: Das verschwundene Futter lag bei durchschnittlich 350,5 g auf den »Hygiene-Betrieben« und bei 1.023,7 g auf den »Nicht-Hygiene-Betrieben«. Auch der Befallsverlauf zeigte ein deutlich besseres Ergebnis auf den »Hygiene-Betrieben«.
Die Wiederbesiedlung wurde anhand der aktiven Köderboxen gemessen, indem erfasst wurde, wie viele Tage nach der Rattenbekämpfung vergingen, bis 20 Prozent der Köderboxen wieder aktiviert wurden. Bei den »Nicht-Hygiene-Betrieben« dauerte es 26 Tage, bis 20 Prozent der Boxen nach der Bekämpfung wieder aktiviert wurden, bei den »Hygiene-Betrieben« 111 Tage. Nach 138 Tagen waren bei den »Hygiene-Betrieben« 25 Prozent der Boxen aktiv, bei den »Nicht-Hygiene-Betrieben« 46 Prozent.
Es konnte kein Unterschied bei der Häufigkeit resistenter Ratten festgestellt werden. Innerhalb von Gebäuden fanden sich mehr resistente Tiere als außerhalb und nach der Bekämpfung war der Anteil der nicht-resistenten Tiere höher.

Fazit

Ratten können erfolgreicher und ausdauernder bekämpft werden, wenn zusätzlich Betriebshygiene-Maßnahmen - wie die Beseitigung von Futter und Nistmöglichkeiten – durchgeführt werden. Außerdem kann dadurch die Etablierung von resistenten Ratten deutlich verzögert werden, so dass Rodentizid-Anwendungen seltener nötig sind. Durch die verminderten Rodentizid-Anwendungen werden Infektions- und Umweltrisiken reduziert.

Magdalena Esterer
Bild: Pixabay

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